Katrin Feldner und Axel Landsberg machen nun 2021 bei der „Baltic Sea Circle“ mit

Rallye-Abenteuer muss ein Jahr warten

Ein Charity-Projekt muss jedes Team realisieren, das bei der „Baltic Sea Circle“ mitmischt. So auch die „Geest Drivers“: Katrin Feldner und Axel Landsberg (hinten) haben entschieden, dass die Spenden, die sie akquirieren, an die Harpstedter Jugendfeuerwehr und den Hospizverein fließen. Das freut naturgemäß Jugendfeuerwehrwartin Jana Siemers (vorn l.) und die Hospizvereinsvorsitzende Elke Kopmann-Cordes (vorn r.).  
Foto: Bohlken
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Ein Charity-Projekt muss jedes Team realisieren, das bei der „Baltic Sea Circle“ mitmischt. So auch die „Geest Drivers“: Katrin Feldner und Axel Landsberg (hinten) haben entschieden, dass die Spenden, die sie akquirieren, an die Harpstedter Jugendfeuerwehr und den Hospizverein fließen. Das freut naturgemäß Jugendfeuerwehrwartin Jana Siemers (vorn l.) und die Hospizvereinsvorsitzende Elke Kopmann-Cordes (vorn r.). Foto: Bohlken

Harpstedt – Hätte sich Corona nicht zur Pandemie ausgewachsen, säßen Katrin Feldner (48) und ihr Mann Axel Landsberg (57) von heute an im Auto. Und zwar in ihrem Nissan Pathfinder, Baujahr 1999, mit Dachzelt als Schlafmöglichkeit. Für das Ehepaar aus Harpstedt begänne dann ein Abenteuer, das bei planmäßigem Verlauf nach 16 Tagen und etwa 7 500 auf Landstraßen zurückgelegten Kilometern zu Ende ginge. Doch der Plan, mal raus aus der Komfortzone zu kommen, und die Herausforderung, durch zehn Länder in Ost- und Nordeuropa zu cruisen, sich Stellplätze für die Nacht zu suchen und unterwegs originelle Aufgaben zu lösen – all das muss nun warten. Ein Jahr lang. Dabei schien doch alles so gut vorbereitet. Sogar das Visum für Russland kam rechtzeitig.

Es hilft nichts: Ein unsichtbarer „Spielverderber“, das Sars-CoV-2-Virus, hat die „Baltic Sea Circle“ platzen lassen. 2021 aber werden die beiden abenteuerlustigen Harpstedter bei der Rallye dabei sein. Zwar setzt das wiederum beträchtlichen Organisationsaufwand und ein neuerliches Beantragen von Visa voraus, aber „dank Corona“ bleibt ihnen nun mehr Zeit, Sponsorengelder zu akquirieren. Denn während es bei der Rallye nicht um Tempo geht, spielt der Charity-Gedanke eine große Rolle. Feldner und Landsberg haben mit der Harpstedter Jugendfeuerwehr und dem Hospizverein der Samtgemeinde Harpstedt bereits „ihre“ Nutznießer auserkoren. Ihr Charity-Projekt kann jedermann online mit Spenden unterstützen (betterplace.org/de/fundraising-events/34379-wir-fahren-rallye-du-spendest-fuer-harpstedt).

Der rote Nissan Pathfinder darf sich mit Blick auf die „Baltic Sea Circle 2021“ – etwas lapidar ausgedrückt – gern in eine rollende Litfaßsäule verwandeln. Will heißen: Das Ehepaar stellt die anfangs „nackte“ Karosserie als Werbeplattform zur Verfügung. Firmen, Non-Profit-Unternehmen und dergleichen können mit Aufklebern auf sich und ihre Leistungen international aufmerksam machen; die Reklame fährt nämlich die vollen 7 500 Kilometer mit. Wer Werbeflächen buchen will, melde sich via Mail an axel@landfeld.de.

Auf Instagram und Facebook haben sich die beiden Harpstedter bereits unter dem Team-Namen „Geest Drivers“ angemeldet; hier können alle ihnen folgen.

Spenden via Betterplace.org

„Die Rallye gibt es seit neun Jahren. Sie startet in Hamburg. Die Teilnehmerzahl hat mit der Zeit stetig zugelegt“, weiß Katrin Feldner. Die Fahrstrecke führe zunächst durch Dänemark, Südschweden und Norwegen, hoch zu den Lofoten, weiter zum Nordkap und danach durch Finnland. Die Teilnehmer hätten dann die Wahl zwischen der Finnland- und der anspruchsvolleren Russland-Route, erläutern die „Geest Drivers“. Beide Strecken verlaufen auch durch das gesamte Baltikum. „Über Polen geht’s zurück nach Deutschland – zum Ausgangspunkt Hamburg. Wer will, der kann im Verlauf der Rallye einen Abstecher nach Kaliningrad machen. Das hatten wir vor. Wir wollten die Russland-Route fahren. Dabei bleibt es übrigens auch 2021“, sagt Katrin Feldner.

Spannend seien die unterwegs zu lösenden Aufgaben. „Die Teilnehmer wissen vorher nicht, was da auf sie zukommt. Wir haben beispielsweise von einem Team gehört, dass ein Fahrer – im Auto sitzend – eine Ziege auf den Schoß nehmen und sich dabei fotografieren lassen sollte. Das stelle ich mir nicht gerade einfach vor: Wie sollte ich unterwegs an eine Ziege kommen, die das auch noch mitmacht? Die Nachweise für erledigte Prüfungen kommen ins Roadbuch, das am Ende abgegeben wird“, erzählt Katrin Feldner.

Die Rallye-Regeln verbieten das Befahren von Autobahnen und die Nutzung von Navis. Die Teams sollen ohne Zeitdruck heil wieder in Hamburg ankommen und ihre Aufgaben möglichst gut erledigt haben. Außerdem müssen sie die Durchführung ihrer Charity-Aktion nachvollziehbar belegen. „Deswegen haben wir uns für das Portal Betterplace.org entschieden. Da ist die Transparenz des Spendenflusses auf jeden Fall gegeben“, versichert Axel Landsberg und ergänzt: „Bei der Auswahl derjenigen, die in den Genuss der Gelder kommen, ist uns ein lokaler Bezug besonders wichtig gewesen. Bevor wir starten, müssen wir übrigens schon ein gewisses Spendenpolster nachweisen.“

Ihre Startnummer ist die 313

Auf die „Baltic Sea Circle“ aufmerksam geworden waren die 48-jährige Freiberuflerin und der 57-jährige Nutzfahrzeugverkäufer durch Rallye-Teams, die sie 2019 gen Hamburg fahren sahen.

„Wir sind bequem geworden“, erkannte das Paar. Und dann war sie da: die Lust, dem Alltag mal zu entfliehen, sich von alten Denk- und Verhaltensmustern zu lösen und die Rallye in der Aussicht auf ein Stück Freiheit selbst mitzumachen. Das schon bezahlte Startgeld ist gewissermaßen nun der „Fahrschein“ für die Teilnahme im kommenden Jahr. „Wir bleiben mit unserer Startnummer, der 313, gemeldet. Der Veranstalter hat aber auch die Möglichkeit eingeräumt, sich das Startgeld zurückerstatten zu lassen. Das lief ganz entspannt“, erzählt Katrin Feldner.

Die Rallye-Fahrzeuge müssten mindestens 20 Jahre alt sein. Wohnmobile würden nicht zugelassen. Ein umgebauter Bus wäre indes kein Problem. Sogar eine Teilnahme auf zweirädrigen Fahrzeugen sei möglich. „Wir werden jede Nacht in einem Dachzelt schlafen, das wir uns extra angeschafft haben. Das wird für uns als Nichtcamper eine besondere Herausforderung“, vermutet Katrin Feldner stark. Der Nissan Pathfinder habe Allradantrieb. Die Tour führe aber nicht durch offenes Gelände, sondern ausschließlich über Straßen in mal mehr und mal weniger gutem Zustand. „Straßenkarten haben wir uns vom ADAC besorgt. Mit dem Fahren wechseln wir uns ab. Axel scherzt, wenn ich überwiegend Copilot sei, kämen wir mit 7 500 Kilometern lange nicht hin; dann würden daraus wohl eher 17 500“, erzählt die 48-Jährige schmunzelnd und widerspricht empört: „So schlecht bin ich im Kartenlesen mit Sicherheit nicht!“ Wichtig findet sie es, das Event zusammen mit ihrem Mann zu erleben: „Bei vergangenen Rallyes sind nämlich einige Paare als ,Nicht-Paare’ nach Hause gekommen.“

Da nun Zeit bleibt, kann das Harpstedter Team den Nissan ausgiebig auf Herz und Nieren testen und flott für 2021 machen.

„Wir brauchen noch einen Aufbau, damit das Dachzelt richtig platziert werden kann. Von einem Tischler haben wir eine Inneneinrichtung mit kleiner Küche und Kühlschrank einbauen lassen. Essen müssen wir uns unterwegs selbst machen. Wir nehmen eine Camperausstattung mit. Dazu gehören auch Grill und Wasserkocher. Es gibt keine Hotspots, keine abendlichen Treffpunkte. Wir sind also 16 Tage völlig auf uns gestellt. Aber das ist ja gerade das Reizvolle“, sagt Katrin Feldner.

Von Jürgen Bohlken

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