Sascha Redemann trainiert oft stundenlang

Reizvolle Liaison von Jonglage und Theater schwebt ihm vor

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Mit dem Flowerstick stellt Sascha Redemann geradezu atemberaubende Dinge an. Seine Jonglagekunst möchte er mit Elementen des Theaters verbinden.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Sascha Redemann kniet. Ein längerer Stab pendelt, auf dem Boden stehend, zwischen zwei kürzeren, die er in seinen Händen hält, hin und her. „So fängst du an, wenn du lernen willst, mit dem Flowerstick zu jonglieren, erklärt der ehemalige Altenpfleger, der aktuell Arbeit sucht und nach eigenem Bekunden „wahrscheinlich zurück in die Pflege“ gehen wird. Den pendelnden Stab zum „Schweben“ zu bringen – das ist die erste große Herausforderung für blutige Anfänger.

„Du kommst nur in kleinen Schritten voran und lernst nach dem Prinzip ,Versuch und Irrtum’“, erzählt der 37-Jährige. Seit einiger Zeit wohnt er mit Ute Bescht im ehemaligen Freese-Haus an der Grünen Straße in Harpstedt – in einer Künstler-WG. Beide sind befreundet. „Aber nicht liiert“, betont Bescht.

2013 weckte ein Jongleur in der TV-Show „Das Supertalent“ das Interesse des Ur-Gelsenkircheners Redemann. „Thorsten Ritter hatte es mit seinen Devil Sticks ins Finale geschafft, gewann aber nicht. Für mich war er trotzdem der Sieger“, sagt der Wahl-Harpstedter. Die Devil Sticks probierte er dann selbst aus. Die ernüchternde Erkenntnis: „Die sind nicht meins.“ Mit dem leichteren Flowerstick kommt Redemann viel besser zurecht. 

Den Stab mit den „Rosen“ an beiden Enden etliche Sekunden um einen Handstab kreisen zu lassen, scheint heute zu seinen leichtesten Übungen zu gehören. Der 37-Jährige beherrscht noch weit schwierigere Tricks. Oft trainiert er stundenlang. Es gebe aber auch Tage, an denen nichts gelinge. „Dann legst du die Sticks am besten aus der Hand“, rät Redemann. Einen freien, intuitiven Jonglierstil möchte er kultivieren – angelehnt an die fließenden Moves des YouTubers Felix Leger.

Performance nimmt Gestalt an

Redemann würde es begrüßen, wenn die Jonglage mehr Akzeptanz als künstlerische Ausdrucksform fände. In seinem Kopf nimmt eine Performance mit Elementen des Theaters Gestalt an, die er „mit mehreren Leuten“ umsetzen möchte – vielleicht auf mittelalterlichen Märkten oder in einem anderen Rahmen. 

Ihm schwebt vor, eine Liebesgeschichte reizvoll mit den Ausdrucksmöglichkeiten der Jonglage zu verknüpfen – und dabei selbst in die Rolle eines Satyrs zu schlüpfen. Dieses „Mischwesen“ taucht in der griechischen Mythologie als ein Dämon im Gefolge des Dionysos auf.

„Der Satyr nähert sich einer Frau, vielleicht auch einer Fee. Sie reagiert zunächst ängstlich und verschreckt. Er fängt an zu jonglieren. Sie verliert ihre Scheu und bemerkt, dass dieses Wesen gar nicht so schlimm und gefährlich ist wie vermutet“, gibt Redemann Grundzüge des erdachten Plots preis. 

In der „Verpackung“ eines Fantasy-Gewands spreche die Handlung das Auge besonders an, glaubt er. Den weiblichen Gegenpart des Satyrs soll Verena Fischer aus Koblenz übernehmen. Sie ist beim Theater tätig und arbeitet schon an ihrem Kostüm. Zusätzlich involviert sein wird wohl Jessica Kolweyh. Die Harpstedterin jongliert selbst – mit Pois, also Bällen an Schnüren, die es auch in leuchtender Ausführung gibt.

Von seinem Satyr-Kostüm hat Sascha Redemann recht genaue Vorstellungen. Darin wird er im Übrigen im März kommenden Jahres in Bremen auftreten. „Ich habe ihn nämlich für die Nacht der schönen Künste engagiert“, erzählt Ute Bescht. Zusammen mit der Syker Künstlerin Ruth Cordes organisiert sie dieses Event zweimal jährlich im Schnoor.

Jongleure für Gruppe gesucht

Galerien, die mitmachen, bleiben bis Mitternacht oder gar bis 1 Uhr geöffnet. Live-Vorführungen und Aktionen machen den Besuchern Lust auf Kunst. „Sascha kriegt einen festen Job. Er wird bei der nächsten Nacht der schönen Künste jonglierend auf und ab gehen – wie ein mittelalterlicher Gaukler, aber eben kostümiert als Fabelwesen. Im Rahmen eines Walking Acts führt er die Leute in die Galerien“, verrät Ute Bescht. Sie selbst gehört zur Künstlergemeinschaft „Art 15“, die im ältesten Giebelhaus im Schnoor ansässig ist.

Sascha Redemann versucht aktuell, eine Gruppe ins Leben zu rufen, in der sich Jongleure austauschen und gemeinsam üben – etwa auf dem Harpstedter Amtshof-Gelände oder auch bei Ute Bescht im Garten. Wer mitmachen will, darf sich gern bei ihm melden – entweder via Facebook oder telefonisch unter der Rufnummer 0179/72 76 195. Die Gruppe soll offen sein für alle erdenklichen Jonglagetechniken. Ob daraus mittelfristig Auftritte im privaten oder sogar öffentlichen Rahmen resultieren, wird sich zeigen.

Wohin ihn persönlich das Jonglieren mal führt, weiß Redemann nicht. „Vielleicht wird daraus ein Nebenerwerb“, mutmaßt er.

„Einfach fließen lassen!“, rät derweil Ute Bescht. Denn: Wer sich als Künstler vornehme, mit seinen Arbeiten Geld zu verdienen, setze sich selbst unter Druck, „und dann wird das nichts“. Ökonomischer Zwang tue der Kunst generell nicht gut.

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