Kfz-Teile-Händler sieht DHL in Haftungspflicht

Pakete aus Harpstedt mit Ware kommen leer bei Kunden an

Im Lockdown ist Stefan Wachholder auf den Onlineversandhandel angewiesen. Viele Pakete lässt er durch die DHL zustellen. Die Versandkosten seien erheblich.
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Im Lockdown ist Stefan Wachholder auf den Onlineversandhandel angewiesen. Viele Pakete lässt er durch die DHL zustellen. Die Versandkosten seien erheblich.

Harpstedt – Ein mit Ware verschicktes Paket kommt leer bei Kunden an. Das hat ein Gewerbetreibender aus Harpstedt nach eigener Darstellung zweimal nacheinander erlebt. Mit der DHL streitet er nun über die Haftung.

Als Kfz-Teile-Händler vertreibt Stefan Wachholder keine Dinge des täglichen Bedarfs, also nichts Lebensnotwendiges. Daher muss er sein Geschäft am Junkernkamp in Harpstedt derzeit geschlossen halten. Werkstätten kann er natürlich weiterhin beliefern, und Privatkunden dürfen nach telefonischer Vorbestellung Waren, etwa Starterbatterien, abholen. Ansonsten aber sichert dem glühenden Verfechter des stationären Handels der ihm eigentlich verhasste Onlineversandhandel im neuerlichen Lockdown die geschäftliche Existenz.

Wachholder hat einen Vertrag mit der Post-Tochtergesellschaft DHL geschlossen. Gleich zweimal habe er nun leider erleben müssen, dass von ihm verschickte Pakete „die Adressaten leer erreichten“. In einem Fall habe der Wert des abhandengekommenen Inhalts, zweier Powerbanks („Booster“), rund 230 Euro betragen.

Äußeres soll wertigen Inhalt nicht verraten

Noch bis zum 8. Februar sucht die DHL intern nach dieser verschwundenen Ware. „Sollte das nicht erfolgreich sein, wird der Fall abschließend zwecks Schadenersatz geprüft“, so Pressesprecher Stefan Laetsch gegenüber unserer Zeitung.

Zunächst hatte der DHL-Kundenservice die Haftung allerdings verwehrt – mit der Begründung, ein Paket dürfe äußerlich nicht auf einen wertvollen Inhalt schließen lassen; es müsse vielmehr „neutral verpackt“ sein.

Dieses Argument ließ Stefan Wachholder unwillkürlich an Missbrauchsopfer denken, die sich vor Gericht für eine erlittene Vergewaltigung rechtfertigen müssen – wider den Vorwurf, sie hätten ein zu kurzes Kleid getragen. Sein Standpunkt: Die DHL stehe in der Verantwortung, Maßnahmen zum Schutz vor Diebstählen zu ergreifen, und wenn ihr das nicht gelinge, müsse sie eben haften. Wachholder gab dem Kundenservice zu verstehen, dass er einen Anbieterwechsel für die Paketzustellung in Erwägung zieht. Zuletzt seien ihm binnen zehn Tagen immerhin rund 600 Euro Versandkosten entstanden. Bei einem solchen finanziellen Aufwand müsse die Gegenleistung stimmen.

„Generelles Problem“ im Paketzentrum?

In einem Schreiben vom 15. Januar weist der Harpstedter die DHL auch auf Fälle von Gelddiebstählen aus Kondolenzbriefen in der Region hin (wir berichteten darüber). Ihm dränge sich der Verdacht auf, dass „es im Paketzentrum Bremen ein generelles Problem gibt“.

Am 11. Januar hatte Wachholder die erste Beschwerde eines seiner Kunden erreicht. Der berichtete, die schon erwähnten Powerbanks (die bei Batterieausfall als Kfz-Starthilfe Verwendung finden), seien nicht angekommen. Das Paket wohl. Aber es sei leer gewesen. Der Kunde, der bereits via Paypal bezahlt hatte, bedauerte, dass ein Familienmitglied die Sendung entgegengenommen habe. Wäre er selbst zu Hause gewesen, hätte er die Annahme wegen des geringen Gewichts gleich verweigert. Wachholder zeigte sich irritiert: „Ich habe das Paket an Sie mit den zwei Boostern selber verpackt“, schrieb er zurück. Das Geld bekam der Käufer erstattet.

Dem Nachforschungsauftrag, mit dem sich Wachholder sofort an die DHL wandte, folgte ein weiterer, denn nur zwei Tage später kam die nächste „Reklamation“: Diesmal vermisste ein Kunde des Kfz-Teile-Händlers aus Harpstedt einen Blinkerhebel. Das Paket sei leer gewesen, beanstandete er – und bat um „sehr zügige Klärung“.

Ich musste Warnaufkleber drucken lassen und sie auf das Paket kleben. Allein dieser Hinweis auf enthaltenes Lithium lässt aber schon einen relativ wertigen Inhalt erahnen.“

Stefan Wachholder

So langsam werde es „ganz komisch“, erwiderte Wachholder und wunderte sich über den neuerlichen Vorfall binnen so kurzer Zeit. „Ich kläre das mit der DHL und erstatte den Kaufbetrag vorsorglich zurück“, sicherte er zu.

Zumindest auf Schadenersatz für die Powerbanks darf Wachholder nun hoffen. Seiner Meinung nach wäre ein wirklich „neutrales“ Äußeres beim Versand gar nicht möglich gewesen. „Die Booster enthalten nämlich Lithium. Deshalb musste ich Warnaufkleber drucken lassen und sie auf das Paket kleben. Allein dieser Hinweis auf enthaltenes Lithium lässt aber schon einen relativ wertigen Inhalt erahnen“, so der Händler.

„Briefe und Pakete werden bei uns getrennt bearbeitet und sortiert. Von daher kann es keinen Zusammenhang mit den Kondolenzbriefen geben.“

DHL-Pressesprecher Stefan Laetsch

Der Schaden als Folge des „verschwundenen“ Blinkerhebels hält sich mit 27,80 Euro in Grenzen. Hier wird die DHL definitiv nicht haften. Zur Begründung teilte Pressesprecher Stefan Laetsch mit: „Im Sendungsverlauf steht, dass die Sendung am 13. Januar 2021 um 11.07 Uhr erfolgreich am Wunschort zugestellt wurde. (...) Der Empfänger hat offiziell einen individuellen Ablageort auf seinem Grundstück hinterlegt. Damit dürfen wir das Paket an dem Ort ablegen (Carport, Gartenhaus, Terrasse, o. ä.), auch wenn der Empfänger nicht zu Hause ist. Es kann also sein, dass die Schuld nicht bei uns liegt, sondern vielmehr der Inhalt nach der Zustellung verloren gegangen ist oder geklaut wurde.“

Im vergangenen Jahr hat die Deutsche Post DHL Group nach Angaben von Laetsch allein in Deutschland „eine Rekordzahl von 1,83 Milliarden Pakete transportiert, sortiert und zugestellt“. Dabei seien Einzelfälle, „in denen eine Zustellung einmal nicht klappt“, leider nie ganz auszuschließen. „Briefe und Pakete werden bei uns getrennt bearbeitet und sortiert. Von daher kann es keinen Zusammenhang mit den Kondolenzbriefen geben“, so der Pressesprecher.

Von Jürgen Bohlken

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