SERIE Fluchtodyssee endet in Sürstedt / Letzter Teil

Entschluss nach einigem Zögern: Als Soldat zur Marine

Hier noch komplett: Familie Ewert.
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Hier noch komplett: Familie Ewert.

Sürstedt/Bartenstein – Die Erinnerungen an die Flucht aus dem ostpreußischen Bartenstein und die Vertreibung nach dem Krieg beschäftigen Siegfried Ewert – wie auch seine heute in Harpstedt wohnende Schwester Gisela Langhorst – zeitlebens.

In den Wirtschaftswunderjahren eröffnet sich für ihn eine berufliche Perspektive. Die Zeit auf dem Hof Rohlfs in Sürstedt hat er hinter sich gelassen, als er in Bochum eine Anstellung als Industrielackierer findet. Nun wuchtet er Kettenraupenglieder auf Roste eines Farbtauchbeckens von der Größe eines kleinen Zimmers und streicht Schaufelbagger mit Pinseln – „so groß wie Lokusbürsten“. Er steht in Lohn und Brot eines Subunternehmers, der Arbeiten im Bochumer Werk der „O & K Lübecker Maschinenbau“ ausführt. Schmutz- und Erschwerniszulage bescheren ihm einen nach eigener Ansicht „fürstlichen“ Verdienst. Das Geld reicht auch, um sich von Kopf bis Fuß neu einzukleiden. Schuhe mit knallgelber Kreppsohle und ein schnieker Anzug gehören Anfang der 1950er-Jahre zum guten Ton. Besonders gefällt Siegfried der Trend zum Filzhut, zumal die Kopfbedeckung ihn mit gerade mal 1,62 Metern Körperlänge größer erscheinen lässt. Johanna, damals 17, seine erste feste Freundin, überragt den zwei Jahre älteren jungen Mann recht deutlich.

„Merkwürdig bedrückend“

Das verbreitete politische Denken empfindet Siegfried als „merkwürdig bedrückend“. Offenbar, so sein Eindruck, wollten „viele Menschen ihre berechtigten Schuldgefühle in rauschenden Festen ertränken“. Etliche noch lebende „Täter aus der verbrecherischen Nazizeit“ stünden „dem neuen System“ sehr misstrauisch und ablehnend gegenüber.

Zwei von Siegfrieds Geschwistern bleiben lange in Niedersachsen auf dem Land wohnen. Manfred, der jüngste Bruder, beendet die höhere Handelsschule mit einem Abschluss. Die Mutter lässt ihren Mann offiziell für tot erklären, „um einen Rentenanspruch zu erhalten“.

Nachlese nach Serienschluss

Mit der Wiederbewaffnung der Bundesrepublik meldet sich Siegfried freiwillig zur Marine. Eine Entscheidung, die er erst nach einigem Zögern trifft.

Am 2. Juli 1956 beginnt für ihn der Dienst als Soldat bei der 4. Schiffstammabteilung – in Eckernförde, wo er am 6. Juni 1959 auch heiratet.

An dieser Stelle zieht unsere Zeitung einen Schlussstrich unter die Serie.

In einer Nachlese soll aber noch Gisela Langhorst zu Wort kommen, zumal sie viele Fluchterlebnisse sogar schlimmer in Erinnerung hat, als von ihrem Bruder geschildert.  boh

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