„Gibt es hier auch Friday-for-Future-Demos?“ / Gegenbesuch vom „Collège“ im Frühjahr

Oberschüler verblüffen Loués Bürgermeister

Auch der weltberühmte Klosterfelsen Mont St. Michel in der Normandie stand auf dem Ausflugsprogramm.

Harpstedt/Loué - Von Jürgen Bohlken. Ob es auch Fridays-for-Future-Demos in Loué gebe? Mit dieser Frage hatte Bürgermeister Dominique Croyeau nicht gerechnet. Leicht verlegen erwiderte er, die französische Kleinstadt liege in einer ländlich geprägten Region. Er ließ durchblicken, dass die Jugendbewegung dort noch nicht angekommen ist.

Die 14 Mädchen und fünf Jungen der Oberschule Harpstedt, die im Rahmen des Schüleraustausches in Loué weilten, verblüfften das Stadtoberhaupt während eines Empfanges im Rathaus: Sie löcherten Croyeau mit Fragen, die sie in französischer Sprache vortrugen. „Das war klasse. Sie wollten etwa wissen, was ihm an seinem Beruf Spaß macht und wie er über den Austausch denkt“, erzählt Französischlehrerin i.R. Ingrid Rathje. Sie begleitete die Harpstedter Gruppe zusammen mit Ute Traiser, die nun – als ihre Nachfolgerin – Französisch an der Oberschule Harpstedt unterrichtet.

Die strapaziöse Bus-Anreise nach Loué, die vor allem wegen eines langen Staus und des dichten Pariser Berufsverkehrs 17 Stunden dauerte, erwies sich nicht als schlechtes Omen, ganz im Gegenteil. „Dieser Austausch war komplett harmonisch. Es gab keinerlei Probleme. Die Gastfamilien sind besonders nett gewesen und haben sich unheimlich angestrengt, uns viel zu bieten. Vier oder fünf von ihnen sind am Wochenende sogar mit Schülern aus unserer Gruppe privat nach Paris gefahren, teils mit Übernachtung. Das Wetter spielte viel besser mit, als die Vorhersagen befürchten ließen. Es regnete weder bei den Ausflügen noch während des abschließenden Grillabends in Brûlon. Und zurück nach Harpstedt sind wir so schnell wie noch nie gekommen – in nur zwölf Stunden“, erinnert sich Ingrid Rathje.

Sehr rasch hätten sich die Oberschüler und die Jugendlichen des Collège St. Michel angenähert und in Cliquen durchmischt; das sei in der Vergangenheit nicht immer so gewesen, weiß Rathje. „Diesmal passten die Gruppen perfekt zueinander.“

Diese Festung hatte es den Jugendlichen während ihres Aufenthaltes in St. Malo angetan. Die Felsen an den Mauern wollten sogleich erklommen werden. Fotos: Rathje

Die deutschen Jugendlichen aus den Jahrgangsstufen sieben bis zehn nahmen nicht nur stundenweise am Unterricht im Collège teil, sondern erlebten zudem einen Schultag von 9 bis 17 Uhr komplett mit. „Ganz schön anstrengend“ – so oder ähnlich äußerten sie sich hinterher. Dass es an der katholischen Louéser Privatschule weniger locker zugeht als an „ihrer“ Oberschule, blieb ihnen nicht verborgen. Gleichwohl habe keiner der Jugendlichen aus der Samtgemeinde Harpstedt das Unterrichtsklima als fürchterlich empfunden, betont Ingrid Rathje. In die Zeit der deutsch-französischen Begegnung fiel – am Sonntag – ein Jubiläum: Das von Richard Lajoinie geleitete Collège blickte auf sein 90-jähriges Bestehen. „Ehemalige konnten sich in den alten Klassen fotografieren lassen. Eine Ausstellung widmete sich dem früheren Schulleben. Deutschlehrerin i.R. Sylvie Térouanne präsentierte ein Modell eines 90 Jahre alten Klassenzimmers. Sie hatte da unheimlich viel Arbeit reingestreckt. Das Ergebnis ist toll geworden“, schwärmt Ingrid Rathje. Der Freitag stand im Zeichen eines langen Ausfluges: Nach einer Besichtigung des weltberühmten Klosterfelsens Mont St. Michel in der Normandie ging es weiter in die Bretagne – in die reizvolle Hafenstadt St. Malo. Wiederum zusammen mit den französischen Schülern besuchte die Harpstedter Gruppe direkt nach dem Wochenende zusätzlich Le Mans. Dort ließen Bowling-Vergnügen, Altstadtrallye und Gelegenheit zum Shoppen keine Langeweile aufkommen.

Viel Arbeit hat Sylvie Térouanne in dieses Modell gesteckt, das ein 90 Jahre altes Klassenzimmer darstellt.

Für die Kommunikation bemühten die Schüler auch Hände und Füße. Das Vorurteil, Franzosen neigten dazu, sich ausschließlich in ihrer Muttersprache zu unterhalten, bewahrheitete sich indes nicht. Es habe auf Louéser Seite viele Kinder und Eltern gegeben, die in Gesprächen mit den Gästen ihre Deutschkenntnisse anwandten, so Rathje.

Ihrer Kollegin Ute Traiser, die erstmals in Harpstedts Partnergemeinde weilte, sagten die Tage in Loúe sowie die Kleinstadt an der Vègre selbst ausgesprochen zu. „Und auch wir beide sind bestens miteinander ausgekommen“, sagt Ingrid Rathje. Die Ruheständlerin fährt künftig gern wieder mit nach Loué, wenn sie als zweite Betreuerin benötigt wird.

Zunächst kommen nun allerdings erst einmal die Schüler des Collège nach Harpstedt. Der Gegenbesuch währt vom 28. April bis 5. Mai kommenden Jahres. Der Abschied dürfte am Ende der Begegnung ähnlich herzzerreißend und tränenreich ausfallen wie jüngst in Loué – am Vorabend des Tags der Deutschen Einheit.

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