Orkan Sabine fegt zweiten Holzheiztag weg

Besucher kamen „zum Gucken“ oder aber, um ihren teils sehr großen Informationshunger zu stillen. Fotos: Bohlken

Bei Orkan Menschen in den Wald zum Messebesuch locken? Das ging nun wirklich nicht. Viel zu gefährlich. Daher sagte die Leitung des Forstamtes Ahlhorn den zweiten „Harpstedter Holzheiztag“ schweren Herzens ab.

VON JÜRGEN BOHLKEN

Harpstedt – Ironie des Schicksals: Als Schwerpunktthema für die Messe im Wald am Horstedter Weg hatten die Landesforsten die durch den Klimawandel bedingten Herausforderungen gewählt, und ausgerechnet ein Extremwetterereignis funkte gnadenlos dazwischen: Das Orkantief Sabine halbierte die Messezeit.

Die rund 60 Aussteller, darunter Anbieter und Vertreiber von Kaminöfen sowie Pellet, Hackschnitzel- und Stückholzheizungen, aber auch etwa die Friedwald GmbH, „baumrausch“-Baumpflegespezialisten und Maschinenverleiher, zeigten sich darüber zwar enttäuscht, brachten aber zugleich großes Verständnis für die vernünftige und richtige Entscheidung auf. Das gute Wetter und das enorme Interesse von mehreren 1000 Besuchern am Sonnabend entschädigten sie zumindest ein bisschen.

Viele Leute kamen „nur zum Gucken“, bestaunten den reizvollen Kontrast zwischen Stämme rückenden Kaltblütern und leistungsfähigem Holz-„Hacker“ im laufenden Betrieb, warfen einen Blick in ein „Tiny House“, sahen zu, wie kunstvolle Skulpturen mit Motorsägen Gestalt annahmen, ließen sich Spanferkel vom Wildschwein und andere Gaumenfreuden munden, unternahmen einen Abstecher zum BUND-Waldkindergarten oder beteiligten sich an Gewinnspielen und Mitmachaktionen. Andere wollten sehr konkrete Fragen von Ausstellern beantwortet haben. „Ich stelle immer wieder eine Grundneugierde bei Menschen fest, die in ländlichen Regionen leben“, sagte Rainer Städing, Pressesprecher des Forstamtes Ahlhorn.

Das Heizen mit nachwachsenden Rohstoffen rücke aktuell wegen der nach oben angepassten staatlichen Förderung wieder in den Fokus „Für Biomasseheizungen kann man bis zu 45 Prozent Zuschuss bekommen“, verriet Städing. Der Staat wolle das Umsteigen auf nachwachsende Brennstoffe erleichtern, und ab 2026 dürften bekanntlich eh „keine neuen Ölheizungen mehr eingebaut werden“. Dadurch erhofften sich die Heizungsbauer einen Schub. Befragt nach technischen Innovationen, fielen Städing Pelletöfen ein, die „von oben“ durch die Schwerkraft gespeist werden, was nervige Klickgeräusche wohltuend unterbinde.

„Normalerweise wären diese Borkenkäfer im Baumharz ersoffen“, bekamen Besucher „am lebenden Objekt“ erklärt – am Stand des Waldpädagogikzentrums Ahlhorn, das außerdem mit einem lehrreichen Walderlebnisspiel bei Kindern punktete. Der Trockenstress der vergangenen Dürresommer habe aber bei Fichten die Bildung von zu wenig Harz bewirkt – und der Schädling daher leichtes Spiel gehabt.

Die Niedersächsischen Landesforsten begegnen dem Klimawandel mit mehreren Strategien. Zum einen bauen sie darauf, Wälder nicht nur mit verschiedenen Baumarten, sondern auch unterschiedlich alten Bäumen zu durchmischen; so entstehe ein unebenes Kronendach, das recht widerstandsfähig gegen Sturm sei, erläuterte Städing. Zum anderen wird mit Flatterulme, Winterlinde, Baumhasel, Esskastanie, Weißtanne oder auch Schwarznuss experimentiert. „Wir müssen den Blick mehr auf solche Arten richten, die besser mit der Trockenheit und generell mit den klimatischen Veränderungen klarkommen. Das geschieht vermehrt bereits in der Revierförsterei Harpstedt, zumal wir zahlreiche Neuaufforstungen haben. Winterlinde und Flatterulme etwa werden schon in einem größeren Rahmen angepflanzt, als es in der Vergangenheit der Fall war“, erläuterte der ausgebildete Förster Henning Steffens, der für insgesamt zehn Monate Revierförster Eberhardt Guba als „Trainee“ zur Seite steht.

Die Frage, ob Brennholz wegen der drastischen Trockenschäden der vergangenen Sommer den Markt flute, beantwortete Städing mit einem „Jein“. Nadelholz gebe es zwar in großen Mengen, bedingt durch das Fichtensterben. Buche sei bei vielen Kunden eher gefragt. „Da aber halten wir uns beim Einschlag momentan etwas zurück“, verschwieg Städing nicht. Das gelte zumindest für Buchen, die nicht schon als Folge der Trockenheit abgestorben seien.

Die auf der Holzheizmesse mit einem Infostand vertretene Harpstedter Energie-Agentur sah derweil ihr Vorhaben, eine Genossenschaft nach dem Vorbild der Bürger-Energie Syke eG zu gründen (wir berichteten) auf gutem Weg. „An Anlegern und am Geld wird es sicher nicht mangeln“, so die Einschätzung des Vorsitzenden Cord Remke. Großes Interesse weckte ein ausgestelltes, von Florian Schick in ökologischer Bauweise erschaffenes rollendes Zuhause mit Schlafplatz, Küche und WC. „Die Ländliche Erwachsenenbildung hat einen sozialen Wirtschaftsbetrieb gegründet, der solche Tiny Houses mit Langzeitarbeitslosen realisiert“, erläuterte Frank Gertje wiederholt vor Schaulustigen, die einen Blick ins Innere warfen.

André Wentzlaff aus Blender im Landkreis Verden begeisterte derweil mit einer Sammlung von „Kettensägen-Oldtimern“. Besonders viel Aufmerksamkeit erntete ein zum Fällen von Mammutbäumen geeignetes Exemplar mit 1,80 Metern Arbeitslänge.

Technikfreaks erwärmten sich außerdem für leistungsfähige Holzspalter oder auch für einen, so Rainer Städing, „großen Bagger, der Bäume fällen und gleichzeitig festhalten kann“.

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