Heinz Nienaber hat einiges rausgefunden

Olympioniken auf Hufen mit Wurzeln in Diek

Nur die Silhouette von Ross und Reiter ist auf diesem Foto - in leider schlechter Qualität - noch zu erkennen: Klaus Wagner auf „Dachs“.

Groß Köhren/Diek - Von Jürgen Bohlken. Was hat die ehemalige Hengststation Diek mit der Karriere der heutigen Bundestrainerin der Dressurreiter, Monica Theodorescu, zu tun? Durchaus einiges - fand Heinz Nienaber aus Groß Köhren heraus.

Zusammen mit den Paarungen Klaus Balkenhol/„Goldstern“, Martin Schaudt/„Durgo 2“ und Isabell Werth/„Gigolo FRH“ holte Theodorescu 1996 bei den Olympischen Spielen in Atlanta Mannschaftsgold - auf „Grunox“, der schon drei Jahre zuvor als erfolgreichstes Dressurpferd der Welt gekürt worden war. Dieser bemerkenswerte Zuchterfolg habe seinen Ursprung in der Hengststation Diek gehabt, betont Heinz Nienaber.

„Die Züchterin Bärbel Lehmkuhl aus Ganderkesee fuhr mit ihrer Stute mit Trakehnerblut 1980 dorthin und ließ sie vom Hengst ,Grunewald’ im Natursprung decken.“ Ergebnis dieser „Anpaarung“ sei das Hengstfohlen „Grunox“ gewesen. Nach der Aufwuchsphase sei das junge Tier in den renommierten Dressurstall Kasselmann gekommen - sozusagen zum „Guru der Dressurpferde“. Die heutige Bundestrainerin Monica Theodorescu habe das Pferd ausgebildet - und gleich zweimal mit „Grunox“ an Olympischen Spielen teilgenommen - in Barcelona (1992) und Atlanta (1996). Beide Male ging die Paarung als Olympiasieger aus der Mannschaftsdressur hervor. In den Jahren danach folgten zahlreiche S-Dressur-Siege auf hochkarätigen Turnieren. „Man kann durchaus sagen, dass ,Grunox’, ein Zuchtprodukt aus Diek, der aktuellen Bundestrainerin ein Stück weit mit zu ihrem heutigen Job verholfen hat“, resümiert Nienaber schmunzelnd. Zeitlebens sei das erfolgreiche Pferd im Besitz des Hofes Kasselmann in Hagen am Teutoburger Wald geblieben.

Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta: Monica Theodorescu auf „Grunox“. Foto: © Jaques Toffi/TOFFI-IMAGES.DE

Doch schon lange zuvor gab es einen vierbeinigen Olympioniken, den die Deckstation in Bassum-Diek hervorbrachte, nämlich den dort 1942 gezeugten braunen Wallach „Dachs“. Damit ritt Klaus Wagner aus Wolfenbüttel bei den ersten Olympischen Spielen der Nachkriegszeit mit deutscher Beteiligung, 1952 in Helsinki, zum Erfolg. Die Paarung gewann Mannschaftssilber in der Vielseitigkeit (Military). Davon zeugt noch heute eine Urkunde. Das Original erhielt das Züchterhaus Windhorst in Bassum-Eschenhausen vom Deutschen Olympischen Komitee in Warendorf. „Zur Ehre unseres Landes, zum Ruhme der deutschen Reiterei und zum Ruhme der deutschen Pferdezucht“ steht - mit viel Pathos und Patriotismus - am Kopf des Dokuments geschrieben.

Heinz Nienaber hat sogar eigene Erinnerungen an die Spiele von Helsinki. „Mein Vater und die anderen, die bei uns auf dem Hof waren, haben gebannt am Radio gesessen und mitgefiebert. Ich selbst wusste damals gar nicht, was Olympische Spiele sind“, erzählt der Groß Köhrener. Ebenfalls Mannschaftssilber, wiederum in der Vielseitigkeit, hätten Wagner und „Dachs“ übrigens 1954 bei den Europameisterschaften in Basel errungen.

Stolz ist Heinrich Windhorst auf diese Urkunde.

Außergewöhnlich ist der Werdegang dieses Ausnahmepferdes. Dessen Vater, der Hengst „Freddy II“, stand von 1939 bis 1950 in Landespflichten. Die Mutter war eine Stute von Züchter Wilhelm Windhorst aus Eschenhausen. Heinrich Windhorst, der Junior, erinnert sich: „Im Herbst 1943 verkaufte mein Vater das im selben Jahr geborene Hengstfohlen ,Dachs’ an den Viehhändler Poggenburg. Zunächst verlor sich dann die Spur des Pferdes. Es gab wohl verschiedene Besitzer. Ende der 1940er-Jahre muss Klaus Wagner an ,Dachs’ gekommen sein.“ Und zwar durch Erwerb von einem Wanderzirkus; daran wiederum entsinnt sich Wagners Sohn Hasso. Bis zu den Olympischen Spielen 1952 sei „Dachs“ in Helsinki gefördert worden.

Die Hengststation in Diek bestand bis 1988. Mit seinen Nachforschungen dazu hat es Heinz Nienaber sogar in die überregionale Fachpresse geschafft. Ein mehrseitiger Artikel aus seiner Feder erschien kürzlich in der Januar-Ausgabe des Magazins „Der Hannoveraner“.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Bayern setzt BVB unter Druck - Schalkes Heidel hört auf

Bayern setzt BVB unter Druck - Schalkes Heidel hört auf

„Bis zum Gegentor waren wir eigentlich ziemlich gut“ - die Netzreaktionen

„Bis zum Gegentor waren wir eigentlich ziemlich gut“ - die Netzreaktionen

Tabak-Quartier Woltmershausen

Tabak-Quartier Woltmershausen

Bremer Karneval am Sonnabend

Bremer Karneval am Sonnabend

Meistgelesene Artikel

Ein Helfer für Helfer in der Not: Axel Kullik ist Polizei-Seelsorger

Ein Helfer für Helfer in der Not: Axel Kullik ist Polizei-Seelsorger

Neuer B-Plan für Diakoniehäuser

Neuer B-Plan für Diakoniehäuser

Schlaganfall: Selbsthilfegruppe für Betroffene hat Zukunft

Schlaganfall: Selbsthilfegruppe für Betroffene hat Zukunft

„An‘ner Hunte“ fällt erst mal ins Wasser

„An‘ner Hunte“ fällt erst mal ins Wasser

Kommentare