Amtsgericht Wildeshausen lässt Schuldfähigkeit prüfen

Paranoides Verhalten bei Angeklagtem „ist anzunehmen“

Harpstedt/Wildeshausen - Von Jürgen Bohlken. Ausgesetzt hat das Amtsgericht Wildeshausen am Montag ein Verfahren wegen eines in Harpstedt verübten Diebstahls in einem besonders schweren Fall.

Zunächst wird nun ein psychiatrischer Sachverständiger feststellen, ob der Angeklagte (22) zum Tatzeitpunkt womöglich schuldunfähig oder vermindert schuldfähig gewesen ist. Aus bereits vorliegenden Gutachten lässt sich die Labilität des jungen Mannes recht deutlich herauslesen.

Der gebürtig aus Wildeshausen stammende Angeklagte räumte die ihm zur Last gelegten Taten ein: Laut Anklageschrift soll er in der Nacht auf den 1. Juli die Scheibe eines in Harpstedt abgestellten Autos eingeschlagen und aus dem Fahrzeug ein Notebook mitsamt Ladestation entwendet haben. Diese Beute habe er dann am 1. Juli einer Harpstedter Computerfachfirma zum Kauf angeboten, so der Staatsanwalt. 

Der Firmeninhaber habe ihm zunächst aber nur ein Viertel des vereinbarten Kaufpreises in Höhe von 200 Euro als Anzahlung ausgehändigt. Weil der Verkäufer das zum Notebook passende Passwort nicht nennen konnte, schöpfte der Geschäftsmann Verdacht. Der Diebstahl flog auf.

Angeklagter vollumfänglich geständig

Einen ersten angesetzten Hauptverhandlungstermin ignorierte der Angeklagte. Daher ließ ihn das Gericht jetzt, zum zweiten Termin, seitens der Polizei aus seinem aktuellen Wohnort Scheeßel abholen. Der junge Mann verteidigte sich selbst. Auf die Frage des Richters, ob er Angaben zur Sache machen wolle, erwiderte er: „Welche Vorteile brächte mir das?“ Der Richter entgegnete, ein Geständnis könne sich strafmindernd auswirken. Darauf der 22-Jährige: „Ich würde gern kooperieren.“

Der Angeklagte zeigte sich zwar vollumfänglich geständig; als er aber nach den Tatmotiven befragt wurde, endete seine Kooperationsbereitschaft. Dazu wolle er nichts sagen. Nur so viel: Er habe nicht gewusst, „was mich da geritten hat“, und zum Tatzeitpunkt unter einem psychotischen Ausbruch gelitten. In der Vergangenheit erstellte Gutachten bescheinigen ihm psychische Instabilität. Ansonsten ist da von einem „knapp durchschnittlichen“ allgemeinen intellektuellen Leistungsvermögen im Vergleich zur bundesweiten Hauptschulnorm „mit Stärken im räumlichen Vorstellungsbereich“ und „Schwächen in der Sprachbeherrschung“ die Rede.

Im Wildeshauser Johanneum-Krankenhaus hatte der junge Mann 2016 darauf bestanden, dass ihm ein vermeintlicher Chip entfernt werde, den er in seinem Schädel vermutete. Manchmal vernehme er „ein Brummen im Kopf, eine Art Generatorengeräusch“, das er nicht steuern könne. Er werde „mit elektrischen Wellen beschossen“, wisse aber nicht, woher diese „Attacken“ kämen. Der heute 22-Jährige kam in stationäre Behandlung: Vom 16. Juli bis zum 5. August 2016 währte ein Aufenthalt in der Karl-Jaspers-Klinik in Bad Zwischenahn.

Aufmerksamkeit und Konzentration wirkten „eingeengt“

Am 8. August konstatierte ein Klinikarzt, paranoides Verhalten des Patienten sei anzunehmen, eine Eigen- und Fremdgefährdung aber auszuschließen. Auf Kontaktaufnahme habe der junge Mann „ablehnend misstrauisch und läppisch“ reagiert. Seine Psychomotorik sei leicht angespannt, seine Motivation leicht reduziert, der formale Gedankengang aber geordnet. Aufmerksamkeit und Konzentration wirkten „eingeengt“.

Der Angeklagte hat nach eigenem Bekunden vom 15. Lebensjahr an immer mal wieder Cannabis konsumiert – allerdings, abgesehen von Alkohol an Wochenenden, keine anderen Drogen. Bis heute sei er viermal „in der Geschlossenen“ gewesen, sagte er vor Gericht aus. Er lebe von Hartz IV, habe etwa 2 000 Euro Schulden und wohne momentan als Untermieter „bei meiner ehemaligen Pflegemutter“.

Vor allem die Diagnose der Karl-Jaspers-Klinik lasse Zweifel an der Schuldfähigkeit zu, sagte der Staatsanwalt. Der Richter sah das genauso. Bis die Frage der Schuldfähigkeit geklärt ist, bleibt das Verfahren nun ausgesetzt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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