HEA-Veranstaltung: Lohnt sich eigene PV-Anlage? / Stromspeicher kann Bilanz verhageln

Rentabilität hängt vom Eigenverbrauch ab

Cord Remke

Klein Köhren/Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Die ersten Module mit gerade mal 4,1 Kilowatt installierter Spitzenleistung ließ Cord Remke vor 19 Jahren auf seinem Hausdach montieren. Kaum jemand investierte damals schon in die Photovoltaik (PV). Der Klein Köhrener bekam nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) 99 Pfennig Einspeisevergütung pro Kilowattstunde für 20 Jahre garantiert. Das ist nun bald vorbei. Den Großteil des Stroms aus Sonnenlicht, den Remke produziert, subventionieren die Verbraucher aber weiterhin über den Strompreis. Denn der heute 66-Jährige hat seine Anlage im Laufe der Zeit mehrfach erweitert – bis auf aktuell 25 kW Peak. Inzwischen überlegt er, 2020 einen Akku auf Salzwasserbasis zu erwerben. Er weiß: Die Rentabilität von PV-Anlagen kann er steigern, wenn er viel von seinem Solarstrom selbst verbraucht – eine Option auch für Unternehmen mit hohem Strombedarf.

Unter welchen Voraussetzungen sich PV-Anlagen auf dem eigenen Dach angesichts von nur noch 10 Cent pro Kilowattstunde (kWh) Einspeisevergütung lohnen, erläuterte Energieberater Lars Möller aus Beckeln kürzlich während eines Info-Abends im Gasthaus „Charisma“, der rund 80 Interessierte mobilisierte. Eingeladen dazu hatte die Harpstedter Energie-Agentur (HEA) mit ihrem Vorsitzenden Cord Remke. Möller veranschaulichte das Thema an Rechenbeispielen: Eine PV-Anlage mit acht kW Spitzenleistung wäre für 14 000 Euro zu haben – einschließlich Zähler, Wechselrichteraustausch, Versicherung etc. 160 000 produzierte kWh binnen 20 Jahren, komplett ins Netz eingespeist, brächten gerade mal 16 000 Euro ein, also 2 000 Euro mehr als die Aufwendungen. Verbraucht der Betreiber aber nur ein Viertel des Stroms selbst, ließen sich bereits Einnahmen von 20 000 Euro generieren.

Da läge es nahe, produzierten Solarstrom zu speichern, um diesen effizienter selbst nutzen zu können – auch dann, wenn die Sonne nicht scheint. Wie Möller am Beispiel eines Akkus mit sechs kWh nutzbarer Leistung aufzeigte, droht aber gegenwärtig noch ein Nullsummenspiel. Seinen Berechnungen zufolge stünden, wiederum bezogen auf eine Anlage mit acht kW Peak, Einnahmen von 25 100 Euro Ausgaben von 25 000 Euro gegenüber – unter der Prämisse, dass der Betreiber 70 Prozent seines Solarstroms selbst verbraucht. Knackpunkt: Der Akku hält nicht 20 Jahre, sondern muss schon vor Ablauf der Förderperiode erneuert werden. Hinzu kommt: Lithium-Ionen-Speicher werden unter prekären Bedingungen produziert. Inzwischen gibt es eine bessere – auch umweltfreundlichere – Option, zeigte wiederum Ronald Koch von dem Unternehmen „Bluesky Energy“ auf: Die Salzwasser-Stromspeicher-Technologie dieses österreichischen Herstellers sei seit Jahren tausendfach erfolgreich im Einsatz, betont der Anbieter auf seiner Website. Der Platzbedarf der Speicher ist im Vergleich mit Lithium-Ionen-Akkus etwas größer – bei allerdings ähnlich hohen Anschaffungskosten.

Mit Alexander Apke (Volksbank Wildeshauser Geest) hatte die HEA einen dritten Referenten zur Teilnahme bewogen. Der Fachmann informierte über Möglichkeiten der Finanzierung von PV-Anlagen und Akkus.

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