Ehrungen des Städte- und Gemeindebundes

Ratsarbeit: Wie beim Heiraten geht’s um Vertrauen

Alice Gerken (l.) ehrte Kommunalpolitiker und -politikerinnen für 20, 25, 30 und 35 Jahre Ratsarbeit.
+
Alice Gerken (l.) ehrte Kommunalpolitiker und -politikerinnen für 20, 25, 30 und 35 Jahre Ratsarbeit.

Harpstedt – Nach jeweils 35 Jahren Ratsarbeit müssen sich Cord Remke aus Klein Köhren und Heinz-Jürgen Greszik aus Dünsen am Donnerstagabend im Kreise der durch den Niedersächsischen Städte- und Gemeindebund (NSGB) zu Ehrenden ein bisschen wie Dinosaurier gefühlt haben. Für beide ist die lange Zeit der aktiven kommunalpolitischen Mitbestimmung nun zu Ende.

Greszik gehörte dem Rat Dünsen dreieinhalb Jahrzehnte an (dem Samtgemeinderat zudem 30 Jahre) – und Remke dem Rat Beckeln genauso lange. Ihnen verlieh Alice Gerken, scheidende NSGB-Kreisvorsitzende, Ehrenmedaille und Urkunde.

Als allerletzte Amtshandlung zeichnete sie im Harpstedter Hotel „Zur Wasserburg“ 22 Frauen und Männer für 20, 25, 30 beziehungsweise 35 Jahre Mitarbeit in Samtgemeinde- und/oder Mitgliedsgemeinderat aus.

Ich selbst bin ja eher der Schnacker. Herwig zeichnete sich hingegen immer dadurch aus, dass er so gut mit Zahlen umgehen konnte. Er hat mir mal gesagt, er lese Zahlen und Exceltabellen wie ein Buch.“

Alice Gerken

Für Gerken endet nach 15 Jahren die Zeit als Hauptverwaltungsbeamtin der Gemeinde Ganderkesee. Sie empfand es als ein Bedürfnis, auch ihrem Amtskollegen Herwig Wöbse, der mit Ablauf des Monats Oktober nach sieben Jahren aus dem Amt des Samtgemeindebürgermeisters ausscheidet, für die gute Zusammenarbeit zu danken. Sie überreichte ihm einen kleinen silbernen Schutzengel für seinen weiteren Lebensweg.

Wöbse, der zugleich zu den „offiziell“ zu Ehrenden (für 20 Jahre Mitarbeit im Rat der Samtgemeinde Harpstedt) gehörte, revanchierte sich mit einem Blumenstrauß. „Ich selbst bin ja eher der Schnacker. Herwig zeichnete sich hingegen immer dadurch aus, dass er so gut mit Zahlen umgehen konnte. Er hat mir mal gesagt, er lese Zahlen und Exceltabellen wie ein Buch“, plauderte Gerken ein wenig aus dem Nähkästchen.

Sachkenntnis auch „in der Tiefe“

„Von uns Bürgermeistern der Kreisgemeinden ist Herwig wohl derjenige gewesen, der sich in den Fachthemen am besten, auch in der Tiefe, auskannte. Auf seine Sachkenntnis konnten wir uns immer verlassen“, sagte Gerken. Eine Samtgemeinde zu leiten – das sei sicher nicht so einfach. „Du, Herwig, wirst in der Runde der Bürgermeister fehlen, aber nun verschlägt es dich zu neuen Ufern – wie auch mich. Das ist gut so. Wir gucken mal, was das Leben uns noch so bietet.“ Schmunzelnd und mit einem kleinen Joke ehrte die bisherige NSGB-Kreisvorsitzende Heinz-Jürgen Greszik: „Wir kennen uns seit vielen Jahren aus dem Hauptarbeitskreis des Städte- und Gemeindebunds. Wir durften auch schon zusammen verreisen. Sogar mit Übernachtung!“

Heiraten heißt ,lebenslänglich’. Da kann man nicht so leicht aussteigen wie aus der Ratstätigkeit.“

Alice Gerken

Mit einem geflügelten Wort des Theologen Adolf von Harnack leitete Gerken ihre Rede ein: „Nichts kann den Menschen mehr stärken als das Vertrauen, das man ihm entgegenbringt.“ Sie hinterfragte, wie das bei der ersten Kandidatur vor 20, 25, 30 oder 35 Jahren gewesen sei. Stefan Wachholder erwiderte: „So ähnlich wie beim Heiraten.“ Darauf Gerken: „Heiraten heißt ,lebenslänglich’. Da kann man nicht so leicht aussteigen wie aus der Ratstätigkeit. Aber mit Vertrauen hat das auch zu tun.“

Von der Verpflichtung, sich ständig zu kümmern

Als Ratsneuling sei einem vieles fremd. Etwa die plötzliche Bekanntheit. Oder dass man am Fleischertresen auf ein neues Baugebiet angesprochen werde. Gerkens Eindruck: „Die meisten Bürgerinnen und Bürger erwarten, dass man in den meisten Dingen zumindest ein Basiswissen hat. Wenn nicht, dann macht man sich schlau und steht im Wort anzurufen – vielleicht nicht heute und nicht morgen, aber spätestens am Montag.“ Kommunalpolitiker stünden letztlich immer, 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche, in der Verantwortung. Da gebe es schon eine Verpflichtung, sich ständig zu kümmern. Die Ratsarbeit präge durchaus das eigene Leben. Sie funktioniere aber nur, wenn der Partner und die eigene Familie mitzögen. Kämen ständig Fragen wie „Warum musst du in die Sitzung?“ und „Wann kommst du nach Hause?“ mache das Amt sicher keine Freude. „Von daher darf ich im Namen des Städte- und Gemeindebundes auch Dank aussprechen an Ihre Angehörigen, die Ihr Amt mitgetragen haben oder noch mittragen“, sagte Gerken. Nachfolgend die Namen aller Geehrten (in Klammern sind die Räte angegeben, auf die sich die Auszeichnungen beziehen).

20 Jahre Ratsarbeit/Ehrennadel in Silber: Anne Wilkens-Lindemann (Rat Colnrade; sie wirkt auch seit 15 Jahren als Bürgermeisterin), Klaus Budzin (Samtgemeinde und Flecken Harpstedt), Hermann Schnakenberg (Flecken), Klaus-Dieter Westphal (Flecken), Thomas Hacke (Prinzhöfte), Günter Wöbse (Beckeln, Gerken erwähnte auch 15 Jahre Mitarbeit im Samtgemeinderat), Stefan Wachholder (Samtgemeinde), Herwig Wöbse (Samtgemeinde);

25 Jahre Ratsarbeit/Ehrennadel in Gold: Heiner Thöle (Beckeln), Heinrich Dittmer-Hohnholz (Dünsen), Andrea Schadwinkel (Dünsen), Horst Bokelmann (Flecken), Birgit Zypress (Kirchseelte), Werner Lange (Prinzhöfte), Michael Müller-Hjortskov, Jens-Uwe Wöhler (beide Winkelsett);

30 Jahre Ratsarbeit/Ehrenmedaille: Christian Nagler (Dünsen), Horst Hackfeld (Samtgemeinde und Flecken), Willi Beneke (Winkelsett), Hartmut Post (Dünsen und Samtgemeinde).

35 Jahre Ratsarbeit/Ehrenmedaille: Cord Remke (Beckeln), Heinz-Jürgen Greszik (Dünsen; auch 30 Jahre im Samtgemeinderat).

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

iPhone 13 jetzt schon sichern – zu diesen Hammer-Konditionen

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Angela Merkel: die wichtigsten Momente ihrer Karriere

Meistgelesene Artikel

Vollsperrung der A1 und Stinkefinger aus Auto

Vollsperrung der A1 und Stinkefinger aus Auto

Vollsperrung der A1 und Stinkefinger aus Auto
Werder-Anhänger müssen Zug verlassen

Werder-Anhänger müssen Zug verlassen

Werder-Anhänger müssen Zug verlassen
Teilabriss von alter Fleischerei Tonn: Keine Chance auf ein Flachdach

Teilabriss von alter Fleischerei Tonn: Keine Chance auf ein Flachdach

Teilabriss von alter Fleischerei Tonn: Keine Chance auf ein Flachdach
Zwei neue Corona-Testcenter

Zwei neue Corona-Testcenter

Zwei neue Corona-Testcenter

Kommentare