Partei- und Gemeinderatskollegen trauern um Bürgermeister Walter Raem

Wöbse: „Sein Tod reißt eine große Lücke“

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Walter Raem

Kirchseelte/Harpstedt - Von Sophie Filipiak. Walter Raem, Bürgermeister der Gemeinde Kirchseelte, ist tot. Bei den Politikern und Weggefährten herrscht Bestürzung, seit bekannt wurde, dass Raem bei dem Flugzeugabsturz nahe Hatten tödlich verunglückt war. „Er war mehr als ein Parteikollege, er war vielmehr ein Parteifreund“, sagte gestern Klaus Budzin, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Harpstedt.

„Ich bin tief betroffen“, äußerte sich auch der Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse (CDU). „Sein Tod reißt eine große Lücke.“ Raem sei als Bürgermeister der Gemeinde Kirchseelte und als Mitglied des Samtgemeinderates „ein Mann der direkten Worte“ gewesen, der sich vor allem für die Bürger eingesetzt habe. Das kann auch Klaus Stark, stellvertretender Bürgermeister von Kirchseelte und langjähriger Parteifreund von Raem, nur bestätigen: „Er war eine Institution bei uns.“ Raem sei viel mit dem Fahrrad in Kirchseelte unterwegs gewesen und habe dann gern mit den „Leuten am Zaun geschnackt“. Er sei eben ein Bürgermeister zum Anfassen gewesen, so Budzin.

Dabei habe er den Menschen immer genau zugehört und sich für sie engagiert. „Er war ein Macher und hat sich für jeden eingesetzt – sei es ein Hartz-IV-Empfänger oder ein Landwirt“, erklärte der Kirchseelter Gemeinderat Heinrich Meyer.

Schwerpunkte in seinem politischen Wirken auszumachen, fällt schwer: „Er hat sich für alles eingesetzt, sei es Schule, Soziales oder Wohnungsbau“, so Wöbse. „Raem war nicht stromlinienförmig, er hat gern seine Meinung vertreten“, sagte Stark. „Er war immer mit ganzem Herzen dabei.“ Seit 2005 kannten sich die beiden SPD-Lokalpolitiker, die auch gemeinsam im Samtgemeinderat tätig waren.

Engagement in vielen Gremien

Seit 2001 arbeitete Walter Raem als ehrenamtlicher Bürgermeister in Kirchseelte und im Gemeinderat. Heinrich Meyer erinnert sich, wie Raem zum Nachfolger von Heinrich Cordes gewählt worden war. „Danach sagte er zu uns: ‚Jedes Ratsmitglied soll genauso viel wissen wie ich.‘ Und daran hat er sich immer gehalten.“ Vor allem das Organisieren sei eine der Stärken Raems gewesen: „Er war immer in Gange und kannte überall Leute, die mitangepackt haben.“ Fünf Jahre später wurde er Mitglied des Samtgemeinderates und Fraktionsvorsitzender der SPD. Er saß in mehreren Gremien, unter anderem im Samtgemeindeausschuss sowie seit 2011 im Ausschuss für Feuerschutz- und Rettungswesen.

Der passionierte Hobbyflieger fuhr auch Motorrad und verreiste gerne. „Eigentlich wollte er im kommenden Jahr wieder nach Südafrika, da hat es ihm besonders gut gefallen“, sagte Stark. Gerne habe er Gäste zu Charterflügen mitgenommen, erinnerte sich Wöbse. Auch Klaus Budzin und seine Tochter seien mit Raem über Harpstedt geflogen. Häufig sei der Kirchseelter Bürgermeister bei ihm zu Besuch gewesen.

„Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hatte, blieb er immer am Ball“, so Stark. Noch am Donnerstag vergangener Woche organisierte Raem eine Informationsveranstaltung über den schlechten Zustand der Kirchseelter Ortsdurchfahrt. Er hörte den Bedenken der Anlieger zu und sagten in klaren Worten seine Meinung. Zudem setzte sich Raem laut Stark für die Planung eines großen Neubaugebietes in der Gemeinde ein. „Er wollte mehr junge Familien zu uns holen“, erklärte der stellvertretende Bürgermeister.

Geboren in Delmenhorst absolvierte Raem zunächst eine Lehre zum Maschinenschlosser, erzählte Heinrich Meyer: „Er hat immer gesagt, er wollte erst mal etwas vernünftiges lernen.“ Trotz abgeschlossener Ausbildung sattelte Raem noch mal um, trat 1964 in die Polizeischule Hannoversch Münden ein. Bis zu seiner Pensionierung 2005 arbeitete Raem in vielen Polizeistationen, unter anderem in Hoya und Stuhr.

Daneben war er auch in der Gewerkschaft der Polizei tätig, wo er im vergangenen Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feierte. Vor sieben Jahren heiratete der gebürtige Delmenhorster zum zweiten Mal. Aus erster Ehe stammen vier Kinder. Am 8. Juni dieses Jahres hätte Walter Raem seinen 70. Geburtstag gefeiert.

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