Schul-Workshop mit Poetry Slammern

„Wir zwingen sie in eine bildhafte Sprache“

Reichlich Feedback gaben die Poetry Slammer Mirko Gilster (r.) und Hauke Schrade (2.v.r.) den Zehntklässlern im Workshop.
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Reichlich Feedback gaben die Poetry Slammer Mirko Gilster (r.) und Hauke Schrade (2.v.r.) den Zehntklässlern im Workshop.

Harpstedt – Barbara Zabielski liegt daran, dass sich Jugendliche in ihrem Sprachgebrauch nicht einengen lassen, sondern Gefallen daran finden, die Fesseln der Funktionalität zu sprengen und sich kreativ zu artikulieren. Mit diesem Ziel im Hinterkopf holte die Deutschlehrerin die Poetry Slammer Mirko Gilster (23) und Hauke Schrade (25) als Workshopleiter an die Oberschule Harpstedt.

Das dynamische Duo, das in Oldenburg dem Kulturverein „Slam Quadrat“ aus den Geburtswehen heraus hilft, erklärte den beiden zehnten Realschulklassen am Donnerstag, worauf es beim Formulieren von Poesie und Vortragen vor Publikum, also beim „Performen“, ankommt.

Mehr als 50 Begriffe sind „tabu“

Der vorletzte Teil des den ganzen Vormittag „füllenden“ Workshops rund um den „Poetry Slam“ (Dichterwettstreit) erwies sich als die härteste Nuss. Dabei ahnten die Schülerinnen und Schüler zunächst nicht, dass sie sich die bevorstehende Herausforderung selbst richtig schwer machen würden. Befragt nach ihren Assoziationen zur „Liebe“, sprudelten die Antworten in einem Brainstorming nur so aus ihnen heraus. Die Workshopleiter kamen mit dem Notieren kaum hinterher. Mehr als 50 Begriffe fanden sich auf der Tafel wieder – von „Freude“, „kuscheln“ und „tiefe Gespräche“ über „Leid“, „Betrug“ und „Hass“ bis hin zu Filmtiteln von Hollywood-Romanzen wie „Titanic“ und „Dirty Dancing“ reichte die Bandbreite. Das „böse Erwachen“ folgte: Denn kein einziges der Worte auf der Tafel durfte in den Texten vorkommen, die im weiteren Verlauf die Schüler erarbeiten sollten. „Wir zwingen sie in eine bildhafte Sprache. Das ist unsere Absicht, unser Ziel“, verriet Schrade.

 Die Schülerinnen und Schüler sollen Sprache nicht nur funktional anwenden,  sondern sie müssen auch kreativ damit umgehen dürfen. Das finde ich wichtig.“

Barbara Zabielski

Während Oliwia Wendt und Paz Villar Carbajo hart am Thema blieben und in ihren Zeilen tiefe Einblicke in ein Gefühlschaos zwischen Glück, Eifersucht und Kummer gewährten, gingen andere ziemlich „tricky“ vor: Bei ihnen stand etwa der Fußball stellvertretend für die Liebe – und der in der 90. Minute erzielte Treffer, der den Aufstieg in die höhere Spielklasse perfekt macht, für das Glücksgefühl.

Adjektive anstelle von Vornamen

Unkonventionell hatte der Workshop bereits begonnen. Die Kursleiter baten die Jugendlichen darum, statt ihrer Vornamen Adjektive auf ihre Namensschilder zu schreiben. Die Schüler sprachen einander dann auch mit den Eigenschaftswörtern (von „pink“ bis „sportlich“) an. Das sorgte für heitere Zwischentöne – etwa, als „kalt“ und „komisch“ einen von „kreativ“ und „unkreativ“ verfassten Text vortragen sollten.

Die erste kleine Schreibübung brachte Vier- und Achtzeiler mit Bezug zu den Adjektiven auf den Namensschildern hervor. Mögliche Stilmittel wie etwa Alliterationen hatte Barbara Zabielski den Zehntklässlern vorab in einer Unterrichtseinheit zu „Gedichten und Gedichtanalyse“ nahegebacht. Darauf konnten nun wiederum die beiden Workshopleiter mit Tipps und Feedback zur inhaltlichen Ausarbeitung von Poetry Slam-tauglicher Poesie aufbauen.

Wie es sich anfühlt, in einer „Applausabstimmung“ während eines Dichterwettstreits vom Publikum bewertet zu werden, erlebten Schülerinnen und Schüler am eigenen Leib.

Vom Kultusministerium gefördert

Für den Schlussteil sparten sich Mirko Gilster und Hauke Schrade eine gut zum „Performance-Dreieck“ (Stimme, Gestik, Körpersprache) passende Übung auf: Ein Schüler zog zwei Zettel; auf einem stand ein Satz geschrieben, auf dem anderen ein Gemütszustand, beispielsweise „nervös“. Die Herausforderung bestand nun darin, den kurzen Text in der „vorgegebenen“ Gefühlslage authentisch vorzutragen, und zwar unabhängig davon, ob inhaltliche Aussage und Emotion im krassen Widerspruch standen oder nicht.

Niedersachsens Kultusministerium fördert den Workshop im Rahmen des Aktionsprogramms „Startklar in die Zukunft“. Kosten entstanden den Eltern der Zehntklässler daher nicht.

Barbara Zabielski schätzt Poetry als eine durchaus kreative Ausdrucksform. Ihre Workshop-Idee fand sowohl im Lehrerkollegium als auch unter den Schülern Zustimmung.

Über Slammaster Sebastian Butte war der Kontakt zu den Slammern aus Oldenburg hergestellt worden. Das pädagogisch-didaktische Terrain kennen beide übrigens auch aus dem Studium: Mirko Gilster will Lehrer werden, und Hauke Schrade zieht es, wie er verriet, in die Jugend- und Erwachsenenbildung.

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