„Zwischen den Regenschauern“ geboren

Muli Raindancer soll bei Ausritten für mehr Sitzkomfort sorgen

Das am 28. Juni „zwischen den Regenschauern“ zur Welt gekommene Muli-Fohlen Raindancer (Mitte) weicht seiner Mutter Filipa (links) kaum von der Seite. Jens Meyer und Nikola Degener halten neben Pedro, dem Vater des Maultiers, weitere Esel – rechts eine der Stuten. - Fotos: Bohlken

Hackfeld/Beckstedt - Von Jürgen Bohlken. Esel sind störrisch? Jens Meyer aus Hackfeld will das nicht bestätigen. Sie zählten nicht zu den Fluchttieren und handelten überlegter als Pferde. Ähnliches kann der 39-Jährige über Mulis sagen; seit dem 28. Juni gehört ihm selbst ein Maultier-Fohlen: Raindancer kam „zwischen den Regenschauern“ auf einer Weide zur Welt – daher der ungewöhnliche Name des zierlichen, neugierigen Kerlchens.

Bei einem Muli handelt es sich immer um eine Kreuzung aus Eselhengst und Pferdestute. Beim Maulesel ist hingegen die Mutter grundsätzlich eine Eselsstute und der Vererber stets ein Pferdehengst.

Raindancer grast aktuell auf einer Weide von Hiltraud und Heiner Lindemann in Beckstedt und hat längst die Aufmerksamkeit des ganzen Dorfs auf sich gezogen. Eigentlich hatte Jens Meyer für den Aufbau einer Mulizucht ein anderes Muttertier im Visier gehabt. Die ursprünglich ausgeguckte Pferdestute aber ließ der für die Zuchtzwecke angeschaffte Großeselhengst Pedro desinteressiert links liegen. Stattdessen weckte „Neuzugang“ Filipa sein Interesse. Er vergnügte sich klammheimlich mit dieser Mangalarga-Marchador-Stute. Die wiederum, so findet Meyers Lebensgefährtin Nikola Degener, mache einen regelrecht „tiefenentspannten“ Eindruck.

Frohe Botschaft kam recht überraschend

Stille Wasser sind offenbar auch im Tierreich mitunter tief. Jedenfalls blieb die „Liaison“ mit Pedro nicht folgenlos: Für die Eigentümer recht überraschend kam aus dem Mund von Tierärztin Dr. Karin Metz die frohe Botschaft, Filipa sei tragend. Raindancers Geburt ging ohne Komplikationen über die Bühne.

Esel halten Jens Meyer und Nikola Degener übrigens schon länger: Neben Hengst Pedro gehören Mirabelle, eine fast einjährige Stute, und deren fünfjährige Mutter Rosi zum lebenden Inventar.

„Ein Muli wollte ich mir schon vor Jahren kaufen. Ich bin deswegen viel unterwegs gewesen. Aber in Deutschland bekommt man fast nichts, und wenn doch, dann nichts Ordentliches. Renommierte Züchter gibt es in der Schweiz und in Frankreich, aber bei denen sind für gewöhnlich nur normale Mulis zu bekommen. Ich aber wollte ein Gangmuli haben, dass auch die Gangarten Tölt und Pass beherrscht. Letztlich geht es mir nämlich ums bequeme Sitzen beim Reiten“, gesteht Jens Meyer. 

„Und wann kriege ich meine Streicheleinheiten?“, scheint Muli Raindancer (l.) fragen zu wollen.

Aus gutem Grund: Der 39-Jährige unternimmt mit seiner Lebensgefährtin häufig lange Wanderritte. Außerdem mischt er als Postreiter beim „Pony-Express“ mit. Auch 2017 übernimmt er im Verlauf dieses in der ganzen Region bekannten Staffelritts die Etappe bis Ellenstedt. „Die Strecke ist länger als in früheren Jahren. Ich muss jetzt rund 30 Kilometer zurücklegen. Losreiten werde ich am 13. August um 18.15 Uhr. Diesmal natürlich noch auf dem Pferd. Irgendwann will ich dann mit dem Muli starten“, verrät Meyer.

„Raindancer brauchen wir aber hauptsächlich fürs Wanderreiten. Und zwar als Pack- und Reitmuli“, erzählt Nikola Degener. „Bei unseren Reiturlauben hatten wir bislang je ein zusätzliches Packpferd dabei, oder einer von uns fuhr mit der Kutsche. Zudem kommen stets unsere beiden Hunde mit.“

„Da entsteht ja eine richtige kleine Kita“

Worin in dieser Form des naturnahen „Reisens“ der Reiz liege? „Im Sattel kannst du den Kopf ausschalten. Wenn du ein schönes Plätzchen findest, pflanzt du dich da einfach hin“, sagt Degener. Das Pärchen übernachtet für gewöhnlich in einem Tarp, einem einfachen satteldachförmigen – vorn und hinten offenen – Schutzzelt. An Klamotten nimmt jeder nur so viel mit, wie in eine Satteltasche passt. „2016 sind wir den Gestütsweg vom Landegestüt Redefin nach Neustadt (Dosse) geritten. Im Jahr davor schafften wir es von der Mecklenburgischen Seenplatte bis runter nach Bad Wilsnack, also rund 400 Kilometer weit. Wir wollten damals sogar noch weiter, aber mein Pferd hatte sich verletzt“, erinnert sich Degener. „Wir schlafen auf Höfen hinterm Haus, auf Weiden oder sogar Sportplätzen. Den passenden Ort für das Nachtquartier suchen wir uns meist spontan, weil wir ja nie genau vorher wissen, wie weit wir kommen“, erzählt Nikola Degener. Das „komplette Programm“ an Utensilien komme mit, fügt Jens Meyer hinzu – von Schlafsäcken über Weidezaun-Sticken bis hin zu Kochgeschirr und Lebensmitteln. „Wir sind auf unseren Reiturlauben vollkommen autark.“

Esel brauchen zwingend einen Unterstand. „Im Winter sind die Tiere alle bei uns in Hackfeld“, erläutert Nikola Degener. Ein Unterstand existiert aber auch auf der Weide der Lindemanns in Beckstedt.

Voraussichtlich im kommenden Sommer soll Raindancer auf der Weide Gesellschaft bekommen – dann in Hackfeld. Zwei Hengstfohlen von Karin Metz sollen sich dem Muli hinzugesellen. „Ich habe außerdem noch einen Jährlingshengst. Alle zusammen können sich dann austoben und ihre Jugend genießen“, sagt Degener.

„Da entsteht dann ja eine richtige kleine Kita“, merkt Hiltraud Lindemann schmunzelnd an.

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