Permakulturdesignerin verrät, was nachhaltiges Gärtnern ausmacht

„Eine Lebenseinstellung“

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Im „PrinzHöfte“-Garten und bei der Gartenplanung: Susanne Meier.

Prinzhöfte - Von Jürgen Bohlken. Weg vom Rasen und vom Ziergarten, hin zum nachhaltigen Nutzgarten, der sich mit wenig Aufwand ohne Chemie pflegen lässt und symbiotische Wechselwirkungen sinnvoller Pflanzen-Kombinationen konsequent nutzt – das alles impliziert die „dauerhafte Landwirtschaft“ („permanent agriculture“), besser bekannt als Permakultur. Sie zählt seit eh und je zu den Arbeitsschwerpunkten des „Zentrums PrinzHöfte“, wo auch Susanne Meier wohnt und arbeitet. Die 34-Jährige leitet dort einen ökologischen Garten- und Landschaftsbaubetrieb. In einem Interview mit unserer Zeitung verrät sie, was sie dazu bewogen hat, Permakulturdesignerin zu werden.

Wie sind Sie zur Permakultur gekommen?

Ich habe Materialwissenschaft studiert – und irgendwann eine Sinnkrise gekriegt, als ich feststellte, dass High Tech nicht die Antwort auf alle Fragen ist. Ich fand es zunehmend spannend, mich mit unseren Lebensgrundlagen zu beschäftigen, mit Landwirtschaft und Ökologie. Ich arbeitete auf Biohöfen und in ökologischen Projekten mit. Und absolvierte einen Permakultur-Kurs in Umbrien – bei Volker Kranz, über den ich wiederum zum „Zentrum PrinzHöfte“ kam. Mein Blickwinkel auf die Natur ist heute ein ganz anderer: Der Permakultur-Gedanke hat mein Bild von der Welt sehr verändert.

Inwiefern?

Susanne Meier

Ich sehe Natur und Mensch nicht mehr getrennt, sondern den Menschen – wie das Tier und die Pflanze – als Teil eines produktiven Systems. Unter der Nahrungsproduktion darf die Nachhaltigkeit nicht leiden. Da, wo sich Permakultur und ökologischer Garten- und Landschaftsbau treffen, geht es darum, dieses Verständnis im eigenen Garten umzusetzen. Das heißt in der Konsequenz, dass ich mir zunächst bewusst mache, welche Pflanzen, Wildkräuter oder auch essbaren Blüten ich nutzen kann oder wo ich etwa die Möglichkeit habe, Gemüse anzubauen. Solche Dinge, die früher Allgemeinwissen waren, sind leider ein bisschen verloren gegangen. Inzwischen beschäftigen sich aber auch immer mehr junge Leute wieder damit.

Worin liegen die Vorteile der Permakultur?

Ich würde nicht unbedingt von Vorteilen sprechen. Eher von einer Lebenseinstellung, seine Umgebung unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit zu formen. Es ist ja ohnehin was ganz Natürliches, dass ich den Garten, aus dem meine Familie und ich „naschen“, nicht vergifte, und zugleich danach strebe, dass er schön bleibt.

Welche Rolle spielt die Ästhetik in der Permakultur?

Das Auge isst mit. Im Idealfall kommen ein stimmiges ästhetisches Bild, ein hoher praktischer Nutzen und ein nicht übertrieben hoher Pflegeaufwand mit einer konsequenten, nicht verschwenderischen Nutzung vorhandener Ressourcen zusammen. Ganz viele Leute haben etwa Pflaster-Reste im Garten, mit denen sie schöne Sachen machen könnten; was fehlt, ist vielleicht die zündende Idee. Da komme ich ins Spiel.

Was ist tabu oder verpönt in der Permakultur?

Zuerst einmal ist es natürlich erlaubt, alles zu denken. Aber es gibt drei Grundregeln, Prinzipien gewissermaßen: Sorge für die Menschen, für die Natur und eine gerechte Verteilung! Letztes ist etwas weiter gedacht. Wir merken es oft gar nicht, aber wenn wir hier Ressourcen verschwenden, sind häufig andere Menschen die Leidtragenden. Beispielsweise werden in Südspanien ganzjährig Tomaten, Paprika und dergleichen mit einem enormen Bewässerungsaufwand angebaut. Und das in einer Gegend, die ohnehin unter Wassermangel, Bodenversalzung und Wüstenbildung leidet. Wir selbst merken davon nichts, wenn wir hier unsere Tomaten kaufen. Aber wer anfängt, sich mit seinem Garten zu beschäftigen, der lernt zum einen, die essbaren Geschenke der Natur anders zu würdigen und weniger wegzuschmeißen, und zum anderen, dass die Pflanzen saisonabhängig wachsen und Tomaten nicht natürlicherweise ganzjährig zu haben sind.

„Das Paradies im eigenen Garten“ heißt eine am 15. März um 15 Uhr im Horstedter Tagungshaus „Mikado“ beginnende Veranstaltung mit Ihnen und ihrer Berufskollegin Ulrike Oemisch – Eintritt frei. Dabei möchten Sie auch konkrete Gartengestaltungstipps geben?

Ja, durchaus. Die Veranstaltung ist zweigeteilt. Zunächst hält Ulrike Oemisch einen einführenden Vortrag über Permakultur. Anschließend führe ich durch eine Ausstellung mit Fotos aus Gärten, die ich gestaltet habe, und mit Pflanzen, die ich zeigen werde. Wir verkosten zudem Wildkräuterbutter. Die Besucher können uns obendrein Fragen stellen. Manche höre ich immer wieder, etwa: „Was mache ich, um einen schönen Rasen zu bekommen?“

Klingt, als ließen sich auch Menschen von Ihnen beraten, die noch nichts von Permakultur gehört haben.

Auf jeden Fall gibt es die auch. Manche beharren auf ihr Ziel, eine schöne Grünfläche zu haben. Andere lassen sich überzeugen, wenn ich ihnen erkläre, dass Rasen eine Monokultur ist, die der Mensch der eigentlich nach Vielfalt strebenden Natur aufzwingt. Oft ist das Hauptargument der angeblich geringe Pflegeaufwand. Da kann ich dann ansetzen und Alternativen vorschlagen: Stauden sind – richtig kombiniert – sogar pflegeleichter als Rasen, sehen zudem schön aus, blühen übers ganze Jahr verteilt und liefern auch noch Nahrung für Bienen.

www.steinreich-und-

gernegruen.de

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