Raubfisch-Imitat zählt zu den Unterwasser-Highlights des Kreidesees

Wo Harpstedts „Haie“ auf den „großen weißen“ treffen

+
Der weiße Hai sieht richtig lebensecht aus, ist aber lediglich eine durchaus gelungene Nachbildung.

Harpstedt/Hemmoor - Von Anja Rottmann. Der Kreidesee in Hemmoor nahe Cuxhaven ist mit 60 Metern Tiefe das dritttiefste Gewässer Norddeutschlands. Die Wassersportler des Harpstedter Turnerbundes (HTB) gehören zu denen, die dieses europaweit bekannte Tauchrevier für die Ausbildung ihrer Tauchschüler nutzen – so auch am vergangenen Wochenende wieder. Seinen Namen verdankt der See 117 Jahren Zementproduktion: Bis 1976 wurde dort Kreide abgebaut – und in einer Zementfabrik im direkten Umfeld verarbeitet.

Attraktionen unter Wasser sind neben Relikten des Tagebaus wie Gebäuden, Straßen, Laternen und Brücken auch neuere Tauchobjekte, darunter Bootswracks und sogar ein Flugzeug. Als Highlight gilt eine täuschend echte Nachbildung eines weißen Haies. Bei Tauchgängen ergibt sich nicht selten die Chance, Forellen und Lachsen in die Augen zu schauen.

Wilfried („Willi“) Kemper mit seiner Familie sowie Siegfried („Siggi“) Hoyer, beide Tauchlehrer-Assistenten bei den „Harpstedter Haien“ des HTB, machen aktuell Urlaub in Hemmoor. Neben dem privaten Wohnwagen der Kempers steht ganzjährig der vereinseigene Wohnwagen, der bis zu fünf Personen Platz bietet. „Unser Standort ist Treffpunkt für Besprechungen und gemütliches Beisammensitzen nach den Tauchgängen. Ebenso Anlaufpunkt für alle, die wir kennen und die zwischendurch den Tauchsport ausüben“, sagt Kemper. „Was für andere eine Turnhalle ist, ist für uns dieser Treffpunkt“, pflichtet Hoyer bei. Zurück zum vergangenen Wochenende: Für einige Prüflinge des HTB stehen die letzten Tauchgänge zum Erreichen des jeweiligen Brevets, des Tauchscheins, auf dem Programm. Janina ist „heiß“ darauf, ihre Silber-Prüfung absolvieren zu dürfen. Da sie erst in Kürze 16 wird, muss sie sich noch etwas gedulden. Die notwendigen Übungen und Theoriestunden hat sie bereits mit Erfolg hinter sich gebracht. Zu der Ausbildung, die sie durchläuft, gehört auch das Führen einer Gruppe: Janina bestimmt, wie was gemacht wird, taucht vorneweg und gibt die Richtung vor. Ihr persönliches Saisonziel hat sie fast erreicht. „Ich will 40 Tauchgänge schaffen – zwei fehlen mir nur noch. Bis zur Abreise am Dienstag null Problemo“, vermeldet sie stolz.

Mattis (14) schafft es binnen drei Tagen, die ihm zum Erlangen des Bronzeabzeichens noch fehlenden sechs Freiwassertauchgänge zu absolvieren. „Spannend fand ich die Aufstiegsübung aus zehn Metern Tiefe bis auf drei Meter. Nach einem Stopp von einer Minute beginnt dann der langsame Aufstieg nach oben“, begeistert sich Mattis. „Bei meinem letzten Tauchgang war ich in fast 13 Metern Tiefe“, fügt er hinzu.

Recht lange dauert es, bis die volle Montur angezogen ist. Eine komplette Tauchausrüstung wiegt immerhin 30 bis 35 Kilogramm. Theoretisch könnte Mattis jetzt mit jemandem, der den gleichen Tauchschein hat, auf Tour gehen – auch mit einem 14-Jährigen. „Es macht aber Sinn, gerade am Anfang einen Buddy dabei zu haben, also einen Tauchpartner, der Erfahrung mitbringt und selbst bei kniffligen Situationen unter Wasser ruhig bleibt“, weiß Wilfried Kemper.

Malte (13) hat indes statt der erforderlichen sechs Tauchgänge bereits 24 absolviert. Allein sein Alter hindert ihn (noch) daran, das Bronze-Brevet in den Händen zu halten. Das Mindestalter beträgt 14 Jahre.

Der See besitzt sieben verschiedene Einstiege. Einstieg eins mit Sicht zum Grund ist ideal für Schüler. Ebenso geeignet: die Nummer zwei. Dieser Einstieg besitzt eine schöne Plattform. Der Sichtkontakt kommt aber erst nach zwei bis drei Metern. Einstieg drei ist für Tauchschüler gesperrt – Voraussetzung zum Tauchen sind hier mindestens 40 Kaltwasser-Tauchgänge. Nicht ohne Grund, denn die Wassertemperatur nimmt mit wachsender Tiefe deutlich ab: Herrschen an der Oberfläche 22 Grad, sind es zehn Meter darunter nur noch 10 bis 14.

„Siggi“ Hoyer und „Willi“ Kemper, die beide mehrere 100 Tauchgänge hinter sich haben, wissen, auf welche Regeln es ankommt: Kein Risiko eingehen! Niemanden überfordern! Große Sorgfalt auf Sicherheit legen! „Wir üben so lange mit dem Schüler, bis er‘s kann und sicher ist“, versichert Hoyer. „Seit 13 Jahren sind wir jetzt in Hemmoor. In dieser Zeit hat es bei uns noch keinen einzigen Tauchunfall gegeben“, betont Kemper. Hoyer und er betreuen die Tauchbegeisterten von den Young Divers (Schnorcheln und Gerätetauchen) bis hin zu den Erwachsenengruppen. Ohne ein im Hintergrund wirbelndes Orga-Team, das sich ums Catering und viele andere Dinge kümmert, wären Tauchtage wie in Hemmoor nicht denkbar. Ein großer Dank gebühre, so die beiden Tauchlehrer-Assistenten, in diesem Zusammenhang Sonja Kemper, Franka Rennert, Meike Lücke und Susi Sandstedt.

Nachwuchs ist übrigens nach wie vor gern in den Reihen der „Harpstedter Haie“ gesehen. Weitere Informationen zur Wassersportabteilung des HTB sind im Internet nachzulesen.

www.harpstedter-haie.de

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Sonst nichts gemeinsam: Deutsche Großstädte und ihre US-Namensvetter

Sonst nichts gemeinsam: Deutsche Großstädte und ihre US-Namensvetter

Simbabwe: Partei will Mugabe des Amtes entheben

Simbabwe: Partei will Mugabe des Amtes entheben

Weihnachtsmarkt in Nienburg: Aufbau läuft

Weihnachtsmarkt in Nienburg: Aufbau läuft

Exoten unter den Autos: Diese Fahrzeuge sind äußerst selten

Exoten unter den Autos: Diese Fahrzeuge sind äußerst selten

Meistgelesene Artikel

Endspurt bei der Steuerung von Tierhaltungsanlagen

Endspurt bei der Steuerung von Tierhaltungsanlagen

Erster Weihnachtsbasar der Holbeinschule

Erster Weihnachtsbasar der Holbeinschule

Diakonie Himmelsthür lädt zum Weihnachtsmarkt ein

Diakonie Himmelsthür lädt zum Weihnachtsmarkt ein

„Kanga-Mamas“ für Wildeshausen gesucht

„Kanga-Mamas“ für Wildeshausen gesucht

Kommentare