Feuerschutzausschuss billigt Haushaltsansatz

Neue Einsatzbekleidung kommt wohl peu à peu

Ausschussmitglied Götz Rohde (Mitte) testete selbst den Tragekomfort der vergleichsweise leichten sandfarbenen Überjacke. Hinter ihm Gemeindebrandmeister Günter Wachendorf (r.) und dessen Stellvertreter Frank Bollhorst in den hinlänglich bekannten dunklen Jacken. - Foto: Bohlken

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Die „Bedarfsliste“ der Samtgemeindefeuerwehr für die kommenden Jahre hat es in sich. Zwei neue Löschgruppenfahrzeuge für Beckeln sowie Kirch- und Klosterseelte stehen drauf. Ebenso die Linderung der Raumnot, die den Colnrader Brandschützern zu schaffen macht; hier geht die „Reise“ offenkundig in Richtung Neubau.

Die Kameraden selbst haben ihre Wünsche am Montagabend mit geballter Präsenz im rappelvollen Hotel „Zur Wasserburg“ unterstrichen. Dort tagte der Feuerschutzausschuss. Der allerdings bremste einige Erwartungen durchaus. So sieht es im Moment nicht danach aus, als würde die Samtgemeinde die komplette Einsatzkleidung für die 320 aktiven Feuerwehrkameraden auf einen Schlag erneuern, zumal sie dann Kosten von gut 250.000 Euro schultern müsste. Genau das aber hatte Gemeindebrandmeister Günter Wachendorf am 18. Oktober beantragt.

Nach dem mehrheitlichen Willen des Feuerschutzausschusses sollen aber für eine schrittweise Erneuerung der Bekleidung immerhin 36 900 Euro mehr als im Vorjahr in den Haushalt (für 2018) eingestellt werden. Ein entsprechender Antrag von Götz Rohde (Grüne) ging mit sechs Ja- bei zwei Nein-Stimmen und drei Enthaltungen durch.

Die Feuerwehrführungskräfte Günter Wachendorf, Frank Bollhorst und Carsten Lüllmann erläuterten die Vorzüge jener Einsatzbekleidung, die ein feuerwehrinterner Arbeitskreises gern beschafft hätte. Die favorisierten Überjacken und -hosen böten mehr Tragekomfort; sie sind leichter, obendrein atmungsaktiver und hitzebeständiger. Die Farbwahl schlägt sich im Preis in keiner Weise nieder. Unter anderem wegen der besseren Wahrnehmbarkeit wünscht die Feuerwehr eine sandfarbene Variante. Pro Kamerad schlüge ein Satz Einsatzbekleidung, bestehend aus Arbeitsjacke, Latzhose, Überjacke und Überhose, mit 808 Euro zu Buche.

„Kein gutes Zusammenspiel“

Überrascht von dem Antrag auf Erneuerung der Einsatzbekleidung zeigte sich Stefan Pleus (CDU). Er hätte sich im Vorfeld „mehr Abstimmung“ gewünscht. Die von der Verwaltung vorgelegte Beschlussempfehlung lasse zudem „kein gutes Zusammenspiel“ erkennen, denn sie widerspreche ja dem Begehren der Feuerwehr. Tatsächlich wollte die Verwaltung an der bisherigen Praxis festhalten und Ersatzbeschaffungen für Überjacken und -hosen – gemäß dem Bedarf und den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln – weiterhin in schwarzblauer Farbgebung vornehmen. „Da war ich schon ein wenig verwundert, als ich das gelesen habe“, gestand Pleus. Der Feuerwehrantrag irritierte ihn genauso. Er selbst habe im Vorfeld der Sitzung von vielen Feuerwehrleuten und anderen Bürgern gesagt bekommen: „Stefan, ihr sei ja wohl nicht so verrückt und ersetzt die komplette Einsatzbekleidung in nur einem Jahr.“ Viele ältere Aktive aus der Einsatzabteilung seien, wenn es Brände zu löschen gebe, bei Innenangriffen gar nicht mehr dabei, sondern übernähmen andere Aufgaben – etwa die Verkehrssicherung. „Ob man für diese Kameraden nun auch unbedingt eine komplette neue Schutzausrüstung kaufen muss, halte ich schon für ein bisschen fragwürdig“, sagte Pleus. Dass es bei Einsatzkleidung immer wieder Innovationen gebe und eine Erneuerung beizeiten nötig sei, stellte er nicht in Abrede. „Aber“, so schränkte er ein, „diesen Blitzangriff, in einem Jahr alles zu ersetzen, finde ich etwas überzogen. Wenn das über einen längeren Zeitraum, meinetwegen über fünf Jahre, erledigt würde, könnte ich mich damit anfreunden.“

Die Abstimmung mit den Feuerwehrleuten fehle, pflichtete Klaus Budzin (SPD) bei; sie könne aber ja bis zu einer Anfang 2018 geplanten interfraktionellen Sitzung nachgeholt werden, und kurz danach wäre es dann wiederum im Feuerschutzausschuss möglich, „Nägel mit Köpfen“ zu machen. „Welche Feuerwehr als Erstes mit neuer Kleidung ausgestattet werden soll, können wir hier heute nicht entscheiden. Und das will ich auch gar nicht entscheiden“, sagte Budzin.

Kein Kamerad müsse mit kaputten Sachen rumlaufen

Dass für die Feuerwehr die Farbe der Überjacken/-hosen zweitrangig ist, bezweifelte Ordnungs- und Sozialamtsleiterin Edda Masemann. Nur mit der Farbwahl lässt sich nach ihrer Einschätzung der Wunsch nach einer Kompletterneuerung auf einen Schlag erklären. Sie glaube nicht, dass die Feuerwehr über einen längeren Zeitraum in zwei verschiedenen Farben zu Einsätzen fahren wolle. Im Übrigen würden selbstverständlich ohnehin alle Jacken und Hosen, die nicht mehr in Ordnung seien, gegen neue ausgetauscht. „Das haben wir die ganzen Jahre gemacht.“ Gewiss müsse kein Kamerad mit kaputten Sachen „rumlaufen“.

Der Kreisbrandmeister habe ihr, Masemann, zu verstehen gegeben, er könne die Art und Farbe der Einsatzkleidung natürlich nicht vorschreiben (dafür sei jede Gemeinde selbst verantwortlich). „Gleichwohl würde er es begrüßen, wenn sich alle für die gleiche Bekleidung entschieden und sich einheitlich darstellten“. Das sei im Übrigen in der Vergangenheit „immer so gewesen“, sagte Masemann.

Und vor diesem Hintergrund sei es schon ein bisschen komisch, „dass wir hier nun als Vorreiter auftreten sollen“. Denn: Keine Kreisgemeinde habe bisher die Beschaffung einer neuen sandfarbenen Bekleidung beschlossen.

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