Poetry-Slam im Skulpturenpark

Wirbelwind, Wokfahrer und Wortkünstler

Gastgeber Franz Robert Czieslik schlüpft in die Rolle des Anheizers und Moderators.
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Gastgeber Franz Robert Czieslik schlüpft in die Rolle des Anheizers und Moderators.

Groß Ippener – Zum vierten Mal schlüpft das Publikum in die Rolle der Jury, wenn sich der Skulpturenpark von Franz Robert Czieslik in Groß Ippener, Zum Baßmerhoop 14, am kommenden Sonntag, 15. August, 15 Uhr, in den „Wörter Wald“ verwandelt.

Der Gastgeber, zugleich Moderator, lässt diesmal ein „Quartett“ aus Poetry-Slammern antreten: Eine Sprachkünstlerin nimmt es mit drei männlichen Wortkünstlern auf. Alle vier bekommen ein Honorar. Sie kennen sich gut untereinander und haben daher beschlossen, den zusätzlichen Obolus für den Sieger brüderlich zu teilen, zumal jeder von ihnen Fahrtkosten schultern muss.

Viel Power in 1,62 Metern Körpergröße: Anna Lisa Tuczek.

 Die Ruhe, in der ja angeblich die Kraft liegen soll, ist an mir spurlos vorbeigegangen.“ 

Anna Lisa Tuczek.

In der Rolle des „Franz Zehnbier“ liest Czieslik zunächst einen „Opfertext“, merkt er mit lakonischem Humor an. Heißt: Er opfert sich selbst für die undankbare Aufgabe, das Publikum in Poetry-Slam-Stimmung zu bringen. Mit jeweils zwei Texten bekommen die Wettbewerber sodann die Chance, unterschiedliche Facetten ihrer Persönlichkeit und Kunst nach außen zu kehren. Das Publikum vergibt nach jeder der beiden Leserunden Punkte. In einem Stechen müssen die (zwei) Finalisten dann noch einmal ran. Nach dem abschließenden Voting und der Siegereehrung gibt der frisch gekürte „Wörter-Wald-Champion“ eine letzte Kostprobe seines Könnens.

Legt Wert darauf, partiell namenlos zu bleiben: „Dennis ohne Namen“.

Czieslik hat das „Line-up“ inzwischen mitgeteilt. Ladys first: Anna Lisa Tuczek scheut die Konkurrenz im männlich dominierten Schlachtfeld der Verse nicht und schickt sich an, das Publikum als „kleiner poetischer Wirbelwind“ umzuhauen. In ihrer Körpergröße von 162 Zentimetern schlummere geballte Frauenpower, bescheinigt ihr die Anhängerschar. Seit 2018 steht die Bonnerin auf Bühnen, um die Zuhörer mit ihren Texten landauf, landab in ihren Bann zu ziehen. „Die Ruhe, in der ja angeblich die Kraft liegen soll, ist an mir spurlos vorbeigegangen“, gesteht sie.

Ich schlag den Raab!“ 

„Dennis ohne Namen“

Voller Körpereinsatz am Mikrofon unterstreicht ihren Ruf als „slammender Tornado“. Rheinischer Humor paart sich mit einer Prise Selbstironie. Anna Lisa Tuczek trägt das Herz auf der Zunge, spricht über sich selbst, „die Welt und alles dazwischen“. Sie verheißt ein „literarisches Feuerwerk“. Die männlichen Wettbewerber im „Wörter Wald“ müssen sich also warm anziehen. Einer von ihnen legt Wert darauf, zumindest partiell namenlos zu bleiben, und lässt sich daher als „Dennis ohne Namen“ ankündigen.

Irgendetwas muss man ja machen, wenn man zu jung für den Fernsehgarten und zu unbekannt für das Dschungelcamp ist.“

Marcel Ifland

Der 23-Jährige kommt aus Pulheim, der, wie er augenzwinkernd anmerkt, „geheimen Hauptstadt“ Nordrhein-Westfalens. An Siegeswillen mangelt es auch ihm nicht. „Ich schlag den Raab!“ lautet seine Devise. Der Bezug zu dem Ex-Entertainer kommt nicht von ungefähr: „Dennis ohne Namen“ spielt nicht nur gern Fußball. Er fährt im Winter schon mal Wok. Eben diese Funsportart machte Stefan Raab vor Jahren in Form einer „WM“ mattscheibentauglich. Geschwindigkeit und Geschick offenbart der namenlose Dennis auch als Sprachakrobat vor Publikum. „Auf der Bühne zu stehen, bedeutet für mich Freiheit“, unterstreicht er.

Kam durch HipHop zum Wort: Andreas Lating („Andi Substanz“).

Marcel Ifland traut sich ebenfalls in den „Wörter Wald“. Er tituliert sich selbst als „Wanne-Eickels schlechteste Antwort auf eine ungestellte Frage“ und tingelt seit 2019 mit seinen Texten über die Bühnen der Republik, denn: „Irgendetwas muss man ja machen, wenn man zu jung für den Fernsehgarten und zu unbekannt für das Dschungelcamp ist.“

 Das erste Mal laut geschrien habe ich im Januar 1983. Wie lange weiß ich allerdings nicht mehr.“

Andreas Lating

1988 kam er im Ruhrpott zur Welt. Die heimische Scholle hat er bis heute wider Erwarten nicht dauerhaft verlassen. Schon als Schüler schrieb er Kurzgeschichten. Im Hauptberuf verdient er inzwischen als Elektromonteur für Tankstellentechnik in ganz Westdeutschland seinen Lebensunterhalt. Der Faible fürs Schreiben ist geblieben. Bis 2018 gehörte Ifland zu den Hauptautoren der satirischen Internet-Enzyklopädie „Stupidedia.org“, die Wikipedia parodiert. Seit 2018 wirkt er als Chefautor von „Autorenkollektiv.org“.

Hat Wikipedia parodiert: Marcel Ifland aus Wanne-Eickel.

Der Vierte im Bunde, Andreas Lating, nennt sich selbst gern „Andi Substanz“. „Das erste Mal laut geschrien habe ich im Januar 1983. Wie lange weiß ich allerdings nicht mehr“, lässt der Poetry-Slammer trockenen Humor durchblitzen. Durch HipHop kam er zum Wort. Von 2000 bis 2003 gehörte er der Sprechgesangformation „2te Reihe“ an.

Rap paart sich mit Lyrik

Sein Bestreben geht dahin, Lyrik und Rap „im Guten zu verweben und so eine eigene, vielleicht neue Ausdrucksart entstehen zu lassen“. Da Lating nach eigener Darstellung zu „kompliziertem Denken“ neigt, klappt „das Verschachteln und Aufbrechen von Sätzen ganz gut“, urteilt der Sprachkünstler, der es 2017 ins Finale des NRW-Poetry-Slams schaffte. Aktuell performt er zu hypnotisch-meditativen Basswellen eigene Texte „in einem neuen Rhythmus“.

Schon seit geraumer Zeit betreibt Lating im Hansaviertel in Münster den „Lyrikkeller“. Dort sitzt er gern an der Schreibmaschine und tippt auf Themenvorschlag spontan Gedichte nach dem Pay-what-you-want-Prinzip. In Münster veranstaltet er zudem regelmäßig den „BeatPoetrySlam“.

Um Spenden wird gebeten

Eintritt für den „Wörter Wald“ erhebt der Gastgeber nicht. Um Spenden wird aber gebeten. An die Besucherinnen und Besucher ergeht die Bitte, eine Sitzgelegenheit (Klappstuhl oder dergleichen) selbst mitzubringen, sofern die Möglichkeit besteht.

Finanzielle Unterstützung bekommt Veranstalter Czieslik von der Oldenburgischen Landschaft und der Gemeinde Groß Ippener. Die Entscheidung über einen beim Landkreis Oldenburg eingereichten Förderantrag steht nach seinen Angaben hingegen noch aus.

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