Revierförsterei erntet auf Facebook Spott

Pfingsten ohne Birken? Harpstedter auf der Palme

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Wenngleich die Revierförsterei keine Bäume abgibt, sollte es eine lösbare Aufgabe sein, ein paar Birken als Pfingstschmuck für die Flügel der Harpstedter Windmühle aufzutreiben.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Das Birkengrün zum Schiebenscheeten gehört zu Harpstedt wie Pfingsten zum Christentum. Von daher dürfte die Nachricht, dass die Revierförsterei in diesem Jahr keine Birken abgibt, weil sie schlicht nicht genügend hat, viele Bürger auf die Palme bringen.

Der „Pfingstheiligabend“ wird in Harpstedt regelrecht zelebriert. Nach dem Osterfeuer bietet er im Frühling die zweite gute Gelegenheit, die Gemeinschaft zu pflegen. Stets am Sonnabendmittag vor Pfingsten rücken viele Grüppchen zu einem Waldstück aus, das ihnen die Försterei vorgibt. Dort können sie dann Birken zum Schmücken ihrer Straßen selbst schlagen.

Beim Verteilen der Bäume an die Nachbarn wird der eine oder andere Schnaps eingeschenkt und die eine oder andere Bierflasche geleert. Die so im übertragenen Sinne „begossenen“ Bäume binden die Bürger an Zaun- oder Carport-Pfosten und schmücken sie vielfach zusätzlich mit Kreppband in den Harpstedter Farben Blau und Weiß. Am Abend stimmen sich die Nachbarschaften mit zünftigen Feiern im Freien bei herzhafter Kost vom Grillrost und Getränken auf die Schiebenscheeten-Woche ein. So viel ist sicher: Ohne das Holen und Schmücken der Bäume fehlt in diesem Jahr etwas.

Einfach zu wenig Bäume vorhanden

Revierförster Eberhardt Guba bedauert es in einer Pressemitteilung, dass „vorläufig“ keine Birken mehr abgegeben werden können. Er führt dies „auf Veränderungen der Waldstruktur“ zurück. Es gebe keine „flächigen Birkenbestände“ mit Bäumen in den gewünschten Längen von anderthalb bis zweieinhalb Metern mehr. Schon in den vergangenen Jahren habe die Försterei ins Beckelner Friedeholz ausweichen müssen. Auch dort seien aber mittlerweile die „Potenziale erschöpft“.

Früher strömten die Harpstedter auf eigene Faust in den Wald, um Birken zu schlagen – ein zwar illegaler, aber lange geduldeter Brauch. Das „Verschwinden“ mehrerer 100 Bäume in jedem Jahr missfiel irgendwann der Revierförsterei so sehr, dass sie diesem Treiben ein Ende setzte und jeweils die „Birken-Ausgabestelle“ vorgab. Nach anfänglichem Unmut in der Bevölkerung lief die geordnete, kontrollierte Abgabe der Bäume etliche Jahre lang reibungslos.

Für dieses Jahr fürchtet so mancher wohl nicht ganz ohne Grund, dass ein Rückfall in frühere Zeiten droht. Die Nachricht von der ins Wasser fallenden Birken-Abgabe hat bereits diverse Posts im Facebook-Forum „Weltstadt Harpstedt“ zur Folge gehabt. Mitunter blitzte dabei etwas Galgenhumor durch: „Schon mal Weihnachtsbäume vorbestellen. Man weiß ja nie...“

„Schützenfest fällt auch aus“, sprach Spott aus einem anderen Post. Zumindest in dieser Hinsicht können die Harpstedter allerdings ganz beruhigt sein: Ihr geliebtes Schiebenscheeten wird getreu einstimmig gefasstem Ratsbeschluss „in althergebrachter Form“ gefeiert.

„Was soll das? Birken sind Unkraut“

„Jetzt wird schon an den Birken gespart? So lange ich denken kann, hat es das noch nie gegeben“, kritisierte eine Facebook-Kommentatorin. Eine andere wunderte sich: „Kann doch nicht sein! Was soll das? Birken sind Unkraut – und es ist doch bekannt, dass sie zu Pfingsten in Harpstedt gebraucht werden.“ 

Eher lustig mutet folgende Äußerung an: „Und nun stehe ich da mit meinem Schnaps für die Herren.“ Eine Anwohnerin des Logerings zeigte derweil eine mögliche Notlösung für den „birkenfreien“ Pfingstheiligabend auf: „Dann schmücken wir halt die Bäume in den Straßenbeeten.“ Oder optional den Zaun, der ebenfalls ins Gespräch gebracht wurde. Als Tenor vieler Posts klang durch: Das Feiern werden sich die Harpstedter nicht nehmen lassen – ob nun mit oder ohne Birken.

Auch Müller Helmut Nienaber bekommt übrigens nach eigenem Bekunden keine Bäume, um damit die Flügel seiner Windmühle zu Pfingsten schmücken zu können. Es müsste aber ja wohl mit dem Teufel zugehen, wenn sich die paar Birken für den Galerie-Holländer nicht irgendwie auftreiben ließen. Und zwar aus legaler Quelle, versteht sich...

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