Neue Gleichstellungsbeauftragte: Nicole Lehmkuhl

Ein bisschen sieht sie sich als Kummerkasten

Involviert in Aktionen am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen ist nun auch Nicole Lehmkuhl. Dazu gehört eine Filmvorführung im LiLi-Servicekino.
+
Involviert in Aktionen am Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen ist nun auch Nicole Lehmkuhl. Dazu gehört eine Filmvorführung im LiLi-Servicekino.

Harpstedt – Beim Verlassen der Lokalredaktion in Wildeshausen huscht Nicole Lehmkuhl ein Schmunzeln über die Lippen. „Der Letzte macht das Licht aus“ steht auf einem Zettel geschrieben, der an der Tür des Besprechungszimmers prangt. Die Sprache ist männlich. Dieser Gedanke scheint der neuen Gleichstellungsbeauftragten der Samtgemeinde Harpstedt auf der Stirn geschrieben zu stehen, hatte sie doch nur Minuten kurz zuvor kundgetan, dass sie sich durchaus um die Verwendung geschlechtsneutraler Formulierungen bemühe, ohne es mit dem Gendern zu übertreiben.

Die 46-Jährige lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern, elf und 14 Jahre alt, in Wildeshausen. Aufgewachsen aber ist sie in Twistringen; ihr Abi machte sie in Vechta. „Ich habe die volle schwarze Breitseite abbekommen“, erzählt die gelernte Sparkassenkauffrau und lacht. Mit dem dogmatischen Geschlechterbild des Katholizismus kann sie sich zwar so gar nicht anfreunden; der Kirche hat sie aber gleichwohl nicht den Rücken gekehrt.

Ihr Mann stammt aus Winkelsett

Die Samtgemeinde Harpstedt ist ihr schon allein deshalb nicht fremd, weil ihr Mann Thomas aus Winkelsett stammt. Selbstorganisiertes Arbeiten gehört zu ihrem Alltag. Als Beschäftigte der Sparkasse Bremen kümmert sie sich in Teilzeit darum, „dass die Mitarbeitenden sich mit den digitalen Medien auseinandersetzen und sie entsprechend für sich nutzen“. Das kann ihr womöglich in ihrem Bemühen um die Gleichberechtigung der Geschlechter selbst von Nutzen sein. Ob und in welchem Maße sie in diesem Ehrenamt von sozialen Netzwerken Gebrauch macht, hat sie noch nicht entschieden. Darüber möchte sie zunächst mit dem neuen Samtgemeindebürgermeister Yves Nagel sprechen.

Besonders liegt der Gleichstellungsbeauftragten aktuell daran, auf sich aufmerksam zu machen, damit die Öffentlichkeit mitkriegt, dass mit ihr als Nachfolgerin von Martina Wöbse eine neue Ansprechpartnerin im Amt ist. Im Samtgemeinderat hat sie sich jüngst vorgestellt.

Aktionen zum Tag gegen Gewalt an Frauen

Eine gute Gelegenheit, mit ihr ins Gespräch zu kommen, gibt es am 25. November beim „Netto“-Markt in Harpstedt. Anlässlich des „Internationalen Tags gegen Gewalt an Frauen“ verteilt Nicole Lehmkuhl ab 8.30 Uhr 100 Brötchentüten, gefüllt mit Trillerpfeifen als Schlüsselanhänger, an Passanten. „Da steht ein zum Anlass passender Slogan drauf, der da lautet: ,Gewalt kommt mir nicht in die Tüte!’. Organisiert hat die Aktion die Gemeinschaft der Präventionsräte im Nordwesten, das Netzwerk ,PrimA’. Wir als Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Oldenburg haben uns eingeklinkt. Präsenz zeigen wollen wir zusätzlich am selben Tag in einer Vorstellung im Lili-Servicekino in Wildeshausen. Dort wird um 20 Uhr ,Niemals Selten Manchmal Immer’ gezeigt, ein mit dem Silbernen Bären ausgezeichneter Film von Eliza Hittmann. Darin geht es um die 17-jährige Autumn, die ungewollt schwanger wird und nach New York reist, um eine Abtreibung vornehmen zu lassen. Körperliche Gewalt ist nicht das Thema, wohl aber seelische, weil die Schwangere keine Unterstützung in ihrer Lage bekommt. Alle wollen nur, dass sie abtreibt“, erläutert Nicole Lehmkuhl.

Wir haben neun kommunale Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis. Nur noch in Hude und Harpstedt liegt das Bemühen um die Verwirklichung der Gleichberechtigung in ehrenamtlichen Händen.“

Nicole Lehmkuhl

Auf ihrem weiter in die Zukunft gerichteten Terminplan steht der nächste Internationale Frauentag am 8. März kommenden Jahres mit einer Gästeführung durch Worpswede und Bremen („Frauenkulturtour“) auf den Spuren von Paula Modersohn-Becker – in Kooperation mit der „regioVHS“. Anmelden kann sich frau dafür aber erst ab dem 17. Januar unter Telefon 04222/44 4 44.

Schon jetzt ahnt Nicole Lehmkuhl, „dass es schwierig werden wird, die Aufgaben der Gleichstellungsbeauftragten ehrenamtlich wahrzunehmen“. Sie hält gar nichts davon, sich halbherzig zu kümmern. „Wir haben neun kommunale Gleichstellungsbeauftragte im Landkreis Oldenburg. Nur noch in Hude und Harpstedt liegt das Bemühen um die Verwirklichung der Gleichberechtigung in ehrenamtlichen Händen“, gibt die 46-Jährige zu bedenken. Sogar Dötlingen mit deutlich weniger Einwohnern als in der Samtgemeinde beschäftige eine hauptamtliche Teilzeitkraft.

Donnerstags Sprechstunde im Amtshof


Mit einer halben Stelle ließe sich der aus dem Rat geäußerte Wunsch, sie möge neben ihren anderen Aufgaben auch die Sitzungen des Sozialausschusses besuchen, gewiss besser vereinbaren, sagt Nicole Lehmkuhl. Auch aus dem Schulausschuss könnte sie nach eigener Einschätzung bestimmt manche Anregung ziehen.

Um welches Thema sich ihr erstes Beratungsgespräch gedreht habe? „Zwischenmenschliche Probleme“, erwidert die Wildeshauserin. Auf Nachfrage gibt sie etwas mehr preis: „Die Frau, die sich an mich gewandt hat, erzählte von einem männlichen Kollegen, der sich unkollegial verhalte und den Standpunkt vertrete, ihm stehe als Mann eine bessere Position als ihr zu.“ Ein persönliches Gespräch zwischen beiden habe den Konflikt nicht beilegen können. Nicole Lehmkuhl empfahl der Frau, sich an höherer Stelle zu beschweren. Ob das inzwischen passiert ist, will sie in Kürze erfragen: „Wir stehen in Kontakt.“

Eine Sprechzeit im Amtshof hat die Gleichstellungsbeauftragte bereits festgezurrt. Donnerstags ist sie von 16.30 Uhr bis 17.30 Uhr in Zimmer 11 oder nach Vereinbarung unter Tel.: 04244/8211 (mobil: 0157/52 45 57 28, Mail: gleichstellungsbeauftragte@harpstedt.de) erreichbar. Solange die vierte Coronawelle andauere, würden wohl viele Beratungsgespräche am Telefon geführt. Nicht jedes Problem kann Lehmkuhl, die sich selbst ein bisschen in der Rolle des „Kummerkastens“ sieht, selbst lösen. Zu ihren Aufgaben gehört es daher, gegebenenfalls an andere Stellen zu verweisen, die weiterhelfen.

Mit welchen Anliegen sie schwerpunktmäßig konfrontiert wird, vermag die 46-Jährige nach so kurzer Zeit im Amt noch nicht einzuschätzen. Von Nöten nach Trennung und Scheidung über Schwierigkeiten, Beruf und Familie zu vereinbaren, und Benachteiligungen am Arbeitsplatz bis hin zu Mobbing, Stalking und Gewalt an Frauen reicht das Spektrum der Probleme, die ihren Amtskolleginnen nur allzu vertraut sind.

Auf der Website der Samtgemeinde bin ich dann auf die Ausschreibung der Gleichstellungsbeauftragten-Stelle aufmerksam geworden. ,Oh, cool’, dachte ich. Das Thema interessiert mich nämlich schon seit Langem, und die Aufgabe fand ich auf Anhieb spannend.

Nicole Lehmkuhl

Bei verwaltungsinternen Personalentscheidungen ist Nicole Lehmkuhl schon wiederholt gehört worden. Sie habe durchaus das Gefühl, ernstgenommen zu werden. „Für Neueinstellungen im Kindergartenbereich laufen im Moment relativ viele Bewerbungsgespräche. Wann immer ich es zeitlich einrichten kann, nehme ich daran selbstverständlich teil. Ich schaue mir auch jede Bewerbung an“, betont die Wildeshauserin.

Ihr Interesse für die Stelle bei der Samtgemeinde war durch Zufall geweckt worden. „Eigentlich hatte ich im Sommer darauf gehofft, durch einen Blick auf die Website harpstedt.de in Erfahrung bringen zu können, ob ich noch ins Freibad reinkomme oder nicht. Coronabedingt war die Zahl der Besucher damals auf 200 begrenzt. Der Homepage von Ganderkesee ließ sich fortlaufend in Echtzeit entnehmen, wie viele Leute noch ins Bad eingelassen werden. Diesen Service gab es in Harpstedt leider nicht. Auf der Website der Samtgemeinde bin ich dann aber auf die Ausschreibung der Gleichstellungsbeauftragten-Stelle aufmerksam geworden. ,Oh, cool’, dachte ich. Das Thema interessiert mich nämlich schon seit Langem, und die Aufgabe fand ich auf Anhieb spannend“, entsinnt sich die 46-Jährige. Sie bewarb sich, wurde durch den Rat berufen und letztlich eingestellt.

Es ist leider immer noch oft so, dass Mann und Frau nicht gleichberechtigt miteinander kommunizieren.“

Nicole Lehmkuhl

Auch in der freien Wirtschaft müsste die Gleichstellungsbeauftragte nach ihrer Ansicht der Regelfall sein, um der Benachteiligung der Arbeitnehmerinnen entgegenzuwirken. Dass Frauen für die gleiche Arbeit nach wie vor häufig schlechter bezahlt werden, sei nur eins von diversen Problemfeldern; ein anderes, so Lehmkuhl: „Es ist leider immer noch oft so, dass Mann und Frau nicht gleichberechtigt miteinander kommunizieren.“

Eine ihrer Aufgaben sieht Nicole Lehmkuhl darin, den redensartlichen Finger in die Wunde zu legen und geschlechtsbedingte Benachteiligungen publik zu machen.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Schwerer Unfall auf der A 1: Lange Staus

Schwerer Unfall auf der A 1: Lange Staus

Schwerer Unfall auf der A 1: Lange Staus
Silvester: Viele Böller kommen aus dem Lager

Silvester: Viele Böller kommen aus dem Lager

Silvester: Viele Böller kommen aus dem Lager
Unfall auf A1: Laster fährt auf Stauende auf - Autobahn gesperrt

Unfall auf A1: Laster fährt auf Stauende auf - Autobahn gesperrt

Unfall auf A1: Laster fährt auf Stauende auf - Autobahn gesperrt
Zusammenstoß mit einem Rettungswagen

Zusammenstoß mit einem Rettungswagen

Zusammenstoß mit einem Rettungswagen

Kommentare