Projekt will Kultur erlebbar machen

Zersägte Fassadenteile des „Steins“ werden ins Museumsdorf befördert

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Für das Baustellengespräch warfen sich die Teilnehmer passend zum Projekt „Stein“ in Schale. 

Harpstedt/Cloppenburg - Zwischen Discokugel und Käse-Igel hat das Museumsdorf Cloppenburg dieser Tage mit Förderern und Partnern ein moderiertes Baustellengespräch zur Umsetzung der früheren Harpstedter Landdisco „Zum Sonnenstein“ geführt.

Dabei kam auch die Musik zu ihrem Recht. Sehr schnell war bei den baubegleitenden Architekten Hermann Dunkler-Gronwald und Achim Wiechmann aus Hude der Funke übergesprungen, sich in das „Abenteuer Translozierung“ zu stürzen: „Die Möglichkeit, so etwas zu verwirklichen, ist toll. Es geht ja nicht nur um den Erhalt eines Gebäudes. Sondern nach der Umsetzung der Disco ins Museumsdorf sollen die Leute reingehen und sagen können: ,Ja, genau so war es!’ Letztlich wird Zeit konserviert, die man selbst erlebt hat.“ Lob erntete die gute Zusammenarbeit der Museumsdorfmitarbeiter mit den beteiligten Firmen sowie die hohe Motivation auf allen Seiten. Die besondere Herausforderung für die Architekten besteht darin, mit dem aufwendigen Abtrag in Harpstedt und der Wiedererrichtung in Cloppenburg gleich zwei Baustellen zu haben.

„Warum geht eine Stiftung in die Förderung dieses Projektes?“, hinterfragte Museumsdirektorin Dr. Julia Schulte to Bühne. „Die Disco-Zeit der 1970er- und 80er-Jahre ist ein wesentliches Stück Kulturgut einer wichtigen Umbruchphase. Um diese Ära für unsere Region wachzuhalten, ist das Umsetzungsprojekt sehr gut geeignet“, erwiderte Gerhard Fiand, Vorstandsvorsitzender der LzO Stiftung Kunst und Kultur. Deren Geschäftsführerin Gabriele Mesch bescheinigte dem Projekt „mit Strahlkraft“ eine hohe Emotionalität. Es gehe auch darum, Kultur erlebbar zu machen.

Dass gerade jüngere Zeitgeschichte in den Museen Niedersachsens unterrepräsentiert sei, merkte Dr. Tabea Golgath von der Stiftung Niedersachsen an. Die Möglichkeit, eine ganze Disco als Kulturgut bewahren zu können, sei ein großartiger Glücksfall. Die Gremien der Stiftung seien von der Förderwürdigkeit sehr schnell zu überzeugen gewesen, hieß es.

Ihrer Begeisterung für das Projekt „Stein“ konnten die Förderer mit passender Bekleidung Ausdruck verleihen. Auf einem Kleiderständer des Museumsdorfes war von der blumigen Kittelschürze bis zum Travolta-Anzug reichlich Auswahl vorhanden. Während sich die Damen mit Schürzen schmückten, griff Gerhard Fiand ziel- und stilsicher zum olivgrünen Bundeswehrparka. Als Vertreter der Jako Baudenkmalpflege GmbH, unter deren Regie die Translozierung der ehemaligen Disco abgewickelt wird, nahm Philipp Schäle an dem Gespräch teil. „Jede Gebäudeumsetzung ist spannend. Es stellt sich immer wieder die Frage, wie wir an die Sache rangehen, damit das Haus äußerlich so wenig wie möglich beschädigt wird.“

Die Größe der zu zersägenden Fassadenteile richtet sich jeweils nach den Transportwegen. Das größte Teilstück des schon zersägten „Steins“ misst 12,20 Meter in der Länge und 4,5 Meter in der Breite. Der Schwerlasttransport ins Museumsdorf steht noch bevor. Lediglich an zwei Stellen müssen Hindernisse abgebaut werden. Das größte Fassadenelement wird zu nächtlicher Stunde mit Polizeibegleitung befördert, und zwar vom 24. auf den 25. September. Das erste Mal wird der Tieflader bereits am Mittag des 24. September eintreffen. Weitere Tagfahrten sind an den beiden darauffolgenden Tagen vorgesehen.

Bevor es im Anschluss an das Gespräch den wohlverdienten Käse-Igel gab, galt es offiziell den Zeitschnitt festzulegen, der im „Sonnenstein“ wieder zum Leben erwachen soll. Mithilfe einer riesigen Discokugel wurden schließlich die 80er-Jahre als Grundzeitfenster ausgemacht. Daran waren im Sinne einer Piñata mehrere Bänder befestigt. Als die Förderer an der Schnur zogen, die mit „80er-Jahre“ gekennzeichnet war, öffnete sich die silberne Kugel und ließ Konfetti, Mini-Schallplatten und Süßigkeiten regnen.

eb/boh

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