Hochwasserschutz ist ein „Riesenthema“

Ochtumverband in Harpstedt plant zwei Großprojekte

Ockerfänge sollen den Eisenanteil in der Delme zukünftig senken.
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Ockerfänge sollen den Eisenanteil in der Delme zukünftig senken.

Der Ochtumverband ist für die Entwässerung von rund 500 Gewässerkilometern zuständig. In den kommenden Jahren will er zwei wichtige Hochwasserschutzprojekte realisieren.

Harpstedt – Der Ochtumverband in Harpstedt unterhält Flüsse und Bäche auf einer Länge von rund 500 Kilometern. Das entspricht nahezu der Entfernung zwischen Harpstedt und München. Sein Zuständigkeitsgebiet reicht von Lemwerder im Norden bis Sulingen im Süden. Er erstreckt sich über die Landkreise Oldenburg, Diepholz, die Stadt Delmenhorst und Wesermarsch.

„Wir stellen die Landentwässerung sicher und sorgen dafür, dass das Wasser reibungslos abgeführt wird“, umreißt Verbandsgeschäftsführer Matthias Stöver die Aufgaben des Wasser- und Bodenverbandes. „Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Infrastruktur sowie für den Naturschutz“, verdeutlicht er. Es sei „ein großer Spagat“, den Lebensraum für Pflanzen und Tiere zu sichern und zugleich die Entwässerung zu gewährleisten, indem zum Beispiel Pflanzen und Sandablagerungen entfernt werden.

Zahlreiche Projekte für Flora und Fauna umgesetzt

Um beide Ziele unter einen Hut zu bekommen, stellt der Verband für jedes Jahr Unterhaltungspläne auf, die er mit den Naturschutzbehörden der vier Landkreise abstimmmt. Zahlreiche Projekte für Flora und Fauna in den Flüssen und Bächen – unter anderem Fischaufstiegsanlagen – seien in den zurückliegenden Jahren bereits umgesetzt worden. „Der Dünsener und der Klosterbach sind mittlerweile ökologisch durchgängig, damit die Fische vom Meer bis in ihre Laichgebiete kommen“, erläutert Stöver. Elf Mitarbeiter mit teils schwerem Gerät sorgen beim Ochtumverband für die laufende Unterhaltung der Gewässer. Der Fuhrpark auf dem Betriebshof in Harpstedt umfasst unter anderem fünf Kettenbagger sowie vier Trecker mit Mähanlagen.

Für die kommenden Jahre hat der Gewässerverband mehrere umfangreiche Baumaßnahmen in Planung. „Ein Riesenthema ist der Binnenhochwasserschutz“, berichtet der Geschäftsführer. Zwei Großprojekte beschäftigen sich damit.

Ein Mix aus verschiedenen Maßnahmen zum Hochwasserschutz geplant

Der größte Brocken mit einem Investitionsvolumen von 16 Millionen Euro ist die sogenannte Deichertüchtigung entlang des Klosterbaches beziehungsweise der Varreler Beeke. Auf einer Länge von 6,5 Kilometern zwischen Groß Mackenstedt und der Bremer Landesgrenze wird der Deich teilweise erhöht oder zurückversetzt. Zudem bekommt der Bach in einigen Bereichen Spundwände. „Es ist ein Mix aus verschiedenen Maßnahmen zum Hochwasserschutz“, erklärt Stöver. Zudem entstehen zwei Schöpfwerke, die im Falle eines Hochwassers für ein Ablaufen aus den Nebenbächen sorgen. Derzeit läuft das Planfeststellungsverfahren. Der Verbandsgeschäftsführer rechnet mit dem Baustart für das Jahr 2023.

Im Rahmen des zweiten Großprojektes ist in den vergangenen Jahren südlich von Delmenhorst ein gigantisches Hochwasserrückhaltebecken entstanden. „Aufgrund seiner Größe ist es nach dem niedersächsischen Wassergesetz als Talsperre definiert“, erläutert Stöver. Mit einer Höhe von 5,7 Metern, einer Fläche von 130 Hektar und einem Fassungsvermögen von 1,8 Millionen Kubikmetern sorgt es dafür, dass die Delme kontrolliert durch die Stadt fließt.

In den kommenden Jahren will der Verband in einem zweiten Schritt nun die Deiche in Delmenhorst für rund sechs Millionen Euro auf einer Länge von 1,6 Kilometer sanieren. Der Start der Arbeiten ist für das kommende Jahr geplant. 2024 oder 2025 sollen sie abgeschlossen sein.

Hochwasserschutzkonzept für den Klosterbach in Arbeit

Darüber hinaus stellt der Verband derzeit zusammen mit den Anrainerkommunen ein Hochwasserschutzkonzept für den Klosterbach auf. Darin werde das Gewässer von der Quelle in Neuenkirchen-Cantrup bis zur Mündung in die Ochtum betrachte. „Neben dem Hochwasserschutz stehen hier auch die Folgen des Klimawandels im Fokus“, verdeutlicht Stöver. Es würden unter anderem Möglichkeiten gesucht, um Niederschlagswasser nicht abzuleiten, sondern es „zwischenzulagern“ und bei Trockenheit zur Beregnung zu nutzen.

Zwei kleinere Maßnahmen will der Verband schon im kommenden Frühjahr realisieren. Am Pulternwehr soll ein für Fische unüberwindbarer etwa eineinhalb Meter hoher Sohlabsturz abgebaut werden. Dazu wird der Dünsener Bach auf einer Länge von rund 100 Metern zukünftig sanft ansteigen. In Harpstedt im Bereich der Delme plant der Verband schließlich noch den Bau mehrerer Ockerfänge. „In der Delme ist der Anteil an Eisenocker zu hoch. Das kann zu einer Belastung der Fischfauna führen“, erklärt Stöver. Zu erkennen sei die Eisenbelastung an der braunen Verfärbung. In den vorgesehenen Verbreiterungen und Vertiefungen der Nebengewässer kann sich der Eisenocker zukünftig absetzen, bevor das Wasser die Delme erreicht.

Geschäftsführer Matthias Stöver (r.) und Verbandsvorsteher Heiko Stubbemann unterhalten sich über das Hochwasserschutzkonzept des Klosterbachs.

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