Kennenlerntreff zieht inzwischen große Kreise – bis nach Hude und Oldenburg

Plattform wider die Einsamkeit

Die Runde auf der Terrasse des Hotels „Rogge Dünsen“ war deutlich größer, als dieses Bild vermuten lässt. Ein großer Teil der Anwesenden wollte sich nicht für die Zeitung ablichten lassen. Rechts die beiden Organisatorinnen Hannelore Niemann (2.v.r.) und Gaby Otto.
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Die Runde auf der Terrasse des Hotels „Rogge Dünsen“ war deutlich größer, als dieses Bild vermuten lässt. Ein großer Teil der Anwesenden wollte sich nicht für die Zeitung ablichten lassen. Rechts die beiden Organisatorinnen Hannelore Niemann (2.v.r.) und Gaby Otto.

Dünsen/Harpstedt – Was das Coronavirus anrichten würde, deutete sich gerade erst an, als Gaby Otto und Hannelore Niemann am 6. März einen Kennenlerntreff für die Generation 60 plus in Babette Schumachers Blumenladen am Tielingskamp in Harpstedt aus der Taufe hoben. Nach der Premiere stand fest: Der Platz dort wird auf Dauer nicht reichen – schon gar nicht in der Pandemie, da Abstand das Gebot der Stunde ist. Aus diesem Grund treffen sich Menschen, die zuweilen einsam sind und Gesellschaft suchen, nun immer am ersten Freitag eines Monats um 15 Uhr im Hotel „Rogge Dünsen“. Dort gab es jetzt nach langer coronabedingter Zwangspause bei gutem Wetter auf der Terrasse erstmals wieder Gelegenheit, Menschen mit gleichen Interessen anzusprechen und sich gegebenenfalls mit ihnen zu verabreden. 25 Interessierte, darunter fünf Männer, nutzten diese Chance.

„Zu zweit durch die 2020er-Jahre“ – dieser Slogan steht als Motto über dem Kennenlerntreff, der noch keinen wirklich griffigen Namen hat. Das neue Angebot steht allen offen, die Freizeit mit Gleichgesinnten verbringen möchten, statt an einsamen Abenden Frust vor dem Fernseher zu schieben. „Jeder, der jemanden kennenlernen will, beispielsweise zum Angeln, für gemeinsame Auflüge ans Meer oder Camping-Urlaube, um Sudoku zu spielen oder sich über Micky-Maus-Hefte auszutauschen, darf gern kommen und trifft so vielleicht Leute mit übereinstimmenden Hobbys“, sagt Gaby Otto.

Tatsächlich seien schon nach der ersten Zusammenkunft im März Verabredungen für das eine oder andere Wiedersehen getroffen worden. Nun seien neue Gesichter hinzugekommen.

Findet der Treff Nachahmer?

Hannelore Niemann und Gaby Otto staunen nicht schlecht, welche Kreise der Treff zieht. Sogar Teilnehmer aus Ganderkesee, Wildeshausen, Hatten, Huntlosen, Großenkneten, Hude und Oldenburg zog es am vergangenen Freitag nach Dünsen. „Warum auch nicht? Nur weil das hier in der Samtgemeinde Harpstedt stattfindet, müssen doch nicht nur Harpstedter kommen“, findet Gaby Otto.

Das große Einzugsgebiet zeige, dass offensichtlich vielerorts Menschen allein zu Hause säßen, die Lust darauf hätten, einfach mal rauszukommen und mit anderen zu quatschen. „Ich dachte immer, wer einsam ist, der tritt einem Verein bei, um eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung zu haben und Kontakte zu knüpfen. Aber das ist oft gar nicht so“, wundert sich Gaby Otto. Vor allem Männern falle es mitunter sehr schwer, sich zu outen und ihre Einsamkeit zuzugeben, fand sie in Gesprächen mit dem vermeintlich starken Geschlecht heraus.

Ob der Treff anderenorts im Landkreis Oldenburg, vielleicht in Ganderkesee, Nachahmer finden wird, muss sich zeigen. Jedenfalls zeigte Jürgen Lüdtke aus der Kreis-Seniorenvertretung, der als Gast nach Dünsen kam, großes Interesse. „Er hat sich mit vielen Leuten unterhalten und ist lange geblieben“, fiel den Organisatorinnen auf. Das Gute an dem Angebot: Wer kommt, muss sich vorher nicht anmelden – und auch nicht verpflichtet fühlen, beim nächsten Treff wieder dabei zu sein. Die Verweildauer bleibt jedem selbst überlassen. Kosten entstehen keine, mal abgesehen von den verzehrten Speisen und Getränken, die jeder selbst bezahlt. Bewusst verzichtet wird auf Bestrebungen, die Leute mit einem Programm an den Treff zu binden. Der Austausch in ungezwungener Atmosphäre liegt Hannelore Niemann und Gaby Otto besonders am Herzen.

Nicht nur Singles sind willkommen

So lange die Coronapandemie nicht ausgestanden ist, müssen die Teilnehmer allerdings ihre Kontaktdaten hinterlassen. Wie sie die Plattform nutzen, was sie daraus machen, wen sie ansprechen und mit wem sie Adressen und Telefonnummern austauschen oder ein Wiedersehen vereinbaren, bleibt ihnen komplett selbst überlassen. „Wir raten dazu, beim Treff mehrmals die Plätze zu wechseln, um immer wieder mit anderen Leuten ins Gespräch zu kommen“, sagt Gaby Otto.

Dass der Wunsch, einen neuen Partner oder eine neue Partnerin zu finden, ein Beweggrund für die Teilnahme sein kann, schließen die Organisatorinnen nicht aus. Anderen, die kämen, liege vielleicht eher daran, Kumpel zu finden, um etwas gegen die Tristesse des Alleinseins zu unternehmen. Die Zielgruppe beschränkt sich übrigens nicht auf Singles. Paare, die Lust auf gemeinsame Unternehmungen mit Gleichgesinnten haben, werden keineswegs ausgeschlossen. Aus den Zusammenkünften resultieren teilweise sogar Verabredungen, die in dieser Form wohl niemand erwartet hätte: Beispielsweise treffen sich in Abständen nun einige Tanzbegeisterte: „Haben sie Tisch und Sitzmöbel im Wohnzimmer beiseite geräumt, damit genügend Platz  ist, legen sie eine flotte Sohle aufs Parkett“, erzählt Gaby Otto.

Bei „Rogge Dünsen“ sei der Vorschlag gekommen, den Nachmittag mit einer Vorstellungsrunde einzuläuten – nach dem Muster: „Ich bin Elvira und suche jemanden, der mit mir Socken strickt.“ Das hätte den Vorteil, dass jeder von vornherein über die anderen grob im Bilde wäre. Andererseits ist aber gerade das Hinterfragen der persönlichen Interessen ein ideales Einstiegsthema, um ins Gespräch zu kommen. Daher unterblieb das Vorstellen in großer Runde.

Von Jürgen Bohlken

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