Oder: Von Kindern lernen / Beim Spielen und Basteln bedarf es keiner Worte

Flüchtlinge und Paten lernen einander besser kennen

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Thea Möring (hinten, 2.v.r.) hatte die adventlich angehauchte Kaffeerunde mit Bastelangebot für Kinder organisiert. Das Treffen diente der Annäherung von Flüchtlingen und „Paten“. Auch Pfarrer Arnold Kuiter (hinten l.) und Amir Hadji Ali (hinten r.), der die Samtgemeinde als unterstützende AGH-Kraft ein Stück weit in der Flüchtlingsbetreuung entlastet, nahmen teil.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Alle reden von der Willkommenskultur. Wenige leben sie. Vielen Flüchtlingsfamilien bleibt Deutschland fremd. Wie einfach es sein kann, kulturelle Annäherung und zwischenmenschlichen Austausch in Gang zu setzen, ließ sich am Mittwochnachmittag in der katholischen Kirche in Harpstedt beobachten. Dabei zeigte sich auch: Erwachsene können mitunter durchaus von Kindern lernen.

Ohne jegliche Berührungsängste lieferten Kiddies albanischer, irakischer und deutscher Herkunft ein gutes Beispiel dafür, wie Verständigung über sprachliche Barrieren hinweg funktioniert. Beim Spielen und gemeinsamen Basteln von Windlichtern bedurfte es keiner Worte. Die „Großen“ taten sich im Austausch miteinander während einer gemütlichen Kaffeerunde schwerer. Amir Hadji Ali aus Großenkneten, der nunmehr die Samtgemeinde Harpstedt als unterstützende AGH-Kraft in der Flüchtlingsbetreuung entlastet, erleichterte mit seinen Sprachkenntnissen die Kommunikation zumindest ein Stück weit. Der 45-Jährige stammt aus dem Irak. Er spricht arabisch, kurdisch sowie recht gut deutsch. Schon seit 1996 lebt Ali in der Bundesrepublik. Er kümmert sich um die Probleme und Bedürfnisse von Asylbewerbern, leistet praktische Lebenshilfen und übernimmt häufiger Dolmetscher- und Übersetzer-Aufgaben.

Thea Möring, die sich in der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe engagiert, hatte die Idee zu dem Treffen mit Bastelangebot für die Kinder gehabt. Sie sei dankbar dafür, die Räume der katholischen Kirche nutzen zu dürfen. Pfarrer Arnold Kuiter war es ein Bedürfnis, sich ein ganz persönliches Bild von dem Geschehen zu machen. Schließlich schreiben sich auch die Pfarrei Sankt Anna (Twistringen) und der gesamte katholische Gemeindeverbund die „Willkommenskultur“ ausdrücklich auf ihre Fahnen.

Der Einladung gefolgt waren Hike Cara aus Albanien mit ihren Zwillingen Anja und Joel (fast 2 Jahre alt), Nagam Obadi aus dem Irak mit ihren Kindern Yousef (zehn Monate) und Aws (8 Jahre), Sabrina Lux mit Tochter Amelie (7) und Sohnemann Niklas (5), Martina Buschheuer mit ihrem Sohn Samory (6) sowie Marie Zegula mit ihrem Spross Jonas (7). Das Treffen diente nicht zuletzt dem Zweck, Flüchtlinge und ihre „Paten“ zusammenzuführen. „Es geht uns um das bessere gegenseitige Kennenlernen und die Verständigung“, erläuterte Thea Möring.

In der Flüchtlingshilfe innerhalb der Samtgemeinde gibt es Bestrebungen, dass ehrenamtliche Helfer Patenschaften für einzelne Flüchtlinge oder Flüchtlingsfamilien übernehmen. So wollen sich Martina Buschheuer und Marie Zegula künftig zielgerichtet um die Familie Obadi kümmern. Und Sabrina Lux nimmt sich als „Patin“ der Familie Cara an. Eine arbeitsteilige und konkret auf Personen zugeschnittene Integrationshilfe macht Sinn vor dem Hintergrund, dass viele weitere Asylbewerber, auch Familien, noch kommen. 46 Flüchtlinge werden in Kürze in der Delmeschulturnhalle einquartiert.

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