Ordensbruder der Karmeliter verstärkt die Pfarrei

Pater Michael Padupurackal aus Indien kommt in Harpstedt gut an

Während der Erntedankfeier in Harpstedt fühlte sich Pater Michael Padupurackal im Kreise katholischer Frauen sehr wohl. - Foto: boh

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Seinen für deutsche Ohren exotisch klingenden Nachnamen Padupurackal hat in der Pfarrei St. Anna noch kaum jemand so richtig verinnerlicht. Die Katholiken des Gemeindeverbundes nennen ihn einfach Pater Michael. Am Montagabend kamen Frauen der Christ-König-Gemeinde Harpstedt während einer Erntedankfeier in den Genuss, den sympathischen Geistlichen aus dem fernen Indien näher kennenzulernen.

Pater Michael, der aus dem Bundesstaat Kerala stammt, fühlte sich wohl in der Runde. Gern setzte er sich im Gotteshaus mit an den langen Tisch, um sich nach einem gemeinsamen Gebet an der Seite der Frauen Kürbissuppe, gebackenes Gemüse, Chili und Weintrauben-Tiramisu munden zu lassen. Mit seiner bescheidenen Art punktete er. Der Pater gehört dem Orden CMI (Carmelites of Mary Immaculate) an, der Kongregation der Karmeliter der Unbefleckten Empfängnis Mariens. Rund 135 seiner Ordensbrüder weilen aktuell in Deutschland. Viele von ihnen verstärken Seelsorgeteams.

Der Hintergrund: Die katholische Kirche in der Bundesrepublik leidet unter Priestermangel. Die Bereitschaft, als junger Mensch diesen Beruf zu ergreifen, nimmt spürbar ab. Die Zölibatsverpflichtung und die Säkularisierung werden als mögliche Ursachen dafür vermutet. In den vergangenen 26 Jahren ging die Zahl der Priester in Deutschland von 19 707 auf 13 856 zurück; davon waren 56 Prozent im aktiven Dienst und 44 Prozent in der Pfarrseelsorge eingesetzt. Bei den Neupriestern, die in den Priesterseminaren der 27 deutschen Bistümer ihre Ausbildung genossen haben, lässt sich seit Jahrzehnten ein kontinuierlicher Rückgang feststellen; seit 2008 bewegt sich ihre Anzahl jährlich unter 100.

Erstaunlich gute Deutschkenntnisse hat der Geistliche aus Indien binnen vier Monaten in Dingden bei Bocholt erworben.

In der Pfarrei St. Anna tat sich mit dem Weggang von Kaplan Jan Witte, der zum 1. September als neuer Pfarrer nach Bersenbrück wechselte, eine Lücke auf. Hier soll nun Pater Michael für Entlastung sorgen und pastorale Aufgaben mit übernehmen. Dazu gehört das Feiern von Messen. Bislang steht ihm dabei Pastor Arnold Kuiter federführend und hilfreich zur Seite. Kleinere Gottesdienste hat Pater Michael schon allein „gewuppt“. Auch Besuche, etwa anlässlich von Altengeburtstagen, fallen in seinen Aufgabenbereich. „Bis er selbst eine Predigt halten kann, dürfte es noch ein, zwei Tage dauern“, untertrieb Pastoralreferentin Birgit Hosselmann augenzwinkend am Rande der Erntedankfeier in Harpstedt – schmunzelnd anspielend auf die schon verblüffend guten Deutschkenntnisse, die der 35-Jährige während eines viermonatigen Kurses in Dingden bei Bocholt erworben hat. Er arbeitet weiter hart daran, sich hierzulande noch besser verständigen zu können.

Schon seit Anfang September verstärkt er im Auftrag des Bistums Osnabrück die Pfarrei St. Anna. Pater Michael wohnt wie Pfarrer Arnold Kuiter im Pfarrhaus an der Twistringer Kirche. „Den deutschen Führerschein muss er noch machen“, weiß Birgit Hosselmann. Aus Indien sei er Linksverkehr gewohnt. Pater Michael solle auch lernen, „wie Kirche in Deutschland funktioniert“; für ihn sei die unbefristete Zeit in der Pfarrei St. Anna das „Tor zur Einführung in den pastoralen Dienst“. Er gehe alles, was an Neuem auf ihn zukomme, „mit großer Offenheit an“. Seine Priester-Ausbildung in Indien habe15 Jahre gedauert und auch Studien in Journalismus, Literatur und Psychologie beinhaltet.

Pater Michael hat drei Brüder, zwei ältere und einen jüngeren. „Er ist auch schon Onkel“, hat die Pastoralreferentin in Erfahrung gebracht.

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