Neuntklässler der Oberschule Harpstedt bekommen Medienkompetenz vermittelt

Aufklärung wider Mobbing und für Privatsphärenschutz

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Anschaulich zeigte Michael Zeisberger (r.) den Neuntklässlern die in den sozialen Medien lauernden Gefahren auf. Er leitet das Projekt „Erlebe IT“, für das Astrid Grotelüschen (2.v.l.) in ihrem Wahlkreis die Schirmherrschaft übernommen hat.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Sie twittert nicht, nutzt aber inzwischen WhatsApp und facebook. Mails per Smartphone lesen, Bilder und Nachrichten verschicken – Astrid Grotelüschen schätzt die sozialen Netzwerke, die für sie als Mutter dreier Söhne auch privat „ein großes Thema“ seien. „Man darf nicht nur den Nutzen sehen, sondern muss sich ebenso mit den Gefahren beschäftigen“, weiß die CDU-Bundestagsabgeordnete. In ihrem Wahlkreis hat sie die Schirmherrschaft für das Medienkompetenz-Projekt „Erlebe IT“ übernommen, das heute, Donnerstag, die Neuntklässler der Oberschule Harpstedt durchlaufen haben.

Wie schütze ich in den sozizialen Netzwerken meine Privatsphäre? Welche Bilder darf ich posten, ohne das Urheberrecht zu verletzen? Was kann ich tun gegen Online-Mobbing? Antworten auf solche und weitere Fragen gab Dozent Michael Zeisberger vom Bundesverband Informationswirtschaft, Medienkompetenz, Telekommunikation und neue Medien (Bitkom). Am Abend leitet er eine Informationsveranstaltung für Eltern zum Thema „Was macht mein Kind im Internet?“. Der diplomierte Ingenieur für Nachrichtentechnik leitet das Projekt „Erlebe IT“, das insgesamt 120 Bundestagsabgeordnete unterstützen.

In der R9b von Eike Harrisch hörte Astrid Grotelü-schen aufmerksam zu. Gegen Ende des Workshops, der sich über zwei Schulstunden erstreckte, verriet sie, zwölf ganz unterschiedlich geartete Schulen hätten sich in ihrem Wahlkreis für die Medienkompetenzschulung beworben. Das lasse schon einen echten Bedarf erkennen. Harpstedt sei bei der Bewerbung schnell gewesen und profitiere daher nun schon „in der ersten Phase“ von dem Projekt. „Ich hoffe, dass ihr etwas aus dem Workshop mitnehmt“, sagte Grotelüschen zu den Schülern der R9b, die den Dozenten mit Beifall verabschiedeten. Zeisinger war sehr praxisnah auf die lauernden Gefahren eingegangen. Wer etwa bei WhatsApp die Standardeinstellung beibehalte, sei nicht davor geschützt, dass „jeder, der eure Mobilnummer kennt, die Nachrichten lesen kann, die ihr verschickt“. Bei facebook gebe es sehr differenzierte Einstellungsoptionen. „Geht auf klicksafe.de!“, riet der Dozent. Es ist wirklich sinnvoll, sich mal einen Nachmittag lang mit dem Schutz der Privatsphäre zu beschäftigen, um nicht ausspioniert zu werden.“

Lehrer Eike Harnisch sah indes auch bei Erwachsenen Aufklärungsbedarf. Die Leute, die beispielsweise in der aktuellen Flüchtlingsdiskussion Hassbotschaften posteten, wüssten offenbar gar nicht, „wie viele Straftaten“ sie damit begingen. Oberschulleiterin Etta Mörking begrüßte das Projekt ausdrücklich, zumal heute „jedes Kind“ ein Smartphone habe, ohne die Gefahren zu kennen – so auch das Risiko, in Unkenntnis der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) in Vertragsfallen zu stolpern. „Der sinnvolle Umgang mit unterschiedlichen Medien muss wie das Einmaleins erlernt und geübt werden“, findet Astrid Grotelüschen. Sie sei gern Schirmherrin für „Erlebe IT“ geworden. „Ein zukunftsorientiertes Engagement für Schulen in unseren digitalen Zeiten gehört für mich einfach dazu.“

Jugendlichen Medienkompetenz zu vermitteln, ist ein Erfordernis, das sich schon aus der immer stärkeren Nutzung der sozialen Netzwerke ergibt. 2014 waren etwa 94 Prozent (!) der bis zehnjährigen Kinder im Internet unterwegs, und den webbasierten Nachrichtendienst WhatsApp nutzten 76 Prozent der bis Zwölfjährigen. Das ergab eine Studie des Bundesverbandes Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien, in dessen Trägerschaft das Projekt „Erlebe IT“ läuft. Bislang gab es im Rahmen dieser Initiative mehr als 600 Veranstaltungen mit etwa 20000 Schülern. 11000 Unterrichtspakete bekamen weiterführende Schulen zur Verfügung gestellt. Und das sogar gratis. „Alle Angebote sind für die Schulen kostenfrei“, betont die Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen

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