Band „Grammophon & Schellack“ singt von „Roten Lippen“

Publikum schmunzelt über Frivoles aus den 1920er-Jahren

Die Musiker aus Hannover sangen durchaus auch etwas anzügliche Hits – aber immer mit Charme. - Foto: Nosthoff

Dünsen - Von Anja Nosthoff. Die 20er-Jahre des vorigen Jahrhunderts hielten am Freitagabend im Rahmen der „Kultur am Glockenturm“-Reihe Einzug in der Dünsener Zufluchtskirche. Frivol, charmant und musikalisch eindrucksvoll präsentierte das Ensemble „Grammophon & Schellack“ aus Hannover bekannte Hits aus dieser Zeit. Angesichts unzähliger eindeutiger Anspielungen, die als ganz typisch für den Zeitgeist stehen, kam das Publikum dabei aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus.

Bei den immer wieder durch kleine Schauspieleinlagen bereicherten Songs wie „Ich küsse Ihre Hand, Madame“ tauschten die Zuschauer im Stillen amüsierte Blicke. Sie belohnten die Musiker jedoch eher durch „anständigen“ Zwischenapplaus nach den Liedern als durch laute Heiterkeitsausbrüche oder spontane Begeisterungsstürme. Schließlich machten auch die Musiker das vor: Der Schein des Anstands musste in den 1920er-Jahren schließlich immerhin noch gewahrt bleiben, auch wenn die Liedtexte ganz eindeutig die Richtung vorgaben.

So sang Stan Hemken als galanter Verehrer – wie seine Musikerkollegen übrigens stilecht in Frack und Zylinder gekleidet – vom „roten Mund“, von dem er nur träumen kann, da das Herz seiner Angebeteten leider nicht mehr frei ist. Stattdessen hauchte der Sänger jedoch seinen Kuss auf die Hand einer Zuschauerin aus der ersten Reihe und versicherte: „Es gibt noch eine Lösung, um mich zu heilen: Wenn Sie Ihr Herzchen ausnahmsweise teilen!“

Von Fritz Rotter stammt der Text zu dem Tango-Schlager von 1928. Zu dem Hit wurde sogar ein gleichnamiger Stummfilm mit Marlene Dietrich gedreht. Später interpretierten auch Johannes Heesters, Fritz Wunderlich, die Comedian Harmonists und viele andere bekannte Sänger den Song.

In diese Liste reiht sich auch das Ensemble „Grammophon & Schellack“ ein. Denn mit Gesang, Kontrabass (Stephan Werner), Violine (Klaus Heuermann) und Akkordeon (Jano Blase) widmen sich die Musiker der Lebensfreude der Zeit, „als man noch Fliege trug, den Schwarzen Freitag fürchtete und trotzdem in Champagner badete“.

So präsentierten die Herren während der ersten Konzerthälfte unter anderem die Songs „Zwei rote Lippen und ein roter Tarragona“, „Wochenend‘ und Sonnenschein“ sowie „Frauen sind keine Engel“. Auch bei „War‘n Sie schon mal in mich verliebt?“ versprühte Hemken von der Bühne aus ganz passend zum Songtext selbstbewusst seinen Charme und versicherte: „Das ist das Schönste was es gibt.“ Mit von der Partie war ebenso das Stück „In einer kleinen Konditorei“, in der man sich zum Rendezvous traf.

Die Möglichkeit nachteiliger Mitbringsel einer Ehe nahm das Ensemble aufs Korn, als es musikalisch die Geschichte von Friedrich und seinem Fräulein Helen‘ erzählte, das jener hatte so „wunderschön baden sehen“. Nach Jahren der Ehe verwandelt sich jedoch Friedrichs Ekstase in Jammer.

Nachdem die Zuschauer dann noch erfahren hatten, was die schöne „Donna Clara“ und ihre Tänze mit den Männern und deren Träumen machte, wurden sie erst einmal in die Pause geschickt. Dort konnten Musiker und Zuschauer sich für neue Frivolitäten und Lachmuskel-Angriffe wappnen.

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