Pure Begeisterung statt „mixed Emotions“

Quartett „Butterfly on a Wheel“ macht Lust auf die Stones

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Mit einem rundum guten Gefühl verabschiedeten sich Heike Becker, Hans Rohe, Ilka Posin und Karl Neukauf (v.l.) nach ihrem Stones-Tribute-Konzert im „Liberty's“ von ihrem Harpstedter Publikum.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. „Hu-huu“ schallte es durch das „Liberty's“ in Harpstedt – in der Hoffnung, doch noch in den Genuss von „Sympathy for the Devil“ zu kommen. Doch das Quartett „Butterfly on a Wheel“ blieb seinem Ansinnen treu, keine Top-Hits der Rolling Stones, sondern weniger bekannte Tracks jenseits von „(I can't get no) Satisfaction“ aus der Feder von Mick Jagger und Keith Richards zu spielen.

Die Laune trübte das nicht, ganz im Gegenteil: Als die Stimme Karl Neukaufs bei dem Dancefloor-tauglichen „Emotional Rescue“ in Eunuchen-Sphären emporstieg, feierten die Zuhörer die Berliner Band ein letztes Mal für den unvergesslichen Abend.

Bass-Solo begeistert das Publikum

Die Stones auf Disco-Terrain? Ja, auch das gab es in der 50-jährigen Geschichte ihres Schaffens, aber die Wurzeln der Rock-Dinos liegen woanders – vor allem im Blues. Für gelegentliche Anleihen an den Boogie-Woogie sorgte oft Piano-Man Nicky Hopkins – zwar kein exklusives Mitglied der „rollenden Steine“, aber an vielen Produktionen beteiligt. In seine Rolle schlüpft bei „Butterfly on a Wheel“ Keyboarder Neukauf. Während des Konzertes aus Anlass des vierjährigen Bestehens der Reihe „Kultur am Donnerstag“ in Harpstedt wechselte er an den Tasten zwischen Piano- und Hammond-Klang, zelebrierte mal die Schwermut von Balladen wie „Till the next goodbye“ oder „Time waits for no one“, um dann wieder groovend nach vorn zu preschen. In perfekter Harmonie dazu variierte Hans Rohe sein Gitarrenspiel – und den Sound zwischen akustisch, elektrisch verzerrt und „Slide“.

Als Leadsänger wechselten sich die Herren ab, doch auch die augenzwinkend als „Mischung aus Charlie Watts und Marianne Faithfull“ angekündigte Ilka Posin (Cajon) kam vokal zum Zuge und verlor schnell ihr anfängliches Lampenfieber, als sie merkte, dass die Zuhörer richtig mitgingen. Etwa bei „Under my Thumb“. Oder auch bei „Beast of Burden“, jener Nummer aus dem Album „Some Girls“, die zwar nicht den Stones, wohl aber Bette Midler zu einem lupenreinen Chart-Hit verhalf. Als der „Stray Cat Blues“ erklang, richteten sich alle Augenpaare auf die Vierte im Bunde, Heike Becker, die ihrem Bass ein Solo entlockte – so furios, dass sie als Reaktion den Zwischenruf „Mehr davon!“ provozierte.

Querbeet durch die Stones-Geschichte

„You got the Silver“, der erste Stones-Song, den Keith Richards allein einsingen durfte, interpretierte Karl Neukauf eher im Jagger-Style. Um das Stück ranken sich einige Geschichten, sogar Legenden. Jagger soll die Ur-Fassung gesungen haben, das Tape dann aber verloren gegangen und daher Richards in die Bresche gesprungen sein. Aus anderen Quellen heißt es, Band und Produzent hätten beide Versionen beurteilt und am Ende die des Gitarristen für das Album „Let it bleed“ bevorzugt.

Querbeet spielten sich „Butterfly on a Wheel“ durch die Stones-Geschichte – durch „Perlen“ aus für die Ewigkeit gemachten Longplayern wie „Beggars Banquet“, „Aftermath“ oder „Exile on Main Street“. Zugleich sparten sie manches etwas verkannte Juwel nicht aus und gaben mit „She is hot“ und „Too much blood“ sogar gleich zwei Kostproben aus dem von Musikkritikern eher naserümpfend beurteilten Album „Undercover of the Night“.

„Harpstedt ist irgendwie ein magischer Ort“

Das Publikum plagten beim Lauschen keineswegs „mixed Emotions“, sondern es konnte sich kaum satthören an den grandiosen Kompositionen. Für manchen Fan vielleicht überraschend: Auch Jagger und Richards haben geklaut: „Love in Vain“ etwa schrieb der Bluesmusiker Robert Johnson schon 1936.

Am Ende des Abends mussten sich selbst eingefleischte Stones-Fans eingestehen, nicht jedes Stück gekannt zu haben.

Die sympathische Tribute-Band verließ das „Liberty's“ indes mit einem guten Gefühl. „Das war ein schöner Abschluss unserer kleinen Nord-Tour. Harpstedt ist irgendwie ein magischer Ort“, urteilte Karl Neukauf im Gespräch mit unserer Zeitung.

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