Landkreis unterstützt Antrag der Grünen zur L 776 / Diepholzer sehen keine Priorität

Radwegeausbau – bis zur Kreisgrenze

Auf der Bassumer Straße kann es für Radfahrer ungemütlich werden. Foto: backhaus

Harpstedt/Bassum – Die Verwaltung des Landkreises Oldenburg spricht sich in einer Beschlussvorlage dafür aus, dem Bau eines Radwegs zwischen Harpstedt und Bassum gegenüber der niedersächsischen Straßenbaubehörde besondere Dringlichkeit zu verleihen. Auch die Samtgemeinde Harpstedt befürwortet das Vorhaben. Bis das Projekt realisiert wird, könnte es allerdings noch dauern.

Anfang September hatte die Landkreisfraktion Bündnis 90/Die Grünen beantragt, entlang der L 776 (Bassumer/Harpstedter Straße) einen etwa zehn Kilometer langen Fuß- und Radweg zu schaffen. Sie begründete, dieser sei an der schnell befahrenen Straße vor allem aus Sicherheitsgründen geboten. Zudem erhoffen sich die Grünen einen positiven Beitrag zum Klimaschutz: „Mehr Personen würden diese Strecke mit dem Rad oder zu Fuß anstelle eines Kraftfahrzeugs nutzen, wenn ein Rad- und Fußweg vorhanden wäre.“

In ihrer Stellungnahme für die Sitzung des Bau- und Straßenausschusses am Dienstag, 12. November, verweist die Kreisverwaltung auf das niedersächsische „Radwegekonzept an Landesstraßen“. Das zuletzt 2016 fortgeschriebene Papier unterscheidet in „vordringliche“ und „weitere Vorhaben“. Da zwar der Landkreis Oldenburg, auf dessen Gebiet die eine Hälfte des geplanten Wegs liegt, diesen als „vordringlich“ gekennzeichnet hat, der ebenfalls zur Hälfte betroffene Landkreis Diepholz jedoch nicht, sei das Vorhaben damals in die Schublade „weiterer Bedarf“ gerutscht. Deshalb könne derzeit „keine konkrete planerische und bauliche Perspektive in Aussicht gestellt werden“, erläutert die Kreisverwaltung. Auf Nachfrage habe der Nachbarlandkreis zudem mitgeteilt, die Strecke entlang der L 776 weiterhin nicht prioritär behandeln zu wollen.

Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse erklärt auf Nachfrage, in Gesprächen mit der Gemeinde Bassum habe diese zwar positive Signale für einen neuen Rad- und Fußweg gesendet. Allerdings gebe es im Landkreis Diepholz noch mehrere Strecken, auf denen ein solcher fehle. Für die Samtgemeinde hingegen ist die Strecke an der L 776 die letzte überregionale Verbindung, die keinen Radweg habe.

Für Pendler, die entweder nach Bassum müssten oder aber den dortigen Bahnhof nutzen wollten, um nach Bremen zu fahren, könnte der Ausbau eine gute Alternative zum Autoverkehr sein, findet Wöbse. Die Entfernung von etwa zehn Kilometern sei gut zu schaffen. „Ein Teilabschnitt würde auch schon eine Verbesserung bringen“, sagt der Bürgermeister. Deshalb befürwortet er den Vorstoß des Landkreises Oldenburg, den Ausbau erst einmal einseitig zu beschleunigen.

Dieser will sich laut Stellungnahme der Verwaltung bei der nächsten Fortschreibung des Radwegekonzepts für eine Einstufung des Streckenabschnitts bis zur Kreisgrenze in den „vordringlichen Bedarf“ aussprechen. Ein Viertel der Kosten würde laut Grundsatzbeschluss der Landkreis Oldenburg übernehmen. „Die Erfahrung zeigt, dass das Teilstück auf Diepholzer Kreisgebiet später zeitlich beschleunigt werden kann, wenn das Teilstück auf Oldenburger Kreisgebiet bereits realisiert wäre“, schreibt die Verwaltung. Auch Wöbse geht davon aus, dass die Realisierung des Reststücks von der Diepholzer Seite kein großes Problem wäre.

Allerdings könnte es noch dauern, bis das Radwegekonzept des Landes erneut fortgeschrieben wird. Die aktuellen Ausbauprojekte – insgesamt mehr als 600 – wurden 2016 festgelegt und priorisiert. Seitdem werden sie abgearbeitet. Laut Auskunft des Landesverkehrsministeriums sind „von den 144 Projekten im ,vordringlichen Bedarf’ bereits neun Radwege für den Verkehr freigegeben worden, 2019 und 2020 werden weitere fünf Radwege folgen.“ 69 Vorhaben seien zudem in unterschiedlichen Realisierungsphasen, teilt die Behörde mit. Eine Fortschreibung des Konzepts rücke erst dann in den Fokus, wenn zumindest die Planung des Großteils der Projekte aus dem ,vordringlichen Bedarf’ abgeschlossen sei. „Ob und wann dies sein wird, ist noch nicht abzusehen“, schreibt das Ministerium.

Es sei allerdings möglich, einen Radweg unabhängig vom Konzept zu befördern, wenn die Gemeinden bei der Planung, dem Grunderwerb oder dem Bau helfen, heißt es weiter. Die Behörde verspricht: „Wird der Landesstraßenstandard eingehalten, übernimmt das Land anschließend die Baulast.“

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