Neuanfang in der Schweiz

Pastorenehepaar Rucks verlässt Harpstedt

Klimafreundlich leben: Für Hanna und Timo Rucks gebietet sich das schon im Interesse der Bewahrung der Schöpfung. Im kommenden Jahr zieht das Pastorenehepaar mit seinen vier Kindern in die Schweiz.
+
Klimafreundlich leben: Für Hanna und Timo Rucks gebietet sich das schon im Interesse der Bewahrung der Schöpfung. Im kommenden Jahr zieht das Pastorenehepaar mit seinen vier Kindern in die Schweiz.

Harpstedt – In die Schweiz zieht es Hanna und Timo Rucks, die sich seit 2014 eine Pfarrstelle in Harpstedt teilen. Bis Ende des Jahres arbeiten die Eheleute noch in der lutherischen Christusgemeinde. Im Januar nehmen sie ihren Resturlaub und ziehen dann mit ihren Kindern Lea (9), Simon (7), Elli (5) und Jonathan (3) zu den Eidgenossen – in das Herkunftsland von Hanna Rucks.

Die künftige Heimat liegt im Kanton Bern. Dort wird das Pastorenpaar ab dem 1. Februar 2022 mit zusammen 120 Stellenprozent in der 7 000-Seelen-Gemeinde Langenthal der evangelisch-reformierten Kirche wirken. Das sei schon ein neuer Abschnitt, weiß Timo Rucks.

Die Christusgemeinde Harpstedt stellt sich nach Auskunft von Pastorin Elisabeth Saathoff auf eine längere Vakanz ein, geht zugleich aber im Moment davon aus, dass die volle Pfarrstelle ohne Kürzung wiederbesetzt wird.

Wir sind mittlerweile verbeamtet und nutzen die Option, uns von unserer Kirche hier beurlauben zu lassen.“

Timo Rucks

Nein, es sei mitnichten so, dass seine Frau zurück in die Heimat wolle „und ich ihr folge“, sagt Timo Rucks. „Die Entscheidung haben wir gemeinsam getroffen. Vor langer Zeit“, stellt er klar. „Schon zu unserer Hochzeit hatten wir überlegt, wie unser weiteres Leben grob aussehen könnte. Wir kamen damals überein, dass wir in Deutschland starten und später in die Schweiz gehen. Dass dies irgendwann passieren würde, wusste auch die evangelische Gemeinde Harpstedt. Diese Gelegenheit hat sich jetzt ergeben. Wir sind mittlerweile verbeamtet und nutzen die Option, uns von unserer Kirche hier beurlauben zu lassen.“

Die bei den Eidgenossen lebenden Eltern von Hanna Rucks sind mittlerweile hoch betagt. „Ein Hauptgrund für unseren Weggang ist, dass unsere Kinder auch etwas von ihren Großeltern mütterlicherseits haben sollen. Außerdem sind sie in einem Alter, da ihnen das Erlernen der Sprache dieses lustigen Bergvolks noch einigermaßen leicht fallen dürfte“, vermutet Timo Rucks schmunzelnd.

„Community-Manager“ gesucht

Seine Frau und er hatten sich auf eine Stelle bei der Kirchengemeinde Langenthal beworben, die sich offiziell um einen „Community-Manager“ bemühte. Eigentlich sei das aber eher ein gegenseitiges Bewerben gewesen: „Die Gemeinde ist sehr stark auf uns zugegangen“, erzählt Pastor Rucks. Seit vergangener Woche ist der Wechsel auf die Stelle in trockenen Tüchern. Eine Zukunft als Traditionsverwalter in einer Bergkirche entsprach dem Gegenteil dessen, was dem Pastorenpaar vorschwebte. Als neues Wirkungsfeld kam nur eine für Veränderung offene Kirchengemeinde in der Schweiz in Betracht. Eben diese Bereitschaft, sich zu erneuern, ist den Stellenbewerbern nach eigenem Bekunden aus Langenthal signalisiert worden.

Eine Zukunft als Traditionsverwalter in einer Bergkirche hätte uns ganz sicher nicht gereizt, in der Schweiz zu arbeiten.“

Timo Rucks

Modernisierungsbedarf gibt es auch in der reformierten Kirche zur Genüge. Timo Rucks sieht durchaus ähnliche Problemfelder wie in der evangelischen Landeskirche Hannovers: von antiquierten Gottesdienstformaten bis hin zu Defiziten in der Jugend- und Familienarbeit. Die finanziellen Ressourcen seien in der Schweiz weniger das Problem. Die Kirchensteuer fließe sogar direkt an die Gemeinden. Langenthal habe „tolle Strukturen“. Das Ehepaar Rucks wird Teil eines fünfköpfigen Pastorenteams auf 3,7 Stellen, das zusätzlich zwei Diakoninnen und einen Diakon einschließt. Als Wohnort für 15 000 Menschen hat Langenthal mit seiner großen Altstadt urbanen Charakter und Charme. Die reformierte Kirche ist dort zwar die größte, aber beileibe nicht die einzige.

Ein Abschied mit Wehmut?

Die Jahre in Harpstedt werden Timo Rucks und seine Frau in guter Erinnerung behalten. Nicht nur als Pastoren, sondern auch als Eltern haben sie hier mit ihren Kindern „gerne gelebt“, unterstreichen sie. Die Jugendgruppe der Kirchengemeinde denkt womöglich schon jetzt mit Wehmut an den nicht mehr so fernen Abschied. Pastor Rucks behält fürs Erste die Gegenwart im Blick, denn: „Noch sind wir ja nicht weg.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Charlotte Gott verleiht der Harpstedter Mühle Sexappeal

Charlotte Gott verleiht der Harpstedter Mühle Sexappeal

Charlotte Gott verleiht der Harpstedter Mühle Sexappeal
38-Jähriger will 70-jährigen Helfer schlagen

38-Jähriger will 70-jährigen Helfer schlagen

38-Jähriger will 70-jährigen Helfer schlagen
DLRG hat Baugenehmigung für Rettungs- und Schulungszentrum

DLRG hat Baugenehmigung für Rettungs- und Schulungszentrum

DLRG hat Baugenehmigung für Rettungs- und Schulungszentrum
Akrobatik auf internationalem Niveau im Burgpark

Akrobatik auf internationalem Niveau im Burgpark

Akrobatik auf internationalem Niveau im Burgpark

Kommentare