Relative Zeit und ein schöpferischer Geist

Oase für „Stundentaktgeplagte“ - der Rolandshof

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Doppelhobelbänke stehen für Workshops zur Verfügung. 

Kellinghausen - Von Juergen Bohlken. „Kunst braucht Raum, Zeit und Inspiration, wenn sich Kreativität und Wohlbefinden entfalten sollen“, weiß Roland Maier Holzknecht. 

In Kellinghausen hat sich der Kunsterzieher, Maler und Bildhauer mit doppelter Staatsbürgerschaft auf einer ehemaligen Hofstelle ein annähernd perfektes Ambiente geschaffen, damit „die schöne Form und der harmonische Klang von Farben“ wie „eine Blume wachsen“ können. Die Zeit, so der erste Eindruck, wird hier „relativ“ - zur Nebensache. Ein ideales Umfeld für „Stundentaktgeplagte“, die einfach mal raus aus der Tretmühle des Alltags müssen und bei schöpferischem Tun Kraft tanken wollen. 

Kunst als seelischer Ausheilungsprozess wider die Entfremdung von der Arbeit - nur eine schöne Illusion? „Mitnichten“, sagt Roland Maier Holzknecht. „Wer einmal den Flow handwerklich-künstlerischer Abläufe kennengelernt hat, der weiß, wie viel positive Energie dadurch freigesetzt werden kann“, spricht der Kosmopolit mit Wurzeln in der Hölderlin-Stadt Nürtingen aus Erfahrung. Er versteht sich auch als Kunsttherapeut. „Ein in seiner Mitte und Ausgeglichenheit lebender Mensch ist gesund. Doch gerade in der heutigen Zeit ist diese Ausgeglichenheit allzu schnell gestört und die Mitte in einer bedrohlicher werdenden Umwelt gefährdet“, sagt er. In der Kunsttherapie sieht er eine Möglichkeit, „über den Weg der Wahrnehmung die Gesundung - über verschiedene Etappen hinweg - wiederherzustellen.“

Fährt beruflich mehrgleisig und hat die doppelte Staatsbürgerschaft: Roland Maier Holzknecht. 

Neben der Schweiz als Arbeits- und Lebensmittelpunkt hat der Vater einer begabten Violinistin und eines populären Jazztrompeters in Kellinghausen in der Gemeinde Winkelsett eine Oase erschaffen, die selbst- statt fremdbestimmtes Arbeiten gestattet. Immer mal wieder avanciert der Rolandshof zu einer „Location“ für Symposien mit zuweilen international besetztem Teilnehmerfeld, aber auch für Seminare, Musikworkshops, Ausstellungen oder „Open-Air“-Festivals und Künstlerfeste in einem kleineren Rahmen. Die räumlichen Voraussetzungen könnten besser kaum sein. Zum Rolandshof gehören eine große Halle mit sechs Doppelhobelbänken für die bildnerische und praktische Holzarbeit, außerdem ein Modellier- und Töpferraum, ferner - für Gäste - ein Einzel-, zwei Zweier- und ein Viererzimmer, ein Matratzenlager für maximal zwölf Personen, Toiletten mit Dusche, Gemeinschaftsküche, Musikzimmer und Malatelier. Schmiede und Holzwerkstätte seien im Aufbau begriffen, Galerie und Steinhauerwerkstätte „in Planung“, verrät der Hausherr.

Auch im kommenden Frühjahr, Sommer und Herbst wird der Rolandshof Schauplatz von Veranstaltungen sein: Eine „Lichtkreis“-Gesprächsrunde für aufgeschlossene Zeitgenossen mit Interesse an spiritueller (Persönlichkeits-)Entwicklung währt vom 30. Mai bis zum 2. Juni. Ein Vater-Sohn-/Mutter-Tochter-Werken folgt vom 15. bis zum 19. Juli. Und ein am 30. September beginnender Bildhauerkurs endet am 4. Oktober. Teilnahmeinteressierte können Details dazu via E-Mail an die Adresse r.maier@skulptur-graphik.ch erfragen.

Schauplatz von Symposien, Workshops und kleinen Künstlerfesten: der Rolandshof in Kellinghausen. 

Der Kunstpädagoge und Künstler begann seine berufliche Laufbahn 1973 ganz bodenständig - mit einer Schreinerlehre in Wendlingen am Neckar in Baden-Württemberg. Nach Erfahrungen in der Heilpädagogik verschlug es ihn 1978 in den Norden der Republik: In Ottersberg studierte er Kunst, Kunstpädagogik und -therapie. Zu den Eidgenossen kam er wie die redensartliche Jungfrau zum Kind. Er hat in der Schweiz unter anderem als Kunst- und Werklehrer an Rudolf-Steiner-Schulen unterrichtet und in einem Erziehungsheim mit straffällig gewordenen Jugendlichen gearbeitet. Ein ausführliches Porträt veröffentlichte unsere Zeitung im April vergangenen Jahres unter dem Titel „Künstler, Kunsterzieher und Kosmopolit“. Der Bericht ist nach wie vor online gestellt.

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