„PrinzHöfte 2025“ und „FreiRaum“

Was Obstbaumschnitt mit Klimaschutz zu tun hat

+
Landschaftsgärtnerin, Permakulturdesignerin, selbst Bewohnerin des „Zentrums PrinzHöfte“ und involviert in die Förderantragstellung des Vereins für ganzheitliches Lernen für die Projekte „Prinzhöfte 2025“ und „FreiRaum“: Ulrike Oemisch.

Prinzhöfte - Von Jürgen Bohlken. Für rund 500.000 Euro und mit 95-prozentiger Bezuschussung durch das Bundesumweltministerium – will der Verein für ganzheitliches Lernen dem Klimaschutz Raum und Öffentlichkeit geben, und zwar sowohl beim „Zentrum PrinzHöfte“ als auch in einem geplanten Bürger-Regio-Laden neben der Eisdiele in Harpstedt.

Zu den Zielen der Projekte „PrinzHöfte 2025“ und „FreiRaum“ gehören die Stärkung lokaler Produzenten sowie das Re- und Upcycling von Baustoffen. Die Bewilligungschancen stehen sehr gut. Unsere Zeitung hat im Gespräch mit Landschaftgärtnerin Ulrike Oemisch Näheres erfragt.

Wofür benötigt der Verein derart viel Geld?

Bei „PrinzHöfte 2025“ steckt ein deutlicher Kostenanteil im Erschaffen einer Begegnungsstätte für den Klimaschutz. Gleichwohl überwiegen in beiden Projekten die Personalkosten. Wir brauchen Zeitkapazitäten und professionelles Know-how, damit wir nicht nur Klimaschutzimpulse geben, sondern auch kontinuierliche Begleitung während des zweijährigen Förderzeitraums erreichen. Ein Team von Mitarbeitern soll mit der Eigendynamik des Projektgeschehens mitgehen – und das verfolgen, was interessiert, funktioniert und getragen werden kann.

Von wie vielen Mitarbeitern sprechen wir?

Bei „PrinzHöfte 2025“ sind fünf Personen mit unterschiedlichen Stunden-Kontingenten dabei. Das Budget umfasst 44 Wochenstunden für den Förderzeitraum.

Inklusive Personalbedarf für das geplante Klimakulturveranstaltungsprogramm?

Dafür haben wir vier externe Honorare beantragt. Hier kaufen wir sozusagen Know-how ein. Die Dauerstellen decken hingegen das ab, was wir kontinuierlich machen wollen – von der Entwicklung des „PrinzHöfte“-Geländes über Vernetzungs- und Öffentlichkeitsarbeit bis hin zum Ressourcenmanagement im Zusammenhang mit der vorgesehenen virtuellen Baustoffbörse und der Stärkung lokaler Produzenten.

Was genau soll auf dem „PrinzHöfte“-Anwesen baulich-gestalterisch passieren?

Für das Klimakulturprogramm hätten wir eigentlich gern drei Jurten als Veranstaltungsorte gehabt, weil wir damit rechnen, dass wir auch mit großen Gruppen arbeiten. Da hat aber der Projektträger Jülich nicht mitgespielt – mit der Begründung, der Anteil von Infrastrukturinvestitionen wäre im Verhältnis zu tatsächlichen Aktivierungsangeboten für Bürger zu hoch. Daher sieht der Antrag nun noch eine Jurte vor. Für das auf der gepachteten Wiese beim „PrinzHöfte“ geplante Klimakultur-Camp brauchen wir eine Komposttoilette. Um sie für eine öffentliche Nutzung genehmigt zu bekommen, muss es zusätzlich ein öffentlich zugängliches Wasserklosett geben; dafür ist in der „PrinzHöfte“-Diele die Einrichtung eines entsprechenden Raums geplant.

Über die besagte Wiese zieht derzeit der Wind ganz ordentlich rüber. Der Eigentümer gestattet uns, dass wir oben am Feldrand eine Hecke pflanzen. Er hat da mit Obstbäumen angefangen und gesagt, wir könnten gern weitermachen. Wir haben vor, den Bereich dichtzupflanzen, damit eine Windbarriere entsteht, wir aber zugleich einen essbaren Feldrand haben. Solche Dinge wollen wir nicht allein machen. Das sind Mitmachangebote.

Auch die für Interessierte kostenlosen Permakultur-Wochenenden und Workshops des Klimakulturprogramms sollen so aufgebaut sein, dass wir am Beispiel des Camp-Bedarfs Praxis-Angebote unterbreiten. Einerseits lernen so die Teilnehmer handwerklich und gärtnerisch dazu und erfahren etwas über Selbstversorgung oder Baustoffwiederverwertung; andererseits bauen und gestalten sie mit. Das wird auch während eines Workshops der Fall sein, in dem auf unserem Vereinsgelände eine Pflasterung aus Recyclingsteinen entstehen soll.

Arbeitsleistung statt „Miete“

Nun zum „FreiRaum“: In dem angestrebten Bürgerladen möchten Sie unter anderem Mietregale für lokale Produzenten zur Verfügung stellen. Sie dürfen aber keine Einnahmen erzielen?

Zumindest nicht solche, die direkt auf das Projekt zurückzuführen sind. Das eröffnet aber die Chance, den Mitmachansatz zu stärken. Also zu sagen: „Du kannst für einen Monat ein Mietregal haben. Dafür hilfst du einen Nachmittag beim geplanten Erntedankfest mit.“ Für die fünf, sechs Leute, die wir als Anbieter bereits im Boot haben, wäre es eher interessant, vielleicht einen Tag lang als Gegenleistung selbst im Laden zu stehen. Toll fänden wir es, wenn Anbieter für eine gewisse Zeit eine Mitgliedschaft in unserem Verein eingingen.

Brauchen die Mietregalnutzer keinen Gewerbeschein? Und unterliegt beispielsweise selbst eingekochte Marmelade, die ein privater Erzeuger anbietet, nicht der Lebensmittelkontrolle?

Die Lebensmittelhygiene ist ein Bereich, der im Begriff ist, sich zu öffnen. Das zeigt sich am Beispiel verpackungsloser Lebensmittelläden. Klar ist: Nahrungsmittel, die in den Verkauf gelangen, müssen in einer abgenommenen Küche hergestellt worden sein. Das Produkt zu verschenken und dafür eine Spende zu bekommen, wäre eine Option. Wir müssen uns hier noch im Detail mit der Rechtslage beschäftigen. Ein wirklich relativ großer Aufwand. Auch mit der Frage, in welchen Fällen ein Gewerbeschein erforderlich ist, werden wir uns näher befassen müssen. Da sich der „FreiRaum“ als Umschlagplatz für lokale Produkte versteht, aber voraussichtlich selbst keine Einnahmen erzielt, bewegen wir uns in einem Grenzbereich, der für uns im Moment noch schwer einzuschätzen ist.“

Welcher der beiden Förderanträge ist ihnen wichtiger?

Ich halte den „PrinzHöfte“-Antrag für den besseren – und für den entscheidenden, was die Gestaltung des ländlichen Raum im Interesse des Klimaschutzes angeht. Keine Frage: Der „FreiRaum“ ist ein toller Antrag im Sinne der Transition-Town-Idee, wonach sich kleine Orte, Gemeinden oder Bürgerinitiativen zusammentun, um ihren eigenen „Organismus“ weiterzuentwickeln. Aber so etwas ist wiederholbar. Es kann viele solcher kleinen Orte, Repair-Cafés und dergleichen geben – viele Initiativen, eine Bürgerschaft zu aktivieren. Das ist in meinen Augen nicht so etwas Außergewöhnliches wie einen Praxis-Lernort wie das „PrinzHöfte“ voranzubringen und zu öffnen.

Wo findet sich der Klimaschutzaspekt im „PrinzHöfte“-Antrag wieder?

Nicht das einzige, aber schon ein sehr großes Thema, ein Oberthema, ist Ernährung – und in diesem Zusammenhang das Anliegen, ein Stück weit zu Regionalwirtschaft und Selbstversorgerkultur zurückzukommen. Auch durch das Aufzeigen, wie der eigene heimische Garten besser genutzt werden kann. So gesehen, hat selbst Obstbaumschnitt mit Klimaschutz zu tun: Wenn ich weiß, wie ich meinen Apfelbaum beschneiden muss, damit sich der Ertrag steigert, habe ich eine größere Ernte. Und wenn ich dann zusätzlich beispielsweise das Pflücken und lokale Verarbeiten zu Saft organisiere, spart das Food-Miles. Dann macht auch das Gärtnern mehr Spaß. Das ist durchaus etwas, was die Leute interessiert.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Macht Müsli wirklich schlank? Die größten Diät-Lügen

Macht Müsli wirklich schlank? Die größten Diät-Lügen

Taifun "Hato" hinterlässt zwölf Tote in Südchina

Taifun "Hato" hinterlässt zwölf Tote in Südchina

Vorsicht: In diesen Ländern sind die gefährlichsten Straßen

Vorsicht: In diesen Ländern sind die gefährlichsten Straßen

Von diesen zehn Dingen haben Sie viel zu viel

Von diesen zehn Dingen haben Sie viel zu viel

Meistgelesene Artikel

Fieberhafte Suche nach Sexualstraftäter in Oldenburg

Fieberhafte Suche nach Sexualstraftäter in Oldenburg

Von Zug erfasst: 56-Jähriger stirbt

Von Zug erfasst: 56-Jähriger stirbt

Holzhändler muss nicht ins Gefängnis

Holzhändler muss nicht ins Gefängnis

Bau eines Kunstrasenplatzes wird vorerst nicht realisiert

Bau eines Kunstrasenplatzes wird vorerst nicht realisiert

Kommentare