Ortstermin mit Christian Dürr (FDP): Verkehrslärm auf Kopfsteinpflaster der Dorfstraße bringt Anlieger um den Schlaf

„Gläser im Schrank mit Tesa festgeklebt“

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Was so alles in den Seitenraum fliegt, wenn Fahrzeuge über das Kopfsteinpflaster donnern, veranschaulichte Gerfried Holthusen (l.) an einem Spiralfeder-Teil, das er aufgelesen hat und Christian Dürr überreichte. An dem Ortstermin mit Dürr, dem FDP-Kreistagsfraktionsvorsitzenden Ernst-August Bode und weiteren Liberalen nahm auch Bürgermeister Klaus Stark (r.) teil.

Kirchseelte - Von Jürgen Bohlken. Wenn Fahrzeuge über die Dorfstraße (L338) in Kirchseelte donnern und das in zwei Abschnittenerhaltene – laute – Kopfsteinpflaster Anwohner um den Schlaf bringt, „verlieren“ sie schon mal was. Etwa eine Radkappe. Oder auch ein Spiralfeder-Teil. Letzteres drückte Anlieger Gerfried Holthusen heute früh dem FDP-Landtagsfraktionsvorsitzenden Christian Dürr während eines Ortstermins mit Parteifreunden und Kirchseelter Bürgern in die Hand. Erst gestern habe die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, die sich sonst kaum blicken lasse, diverse „Utensilien“ aufgelesen, die „Opfer“ des Kopfsteinpflasters geworden seien, berichtete Holthusen.

Die Lärmemissionen hätten mittlerweile ein „unerträgliches“ Maß erreicht. Krach verursachten vor allem Pkw-Anhänger-Gespanne, leere Laster und der Schwerlastverkehr auf dem Kopfsteinpflaster. „Sobald die Autobahn nachts dicht ist, haben wir einen derartigen Durchlass von Lkw, dass Schlafen nicht möglich ist“, sagte der Anlieger. Die auch durch Unebenheiten bedingten Erschütterungen hätten etwa dazu geführt, „dass wir teilweise die Gläser im Schrank mit Tesafilm festgeklebt haben“. Mit Hilfe einer App hat Holthusen nach eigenem Bekunden schon einmal die „Beben“-Stärke per Handy gemessen. „Der höchste Wert war 2,3 auf der Richterskala“, verriet er.

Bereits bei leichtem Eisregen sei ein Befahren des Pflasters nicht mehr möglich. Werde gestreut, so verschwinde das Salz in den vom Regen ausgespülten Fugen. „Nach neuester Zählung“ fehlten 32 Steine, und die Höhenunterschiede im Pflaster lägen bei bis zu fünf Zentimetern. „Unser Zaun wird hier für gewöhnlich nicht alt, weil immer irgendjemand da rein rutscht“, so Holthusen.

Der Erhalt der beiden gepflasterten Teilstücke ist eine „Kröte“, die in den 1990er-Jahren die Gemeinde Kirchseelte beim Ausbau der Dorfstraße (Ortsdurchfahrt) inklusive Nebenanlagen im Zuge der Dorferneuerung auf Betreiben des früheren – mittlerweile verstorbenen – IG-Bauernhaus-Vorsitzenden Julius Kraft geschluckt hatte. Besonders schlecht ist der Zustand des ersten Pflaster-Abschnitts (aus Richtung Dünsen gesehen). Dafür sei kein Geld da, habe die Gemeinde Kirchseelte zu hören bekommen, als sie versuchte, zumindest Instandsetzungsmaßnahmen zu erwirken, schilderte Bürgermeister Klaus Stark. Doch Reparaturen hätten vermutlich ohnehin wenig gebracht. Die Steine seien nicht vernünftig „gegründet“, sondern „auf ein Sandbett gelegt“, was gerade auf dem abschüssigen Abschnitt bei starken Belastungen ein Verrutschen begünstige, so Stark. Noch unter Walter Raem als Bürgermeister habe die Gemeinde auf die Asphaltierung der gepflasterten Bereiche gedrängt. Dafür bedürfte es aber eines Planfeststellungsverfahrens. Die Gemeinde müsste einerseits – als Vorleistung – ein teures Schallgutachten auf eigene Kosten erstellen lassen, ohne zu wissen, ob das Erfolg verspricht, und sie hätte obendrein eine hohe Summe zurückzuzahlen – nämlich den finanziellen „Beitrag des Denkmalschutzes“ (damals 70000 DM) beim einstigen Ausbau der Straße innerhalb der Dorferneuerung.

„Mich ärgert die mangelnde Flexibilität des Landesamtes für Denkmalschutz“, sagte Christian Dürr, der auch den Aspekt Verkehrssicherheit hinterfragte. Er erfuhr, dass die untere Verkehrsbehörde eine Tempo30-Zone eingerichtet hat. Der Krach sei aber geblieben, so Holthusen: „Es klappert jetzt nur länger.“ Unfälle würden selten dokumentiert, bedauerte der frühere Bürgermeister Jürgen Niermann, weil es sich zumeist um kleinere Schäden handele. Oft werde die Polizei nicht eingeschaltet. Folglich tauchten die Unfälle in der Statistik nicht auf.

„Leider entscheiden hier viele Leute, die nicht hier wohnen“, beklagte Holthusen. Er erwähnte das im Grundgesetz verankerte Recht auf körperliche Unversehrtheit, das ja wohl über dem Denkmalschutz stehe.

Dürr sagte zu, sich mit Staatssekretärin Daniela Behrens und Verkehrsminister Olaf Lies ins Benehmen zu setzen. Er will sich für eine neuerliche Abwägung zwischen Denkmalschutz auf der einen und Lärmschutz/Verkehrssicherheit auf der anderen Seite im Sinne der Gemeinde Kirchseelte stark machen. Eine Planfeststellung dürfte nach seiner Einschätzung gleichwohl vonnöten sein, um das Kopfsteinpflaster wegzubekommen. Das müsse aber „nicht kompliziert“ werden. Manche solcher Verfahren dauerten lange und seien sehr teuer. „In diesem Fall ist die Sache aber vergleichsweise einfach. Es geht hier schließlich nicht um einen Flughafen“, sagte der FDP-Landtagsfraktionschef. Interessant sei aus Sicht des Landes als Straßenbaulastträger ja im Übrigen die Frage, ob die Unterhaltung der jetzigen Straße nicht auf Dauer teurer komme als das Einbringen einer Asphaltdecke.

Die Gemeinde Kirchseelte hat unterdessen Joachim Delfs aus der Landesstraßenbaubehörde in die Januar-Sitzung des Verwaltungsausschusses eingeladen, „damit wir auf diesem Wege mal ein bisschen weiterkommen“, erwähnte Stark.

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