Utec-Geschäftsführer erläutert Ergebnisse des Energiemanagements

Nahwärme bringt jährlich etwa 48 000 Euro Ersparnis

Frieder Eiskamps Biogasanlage in der Feldmark. Dort steht eins der zwei Blockheizkraftwerke (l.). Das zweite, das für die Versorgung von Samtgemeindeliegenschaften mit Nahwärme benötigt wird, hat der Betreiber auf dem Freibad-Areal realisiert. Das Biogas gelangt durch Leitungen dorthin. Sämtliche Investitionen, auch die für das Nahwärmenetz, hat Eiskamp selbst finanziert. - Foto: Bohlken

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. 2 500 Megawattstunden Wärmeenergie jährlich liefert Frieder Eiskamps Biogasanlage, um das Rosenfreibad am Tielingskamp, die Harpstedter Schulen und Turnhallen sowie das Delmeschulschwimmbad über ein Nahwärmenetz zu versorgen. Das entspricht 91 Prozent des Heizenergiebedarfs dieser Liegenschaften.

Und das sei „mehr, als wir erwartet haben“, sagte Heinz Eggersglüß, Geschäftsführer des Bremer Ingenieurbüros Utec, am Montagabend während der Sitzung des Samtgemeindefachausschusses für Bau, Umwelt und Planung im Hotel „Zur Wasserburg“. Die Nahwärme habe den Erdgasbedarf der an das Wärmenetz angeschlossenen Liegenschaften binnen fünf Jahren drastisch schrumpfen lassen – von jährlich etwa 300 000 auf jetzt zwischen 30 000 und 50 000 Kubikmeter. Die dadurch bedingte jährliche CO2-Einsparung bezifferte Eggersglüß auf 600 Tonnen.

Der Fachmann zeigte auf, was das seit 2000/2001 praktizierte, von Utec betreute kommunale Energiemanagement der Samtgemeinde bisher gebracht hat.

Die Motorabwärme bei der Biogasverstromung im Blockheizkraftwerk auf dem Freibadgelände liefert Heizenergie. - Foto: boh

Der Erdgasverbrauch ging von 1999 bis 2017 um 75 Prozent zurück – vor allem, weil die Kommune Eiskamps Nahwärme bezieht. Für die Kilowattstunde (kWh) Wärme zahlt die Samtgemeinde die Hälfte dessen, was sie berappen müsste, wenn sie die gleiche Menge Energie aus Erdgas erzeugte. Und nicht nur das: Eiskamp hat ihr eine Flatrate für das Rosenfreibad eingeräumt. Unabhängig vom tatsächlichen Verbrauch bekommt sie jährlich 950 000 kWh in Rechnung gestellt. Dieser Wert war auf der Grundlage der Verbrauchsdaten der Vorjahre festgelegt worden. Indes lag der Wärmebedarf in den Jahren seit der Inbetriebnahme des Blockheizkraftwerks (BHKW), das Eiskamp im Rosenfreibad bauen lassen hat (Ende 2012), darüber – im jährlichen Schnitt laut Eggersglüß sogar um 45 Prozent. Die Flatrate bedeute für die Samtgemeinde eine unentgeltliche Wärmelieferung von ungefähr 2 100 Megawattstunden seit 2013, was einem Gegenwert von etwa 20 000 Euro pro Jahr entspreche. Die jährliche Ersparnis bei den Heizkosten durch die gelieferte Wärme insgesamt bezifferte der Fachmann auf etwa 48 000 Euro. „Nach Optimierungsarbeiten im ersten Betriebsjahr funktioniert das Nahwärmesystem sehr gut. Es gab keine Versorgungsprobleme.“

Stromverbrauch hat zugelegt

Der Strombedarf ging indes im Berichtszeitraum (1999 bis 2017) trotz des kommunalen Energiemanagements um rund zehn Prozent nach oben. Eggersglüß machte dafür vor allem neue und zusätzliche Technik im Freibad sowie verlängerte Saisonzeiten bis in den Spätsommer hinein verantwortlich; all das habe einen erheblichen Mehrbedarf nach sich gezogen. Das Freibad nicht eingerechnet, habe sich der Strombedarf im Berichtszeitraum um rund 14 Prozent reduziert. Das sei „auch ein Erfolg“, betonte der Fachmann – und im Übrigen ein Ergebnis erheblicher kommunaler Anstrengungen.

Die für Gesamtaufwendungen von 139 000 Euro installierte 70 kW-Photovoltaikanlage (PV-Anlage) auf dem Delmeschulbad habe seit der Inbetriebnahme im Oktober 2013 insgesamt etwa 270 000 kWh erzeugt. Davon nutze die Samtgemeinde rund 45 Prozent selbst (der große Rest werde eingespeist). Diese Strommenge decke ungefähr 30 Prozent des Bedarfs der Delmeschule inklusive Bad (Lehrschwimmbecken). Die erzielte CO2-Einsparung betrage 39,5 Tonnen jährlich. Die PV-Anlage werde sich binnen elf Jahren amortisieren – bei einer erwarteten Nutzungsdauer „von 20 Jahren und mehr“. Bislang laufe sie störungsfrei. Auch der Wechselrichter, ein Bauteil, das gern mal kaputtgeht, habe noch nicht erneuert werden müssen, berichtete Heinz Eggersglüß.

Die Option, weitere kommunale Gebäude mit PV-Anlagen zu bestücken, verfolgte die Samtgemeinde schon vor Jahren nicht weiter – etwa aus Gründen der statischen Beanspruchung oder wegen ungünstiger Dachausrichtung und/oder -neigung. Die einstigen Kontroversen über Eiskamps Biogasanlagen-Erweiterung und sein Angebot, Wärme zu liefern, sowie über die Solarstromnutzung sind längst abgeebbt. Eggersglüß bewertete sowohl die PV-Anlage als auch das Nahwärmenetz als „tolle Projekte“, denen „gute Entscheidungen“ zugrunde lägen.

Eher am Rande streifte er den Wasserverbrauch der Samtgemeinde, der sich unterm Strich – bei starken jährlichen Schwankungen – im Berichtszeitraum um 13 (ohne das Freibad sogar um 23) Prozent verringert habe.

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