Oder: In das Gezerre um den Windpark „B1“ kommt Bewegung, aber der Schwarzstorch steht den Rotoren nach wie vor im Weg

Was brächten Windräder, wenn sie oft abgeschaltet werden müssten?

Beckeln - Bislang hat der Schwarzstorch die Realisierung eines Windparks auf der im Flächennutzungsplan der Samtgemeinde Harpstedt ausgewiesenen Sonderbaufläche „B1“ im Bereich Jungholz/Friedeholz in Beckeln unmöglich gemacht.

Eine „Maßgabe“ der schon lange nicht mehr existenten Bezirksregierung Weser-Ems verhinderte, dass dort Rotoren aus Wind Strom erzeugen können: Das Einvernehmen, das mit der Vogelschutzwarte zwingend über den Schwarzstorch erzielt werden musste, ließ sich nie erwirken. Die Gemeinde Beckeln brach deswegen sogar schon einmal ein laufendes Bauleitverfahren ab. Inzwischen hat sie bekanntlich einen neuen Bebauungsplan (Nr. 5) für den Windpark aufgestellt.

Nun ist Bewegung in die Sache gekommen. Rolf Rohlfs aus Sürstedt erwähnte am Dienstagabend während des von der FDP anberaumten Diskussionsabends zur Frage, wie viel Windkraft die Klein Henstedter Heide „verträgt“ (siehe Berichte oben) die Einflussnahme von Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Bündnis 90/Die Grünen). Der hatte den Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLKWN), wo inzwischen die Vogelschutzwarte angesiedelt ist, mit Schreiben vom 5. Juni 2015 „gebeten“, eine „zustimmende Aussage“ zum angestrebten B-Plan Nr. 5 zu treffen. Zugleich drängte der Minister aber darauf, dieses Einvernehmen mit einer neuen „Maßgabe“ zu verknüpfen. Danach wiederum sind zur Abwendung eines möglicherweise signifikant erhöhten Tötungsrisikos für den Schwarzstorch als Folge der Errichtung von Windkraftanlagen (WKA) „Maßnahmen zu prüfen und gegebenenfalls zu ergreifen“. Letzteres soll nun der Unteren Naturschutzbehörde obliegen, der es aber freisteht, den NLWKN daran zu beteiligen. In einem Schreiben an die Gemeinde Beckeln vom 13. Juli, das unserer Zeitung vorliegt, weist der Landesbetrieb „vorsorglich“ auch darauf hin, dass die Zeiten, in denen die WKA eventuell zum Schutz des Schwarzstorches abgeschaltet werden müssten, „unter Umständen die gesamte Brutzeit“ während „der hellen Tagesstunden umfassen können“.

Somit ergibt sich zwar eine neue Gemengelage, aber irgendwie scheint doch vieles beim Alten geblieben zu sein. Es sieht jedenfalls nicht so aus, als stünde der Schwarzstorch der Nutzung der Fläche „B1“ für die Windkraft nicht mehr im Wege. Der Sinn der NLWKN-Zustimmung zum B-Plan in Kombination mit neuerlicher „Maßgabe“ erschließt sich nicht unmittelbar: Was sollen Rotoren bringen, wenn sie womöglich oft und lange abzuschalten wären?

Rolf Rohlfs kritisierte Wenzels Einflussnahme während des FDP-Diskussionsabends: Der Umweltminister habe dem Klima-schutz Vorrang vor dem Naturschutz eingeräumt. „Ich frage mich, wo wir landen, wenn wir kurzfristig das kaputtmachen, was wir langfristig schützen wollen“, sagte der Sürstedter.

Eva-Maria Langfermann, Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, kannte das Schreiben des NLWKN, das nicht nur der Gemeinde Beckeln, sondern auch ihr zugegangen war, gestern noch gar nicht. „Das liegt bestimmt in der Urlaubspost“, vermutete sie. Wie sich der Landkreis verhalten wird, bleibt abzuwarten. „Wir reden hier über einen B-Plan, den wir noch gar nicht vorliegen haben“, sagte Langfermann. Die Untere Naturschutzbehörde werde sich aber natürlich im Rahmen des Beteiligungsverfahrens äußern und sicher auch mit dem NLWKN sprechen. Denn dort säßen die Experten in Sachen Schwarzstorch, dessen Schutzstatus ja weiterhin bestehe. Die neue „Maßgabe“ sei offensichtlich – anders als die alte – nicht städtebaulicher Natur, sondern vielmehr „eine artenschutzrechtliche Entscheidung“.

boh

Rubriklistenbild: © dpa

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