Trio „Pink Parte“ im „Liberty’s“  gefeiert

Nichts „zusammengeschustert“, alles aus einem Guss

Auch bei ihrem zweiten Konzert in Harpstedt gefeiert: Judith Retzklik, Maria Schuster und Romain Vicente (v.l.). - Foto: Bohlken

Harpstedt - „Was habt ihr Harpstedter eigentlich mit Amerika zu tun?“, fragt „Pink Parte“-Frontfrau Maria Schuster im rappelvollen „Liberty’s“. Nachdem das Publikum sie über Klein Amerika und die Länge der Ozeanbrücke aufgeklärt hat, erwiderte sie schnippisch: „175 Meter? Ich wusste gar nicht, in was für einem Wahnsinnsgebiet wir hier auftreten!“

Amerika, der Melting Pot, der Schmelztiegel, passt irgendwie zu „Pink Parte“, denn das Trio zelebriert und lebt auf der Bühne Weltoffenheit. Portugiesische und alte rumänische Volksweisen, modern arrangiert, harmonieren wunderbar mit französischem Chanson, deutschem Pop und einer Prise Liedermacher-Liedgut.

Nichts von dem, was Maria Schuster (Gesang, Bass, Gitarre), Judith Retzlik (Gesang, Violine, Trompete, Akkordeon, Xylophon) und Romain Vicente (Gesang, Gitarre, Bass, Percussion) spielen, lässt sich vorhersehen. Nichts mutet „zusammengeschustert“ an; alles überrascht und wirkt dabei gleichwohl wie aus einem Guss.

Multikulti ist keine Einbahnstraße, erst recht keine Sackgasse, sondern eine Chance auf kulturelle Bereicherung – diese Botschaft schwingt, ob gewollt oder ungewollt, immer mit.

Spielfreude geht bei „Pink Parte“ einher mit Spontaneität. Besonders Front- und Powerfrau Maria Schuster provoziert mit Vorliebe Lacher. Etwa, als sie einen Track ankündigt, der von Nutten handele, die „ernstgenommen werden wollen“, und fast beiläufig fragt: „Habt ihr welche in Harpstedt? Zuhörern mit schmutziger Phantasie mag in diesem Moment eine Ahnung überfallen, wofür wohl das „F“ im Titel der „Pink Parte“-Debut-EP „F ist die Lösung!“ stehen könnte, aber das bleibt unausgesprochen. Fünf Songs sind drauf.

Kultur am Donnerstag mit „Pele Caster“

„Eigentlich würden wir jedem von euch gern eine CD schenken. Aber dann müssten wir ja noch mehr kellnern“, flachst Schuster während des zweiten Gastspiels des Trios in Harpstedt, das von der Liedauswahl dem Konzertdebüt im „Liberty’s“ vom März schon ähnelt. Balladesk, temperamentvoll, folkloristisch, modern – der „Schmelztiegel“ leistet ganze Arbeit; heraus kommt kein ungenießbarer Brei, sondern ein raffiniertes Mehr-Gänge-Menü voller geheimnisvoller Aromen – mit einer „Mitmachnummer“ im Zugabeteil: Bei „Am Meer“ lässt sich das Publikum gern dazu animieren, Wellen und Möwen akustisch nachzuempfinden.

Posts auf „facebook“ offenbaren hinterher pure Begeisterung. „Ein toller Abend mit ,Pink Parte’. Wer nicht da war, hat wieder mal was verpasst“, schreibt Fotografin Anja Prade – in Kombination mit vielen auf ihre Seite gestellten Foto-Impressionen. Die Internationalität des Berliner Trios und ihr viersprachiges Songrepertoire erklären sich mit den Lebensläufen der Mitglieder. Maria Schuster, auch Schauspielerin und Musicaldarstellerin, wuchs als Siebenbürgen-Deutsche in Rumänien auf. Judith Retzklik zog es für fünf Jahre nach Portugal, und Romain Vicente stammt aus der Umgebung von Bordeaux.

Eine Fortsetzung findet die Reihe „Kultur am Donnerstag“ am 1. September, 20 Uhr, im „Liberty’s“ mit einem Hutkonzert von „Pele Caster“ aus Dortmund: Stefan „Pele“ Götzer ist dem einen oder anderen Indie-Liebhaber vielleicht noch als Sänger und Gitarrist der Gruppe „Astra Kid“ bekannt. Die Ruhrpott-Rockformation gründete sich 1996 in Datteln. Das Trio tourte mit „Wir sind Helden“, rockte als Vorband von „Stereophonics“ und landete sogar bei einem Major-Label. Der große Durchbruch blieb der Combo allerdings versagt. 2005 löste sie sich auf. Seit 2006 zupft „Pele“ den Bass in der Kölner Band „Klee“. Die wiederum nahm den „Astra Kid“-Song „Unsinkbar“ in der nachfolgenden Tour in ihr Live-Programm auf. „Peles“ zweites musikalisches Standbein, das Projekt „Pele Caster“, spielt auf der Bühne ebenfalls „Astra Kid“-Songs. 

boh

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