18,5 Kilo Gesamtgewicht

Riesenpilze auf dem Acker: Seniorin macht Fund ihres Lebens

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Allein sieben Kilogramm bringt der Riesenbovist in Kürbisgröße auf die Waage, den Erika Harnisch aus Dünsen hier in den Händen hält.

Erika Harnisch legt das Maßband an: 1,20 Meter Umfang „vertikal“ und sogar 1,34 Meter „horizontal“. Der größte der sieben Riesenbovisten hat die Größe eines stattlichen Kürbis. Insgesamt bringen die Pilze 18,5 Kilogramm auf die Waage. „Das ist das Pilzglück meines Lebens“, schwärmt die Seniorin aus Dünsen entzückt.

Dünsen - Nie zuvor hat Harnisch einen derartigen Koloss gesehen, obgleich sie schon seit ihrer Kindheit Pilze sammelt. Für das Guinnessbuch der Rekorde reicht’s allerdings nicht. 

Riesenbovisten können noch größer und sogar bis zu zehn Kilogramm schwer werden – binnen kürzester Zeit. „Sie entwickeln sich sehr schnell, in der Regel in zwei bis drei Tagen, zuweilen auch über Nacht“, zitiert Erika Harnisch aus ihrem Pilzführer. Allerdings wächst mit der Größe nicht die kulinarische Verheißung; die kleineren Riesenbovisten sollen besser schmecken – behauptet zumindest die Fachliteratur.

Kaum zu glauben: 1,20 Meter Umfang! In „Horizontalrichtung“ sind’s sogar 1,34 Meter.

Mit dem 18,5-Kilogramm-Fund könnte sich die Seniorin, die sich fleischlos ernährt, aber nicht gänzlich auf tierische Produkte verzichtet, theoretisch wochenlang mit Pilzpfanne beköstigen

„Eigentlich wollte ich sie in Scheiben schneiden, in durchgeschlagenem Eigelb und danach in Paniermehl wälzen, in guter Butter von beiden Seiten anbraten und dann essen“, erzählt sie. Doch am Ende wird’s wohl darauf hinauslaufen, dass sie von ihrer ungewöhnlich üppigen Ausbeute etwas verschenkt und einen Teil einfriert.

Mit Pilzesammeln groß geworden

Schon ihr Vater hat Pilze gesammelt. „Er verkaufte sie in Bremen auf dem Wochenmarkt. Später war er Pilzbeschauer. Zu mir kommen auch inzwischen Leute und fragen mich, ob sie ihre selbst gefundenen Exemplare essen können oder nicht“, erzählt die überzeugte Vegetarierin.

Allein sieben Kilogramm bringt der Riesenbovist in Kürbisgröße auf die Waage, den Erika Harnisch aus Dünsen hier in den Händen hält.

Als sie vier Jahre jung war, nahm der Papa sie erstmals mit auf die „Pilzpirsch“. Sie ist mit diesem Hobby groß geworden – und dabei geblieben. Die Objekte ihrer Begierde sind die Edelpilze. „Stein-, Birken- und Butterpilze“, zählt sie Sorten auf. 

Pfifferlinge nur noch selten

Ebenfalls genießbar seien viele andere Arten, etwa Hallimasch und Krause Glucke, optional Fette Henne genannt. Rotkappen entdeckt die Seniorin oft in Harpstedt. Pfifferlinge findet sie nur noch selten. „Die scheinen hier fast ausgestorben zu sein“, vermutet die Dünsenerin.

Ansonsten beherzigt sie ein ungeschriebenes Gesetz: Wie ein Magier niemals die Funktionsweise eines Zaubertricks preisgeben würde, verrät der Pilzsammler nicht die genauen Orte, an denen er fündig wird

Zubereitungstipps der Pilzexpertin

Rezepte betrachtet Erika Harnisch aber keineswegs als „top secret“. Sie gibt sogar gern Zubereitungstipps: „Zum Anbraten kann man Butter oder gestreiften Speck nehmen. Ich lasse die Pilze zusammen mit Zwiebeln in der Pfanne schmoren, schmecke mit Sahne, einem Stück Butter, Pfeffer und Salz ab. Ganz wichtig: Petersilie zum Schluss hinzufügen! Schnittlauch geht auch. Wer will, der ergänzt ein durchgerührtes Eigelb zum Andicken.“

Ein Kuss als Geschmacksverstärker

Angst vor giftigen Pilzen kennt Erika Harnisch nicht. Eine ernsthafte Gefahr für Leib und Leben gehe hier in der Region primär vom Knollenblätterpilz aus, den aber selbst der Laie recht leicht vom Champignon unterscheiden könne. „Der wächst oft unter Büschen. Und er riecht schon ausgesprochen komisch, als wollte er sagen: ,Nimm mich nicht!’“, erzählt die Seniorin und schmunzelt.

Selbst gesammelte Steinpilze verkaufte sie früher gelegentlich an Restaurants. Das Hotel Thomsen in Delmenhorst zählte zu den Abnehmern. Gäste aßen die Steinpilze – und schwärmten. Erika Harnisch „verklickerte“ ihnen augenzwinkernd das „Geheimnis“ des Geschmacks: „Ich küsse jeden Steinpilz, den ich finde.“ Dieses Ritual praktiziert die Dünsenerin nach wie vor.

Anderen Sammlern Pilze gespendet

Einmal habe sie ein Mann gebeten, Fliegenpilze für ihn zu sammeln. „Ich fing tatsächlich damit an. Der Sack war schon halb voll, als ich mir überlegte, was der Fremde wohl damit vorhaben könnte. Ich habe ihm dann meine Ausbeute vorsichtshalber doch nicht gegeben“, erzählt Erika Harnisch.

„Manchmal“, so leitet sie wiederum zu einer lustigen Begebenheit über, „sprachen mich Männer an und fragten mich, ob ich ihnen von meinen Pilzen welche verkaufen könnte. Sie waren selbst nicht fündig geworden, wollten sich aber die Peinlichkeit ersparen, mit leeren Händen nach Hause zu kommen. Ich habe dann tatsächlich was abgegeben.“

Das richtige Equipment für Pilzesammeln

Als nützliches Equipment für das Sammeln hat sich ein Eimer erwiesen, den Erika Harnisch in ihrem Rucksack auf den Rücken schnallt; zusätzlich hat sie einen Korb dabei, und auch ein Messer darf nicht fehlen. 

Natürlich weiß die Kennerin, welche Sorten zu welcher Zeit zu ernten sind. Pfifferlinge, so es denn noch welche gibt, sucht sie ab Anfang Juli, „wenn die Blaubeeren reifen“, Steinpilze hingegen Ende Juli oder Anfang August, „wenn die Heide blüht“. 

Pilztipp: Judasohr

Ein „ganz toller Pilz“ sei das ohrförmige „Judasohr“. „Der sieht super aus, wächst im Spätherbst und Winter an Holunder, neigt aber dazu, beim Braten aus der Pfanne zu springen. Also besser Deckel drauf!“, rät Erika Harnisch – und lacht.

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