Politik will Zahlen sacken lassen

Bis 2026 deutlich weniger aktive Feuerwehrmitglieder?

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Von den aktuell 139 Atemschutzgeräteträgern in der Samtgemeindefeuerwehr (Stand: September) scheiden altersbedingt 79 mittelfristig aus. Die Zahl der Feuerwehrleute in der Einsatzabteilung schrumpft voraussichtlich bis 2026 um rund zehn Prozent auf 302.

Grund: Es rückt zwar Nachwuchs aus den Jugendfeuerwehren nach – aber nicht so viel, wie an Aktiven altersbedingt in die Seniorenabteilung wechselt. Ein weiteres Problem ist die rückläufige Tagesverfügbarkeit.

Um die Frage, wie sich die freiwilligen Feuerwehren künftig entwickeln, um ihre Zukunftsfähigkeit und das schwierige Unterfangen, Nachwuchs zu rekrutieren, ging es während einer zurückliegenden Klausurtagung. Zu den Ergebnissen ist feuerwehrseitig eine Powerpoint-Präsentation erarbeitet worden. Diese Bestandsaufnahme mit Ausblick in die Zukunft erläuterte die Gemeindekommandospitze aus Günter Wachendorf und Frank Bollhorst am Montag im Feuerschutzausschuss der Samtgemeinde.

Dabei kamen auch einige Maßnahmen zur Sprache, die schon ergriffen worden sind, um „gegenzusteuern“. Hierzu zählen die zusätzliche Handy-Alarmierung, die Entscheidung, bei Einsätzen zwischen 6 und 18 Uhr nicht mehr nur zwei, sondern drei Wehren zu alarmieren, die Möglichkeit von Doppelmitgliedschaften und die neu ins Leben gerufene Kinderfeuerwehr, in der 28 Mädchen und Jungen mitmischen.

Schwerpunkte sollen gebildet werden

Einer effizienteren Aufgabenverteilung dient die angestrebte Bildung von Schwerpunkten. Die Überlegung dabei: Es macht keinen Sinn, dass jede Feuerwehr gewissermaßen „alles vorhält“. Den Schwerpunkt „Licht/Strom“ sollen die Beckelner sowie Kirch- und Klosterseelter Brandschützer abdecken. 

Die weitere Zuordnung sieht folgendermaßen aus: „Verpflegung“ – Kirch- und Klosterseelte; „Atemschutz/CSA“ – Klein Henstedt und Horstedt; „Unterstützung der Einsatzleitung“ – Harpstedt; „Dekontamination ,klein’“ – Beckeln; „Wasserversorgung“ – Colnrade; „Hilfeleistung“ (einschließlich Autobahn) – Groß Ippener und Harpstedt, „Wald-/Flächenbrand“ – Kirch- und Klosterseelte.

Die rückläufige Tagesverfügbarkeit resultiert aus Sicht der Feuerwehrführung auch aus der abnehmenden Bereitschaft von Chefs, Arbeitnehmer für Feuerwehreinsätze freizustellen. Ob es hier keine gesetzlichen Vorgaben gebe, hinterfragte Werner Richter (HBL). Doch, erwiderte Gemeindebrandmeister Günter Wachendorf. Gleichwohl übten Arbeitgeber oftmals Druck aus – getreu der Devise: „Entweder willst du deinen Job behalten oder für die Feuerwehr arbeiten.“ 

Teils keine Kräfte verfügbar

Der Ausschussvorsitzende Hans-Hermann Lehmkuhl (CDU), selbst Feuerwehrmann, erläuterte, in seinem Wohnort Klein Henstedt seien tagsüber mitunter kaum mehr Kräfte verfügbar – wohl auch ein Ergebnis des Strukturwandels: Landwirte (die sich in der Feuerwehr engagieren) gebe es kaum noch. „Deswegen sind wir bei Einsätzen manchmal nur noch drei, vier Leute.“

Immerhin: Die tatsächliche Personalstärke der Einsatzabteilungen liegt derzeit in allen sieben Ortsfeuerwehren über der geforderten. Teils deutlich, teils knapp. Die Zahlen im Detail: Groß Ippener – 26 (geforderte Stärke)/54 (Ist-Wert); Beckeln – 26/65; Colnrade – 26/55; Harpstedt – 26/59; Kirch- und Klosterseelte – 26/39; Horstedt – 20/37; Klein Henstedt – 20/24. Die fünf Jugendfeuerwehren in der Samtgemeinde haben zusammen 119 Mitglieder in ihren Reihen.

Das feuerwehrseitig zusammengetragene Material schließt auch Daten zu Hilfsfristen, Alarmierungs- und Ausrückzeiten sowie zu den Feuerwehrhäusern und den Fuhrparks ein.

Immer mal personelle Engpässe möglich

„Ich denke, das war für uns schon fast zu viel. Das konnte man ja gar nicht alles aufnehmen“, sagte Hans-Hermann Lehmkuhl. Tenor im Ausschuss war es, das Gehörte erst einmal sacken zu lassen.

Ob es bei den wichtigen Atemschutzgeräteträgern mitunter schon personelle Engpässe gebe, hinterfragte Hermann Schnakenberg (SPD). „Tagsüber kann das mal vorkommen. Deshalb haben wir ja auch reagiert und die Alarmierung von zwei auf drei Feuerwehren hochgesetzt. Wir müssen bei einem Löscheinsatz mindestens sechs Atemschutzgeräteträger vor Ort haben“, erläuterte Günter Wachendorf.

Götz Rohde (Grüne) regte an, das Thema nicht separat in jeder Fraktion, sondern gemeinsam zu vertiefen. Klaus Budzin (SPD) beantragte eine interfraktionelle Sitzung binnen der kommenden zwei Monate. Das fand einmütige Zustimmung.

Rubriklistenbild: © dpa

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