Netzdefizite setzen Grenzen

Elke Lükermann schildert im Seniorenbeirat erste Erfahrungen mit der Telepflege

Im Beisein der Einrichtungsleiterin des DRK-Seniorenzentrums Harpstedt, Hellen Müller (r.), überreichte der Seniorenbeiratsvorsitzende Heinfried Sander am Montagnachmittag ein Weinpräsent an Referentin Elke Lükermann. - Foto: Bohlken
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Im Beisein der Einrichtungsleiterin des DRK-Seniorenzentrums Harpstedt, Hellen Müller (r.), überreichte der Seniorenbeiratsvorsitzende Heinfried Sander am Montagnachmittag ein Weinpräsent an Referentin Elke Lükermann.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Sieht sich eine Altenpflegehelferin im ambulanten Einsatz bei einem Patienten mit einer plötzlich aufgetretenen Wunde konfrontiert, etwa mit einem offenen Bein, benötigt sie schon mal Unterstützung von außen. Was tun? Muss ein Arzt her? In solchen Situationen erweist es sich als durchaus hilfreich, wenn die Pflegende mittels Kamera und Tablet Bilder an die Pflegedienstleitung und die examinierten Kolleginnen übermitteln kann. Allerdings scheitert das in der Praxis noch oft an weißen Flecken in den Netzen.

Solche Erfahrungen schilderte Elke Lükermann, die Leiterin der in ein Telepflege-Projekt der Wittmunder Vita-Akademie involvierten DRK-Gemeindeschwesternstation Harpstedt, am Montag während der Delegiertenversammlung des Samtgemeinde-Seniorenbeirates im Hotel „Zur Wasserburg“. Bei Pflegekräften und Patienten findet der vernetzte Einsatz digitaler Technik mittlerweile eine gute Akzeptanz, machte sie in ihrem Vortrag deutlich.

Das seit dem 1. Mai 2017 und noch bis zum 30. April 2019 laufende Pilotprojekt, gefördert vom Land sowie mit Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds, will herausfinden, ob Digitalisierung und Vernetzung helfen können, Effizienz und Qualität ambulanter Pflege in Zeiten des Fachkräftemangels zu halten oder zu steigern.

Nach Einschätzung von Elke Lükermann könnte die Telepflege im Grundsatz durchaus mehr Effizienz in der Routenplanung bewirken –  und vielleicht sogar das Berufsbild attraktiver machen.

Die DRK-Gemeindeschwesternstation Harpstedt verspricht sich davon auch weiterreichende Einsatzmöglichkeiten für Pflegehilfskräfte nach einer Schulung zu Telepflegehelfer(inne)n, zumal examinierte Kräfte bekanntlich immer schwerer zu bekommen sind. „Vier unserer Mitarbeiterinnen werden im Januar geschult“, erläuterte die Referentin. Bislang habe sie die Telepflege nur mit examinierten Kräften in der Samtgemeinde Harpstedt erprobt.

Auf lange Sicht wäre ein größeres Netzwerk unter Einbindung von Arztpraxen, Krankenhäusern, Apotheken sowie pflegenden Angehörigen denkbar und sinnvoll – ebenso die direkte Vernetzung zwischen Patient und Hausarzt. So lange aber unzureichende Netze der Datenübertragung enge Grenzen setzen, dürfte das wohl Zukunftsmusik bleiben.

40 von 200 Patienten seien bereits mit dem Tablet besucht worden, erläuterte Lükermann. Mit unterschiedlichen Erfahrungen: In Harpstedt und Groß Ippener habe die Telepflege recht gut funktioniert; beispielsweise in Kirchseelte hätten sich indes derartige „Funklöcher“ offenbart, dass dort „gar nichts mehr“ ging. 

Das Ziel, mithilfe der Telepflege vor allem Wege in die Außengemeinden einzusparen, werde momentan jedenfalls netzbedingt nicht erreicht. „Wir können nur darauf hoffen, dass die Technik hinterherkommt“, sagte Elke Lükermann. Mitunter könnten die Pflegekräfte auf das WLAN der Patienten zugreifen – deren Einverständnis vorausgesetzt. Allerdings verfügt nur ein kleiner Teil der zu Pflegenden über einen Internetzugang.

Ob das Projekt nach dem 30. April fortgeführt wird, entscheidet sich nach Kenntnis von Elke Lükermann im kommenden Jahr.

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