Gemeinde kann die Kosten nicht tragen

Ortsdurchfahrt Kirchseelte: Holperstrecke bleibt ein Stein des Anstoßes

An dieser Stelle gab es schon ungezählte „Zustandsbegutachtungen“. Das ungeliebte Pflaster aber blieb. Von links: Axel Brammer, Christel Zießler, Klaus Stark und Reinhard Wixforth.

Kirchseelte - Das Pflaster in der Ortsdurchfahrt (L 338) sorgt seit 40 Jahren für Diskussionen in Kirchseelte. 1977 begannen die Planungen für den Umbau der 1,3 Kilometer langen Pflasterdecke in eine modern asphaltierte Fahrbahn. 92 Prozent der Einwohner sprachen sich dafür aus. Die wenigen, die lieber die alte Dorfstraße erhalten wollten, bekamen Unterstützung vom Denkmalschutz.

Es gab einen Kompromiss: Per Planfeststellung wurden 1995 beim „Dreimädelhaus“ 80 Meter und im Bereich des Anwesens von Julius Kraft 140 Meter mit Granitsteinen gepflastert, was seitdem ein „Stein des Anstoßes“ ist. 

Strecke in unerträglichem Zustand

Schon vor zehn Jahren mobilisierte der damalige Bürgermeister Walter Raem seine SPD-Freunde im Land- und Bundestag. Gleiches taten CDU-Ratsmitglieder mit ihren Landtagsabgeordneten (MdL). Am Sonnabend schilderte Bürgermeister Klaus Stark SPD-MdL Axel Brammer, der die Kreistagskollegin Christel Zießler mitbrachte, während eines Ortstermins erneut den unerträglichen Zustand der Holperstrecke. Hinweisschilder auf „Straßenschäden“ und „30 km/h“ dokumentieren zwar die Sachlage, verändern sie aber nicht. Der Krach der vorbeifahrenden Laster und Autos mit Anhängern oder Wohnwagen sowie die Verdrückungen im Pflaster bewiesen, dass sich die Befürchtungen der Pflastergegner bewahrheitet hätten, hieß es.

Reinhard Wixforth, Vorsitzender der SPD-Fraktion im Kirchseelter Rat, betonte: „Dies ist keineswegs eine historische Straße. Das Granit-Pflaster erinnert auch nicht an die alte Straße, die noch seitlich den für Pferde und Wagen schonenderen Sommerweg als Sandweg hatte. Auch der Radweg war früher nicht befestigt.“

Lärmgutachten erforderlich

Laut Bürgermeister Stark hält der Landkreis ein neues Planfeststellungsverfahren mit Lärmgutachten für erforderlich. Die Kosten kann die kleine Gemeinde Kirchseelte aber unmöglich tragen. Axel Brammer, der an das Engagement von Walter Raem († 2015) erinnerte, will sich dafür einsetzen, dass der Landkreis das Verfahren durchführt. Christel Zießler, die sich an vielen Stellen für sichere Straßen einsetzt, sagte ihre Unterstützung zu. Da nach Auskunft von Baufachleuten der Ausbau der Pflastersteine und der Einbau einer Asphaltdecke keine 100.000 Euro kostet, könne das Land die Maßnahme aus Unterhaltungsmitteln finanzieren, meinte Brammer und fügte hinzu: „Wenn wir dann aber für Gutachten und Verfahrenskosten die gleiche Summe ausgäben, würde der Steuerzahlerbund zu Recht die Verschwendung von Steuergeldern kritisieren. Das muss auch einfacher gehen!“

Es gelte den Denkmalschutz zu überzeugen: Die Bedenken der großen Mehrheit der Asphalt-Befürworter vor 20 Jahre seien begründet gewesen, der damalige Kompromiss aber nicht.

Altlandrat Hermann Bokelmann, der beim Ortstermin dabei war, erinnerte daran, dass auch beim Ausbau der „Amtsfreiheit“ in Harpstedt der Denkmalschutz den Erhalt des Pflasters forderte: „Damals folgte das Wirtschaftsministerium dem Wunsch der Harpstedter, die das Pflaster nicht mehr wollten.“ Auf solches Verständnis des Denkmalschutzes hoffen auch die Kirchseelter. 

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