Theaterabend der großen Gefühle

„Einer flog über das Kuckucksnest“: Publikum begeistert

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Viele auch aus dem Milos-Forman-Film „Einer flog übers Kuckucksnest“ bekannte Szenen fanden sich in der Bühnenfassung wieder.

Kirchseelte - Von Anja Rottmann. Große Erwartung lag am Samstagabend in der Luft, als der Delmenhorster Theaterverein „ProSzenium“ im ausverkauften Kirchseelter Dorfgemeinschaftshaus das Stück „Einer flog über das Kuckucksnest“ vor rund 100 Besuchern aufführte.

Die Romanvorlage geht auf Ken Kesey zurück, die Theaterfassung auf Dale Wassermann. Die Handlung ist bei aller Tragik mit Situationskomik gespickt. Und so wurde es ein Abend der großen Gefühle. Nicht zuletzt das Verdienst der brillanten Schauspieler.

Rebellion mit Witz und Vehemenz

Die Inspiration für das später von Milos Forman erfolgreich verfilmte Buch „Einer flog über das Kuckucksnest“ hatte Kesey 1959 bekommen, als er als Aushilfe in der Psychiatrieabteilung des „Veterans Hospitals“ in Kalifornien arbeitete. Zu jener Zeit wurden noch Elektroschocktherapien und fragwürdige operative Methoden angewandt. Die Patienten endeten oftmals als psychisches und physisches Wrack, waren für ihr weiteres Leben gezeichnet. Kesey verarbeitete seine Erlebnisse in seinem Roman, der schon 1963 auf die Bühne gebracht wurde. Der Film aus dem Jahr 1975 erhielt etliche Auszeichnungen, darunter fünf Oscars – unter anderem für den besten Hauptdarsteller Jack Nicholson und die beste Hauptdarstellerin Louise Fletcher.

Schauplatz der Handlung ist eine amerikanische Nervenheilanstalt in den 1970er-Jahren. Monotonie prägt den Alltag auf der Station. In der Vorstellung des, wie alle glauben, taubstummen Häuptlings Bromden macht die „schwarze Maschine“ die Patienten zu dem, was sie sind. In Wirklichkeit stehen die Insassen unter dem Einfluss von betäubenden Medikamenten und Elektroschocks. Das kaltherzige Personal macht aus der Abneigung ihnen gegenüber keinen Hehl. Und Schwester Ratched lässt keine Gelegenheit aus, den Kranken in Gruppentherapien Qualen zuzufügen.

Doch alles ändert sich mit der Einweisung von Randle P. McMurphy. Der hat sich als geisteskrank ausgegeben, um einer Gefängnisstrafe zu entgehen. Von Anfang an rebelliert er mit Witz und Vehemenz gegen die Mechanismen von Überwachung und Bestrafung und gibt auf diese Weise den anderen Patienten ein Stück ihrer eigenen Menschlichkeit zurück. Schwester Ratched lässt Veränderungen aber nicht zu. McMurphy mutiert zu ihrem erbittertsten Widersacher; er nimmt den Kampf auf – und verliert. Am Ende gibt es sogar zwei Todesopfer: Patient Billy Bibbit schneidet sich die Kehle durch. Und den mit Elektroschocks vom Personal ein für alle Mal ruhiggestellten McMurphy erwürgt der Häuptling, um ihm ein Leben in geistiger Umnachtung zu ersparen.

Anstrengendes Verharren

Spielleiterin Petra Wahed-Harms hatte mit der 15-köpfigen Theatertruppe neun Monate lang geprobt; die Aufführung in Kirchseelte war die siebte. Am Sonntag folgte dann die letzte Vorstellung in der Oldenburger Kulturetage. „Die Schwierigkeit bestand darin, so viele Darsteller auf die Bühne zu bringen“, verriet die Regisseurin im Gespräch mit unserer Zeitung.

Jens Fischer verkörperte den McMurphy. In einigen Szenen musste er für längere Zeit in einer Position verharren. Eine durchaus anstrengende Angelegenheit. Das Ensemble bekam Unterstützung vom Schauspielcoaching Kathrin Steinweg. Mit dieser Hilfe schafften es die Schauspieler, dramaturgische Szenen glaubwürdig umzusetzen und Spannung aufzubauen. Sandra Otte aus Hölingen spielte den von vielen Problemen geplagten Patienten Billy Bibbit. Eine vielschichtige Rolle. „Als Frau einen ernsten Mann zu spielen ist einfacher als das Verulkte“, urteilte Otte. „Wir sind eine harmonische und fröhliche Truppe. Das Miteinander ist super. Das macht das Einstudieren relaxter“, fügte sie hinzu.

Mit involviert waren sechs Tänzer des Jugendtheaters „ProSzenium Teens“, die unter Anleitung von Antonia Stemmer, die „schwarzen Maschinen“ verkörperten.

Das Ensemble erntete brandenden Applaus. Organisator Jochen Dyck zeigte sich begeistert: „Alle Schauspieler waren besonders motiviert. Ich habe ausnahmslos positive Meldungen von den Besuchern erhalten.“

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