Musikalisches Gedenken an den früheren Kantor Heinz Bockhorst in der Christuskirche mobilisiert rund 200 Zuhörer

Robert Grimsehl bildete ihn am Klavier aus

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Dem Gemischten Chor Harpstedt gelang der Spagat zwischen „ernster“ und „unterhaltender“ Musik.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Lebte der frühere Kantor Heinz Bockhorst noch, hätte er dieses Konzert sicherlich genossen. Mit zahlreichen Mitwirkenden, die am Sonntag ihm zu Ehren und in Gedenken an ihn in der Harpstedter Christuskirche sangen und musizierten, hatte er selbst noch gearbeitet, teils sogar viele Jahre lang. Die Veranstaltung mobilisierte geschätzte 200 Zuhörer. Das Programm spiegelte die vielschichtigen musikalischen Vorlieben des langjährigen Kirchenmusikers wider.

Der Einstieg und der Ausklang mit einem Menuett und einer Toccata von Léon Bellmann blieb Organistin Hedwig Stahl vorbehalten. Posaunen-, Kirchen- und gemischter Chor, der Männergesangverein „Liedertafel“, Daniela Predescu (Sopran) und ihr Mann Dorin (Querflöte) sowie weitere Instrumentalisten deckten im Verlauf des Abends ein großes Spektrum ab, das Meistern des Barock und der Klassik ebenso Tribut zollte wie dem klassischen deutschen Volkslied und der Kirchenmusik.

Selbst eine Prise Pop fehlte nicht. Zwischen Richard Strauss, Schubert, Chopin und „Die Himmel erzählen“ aus der „Schöpfung“ Josef Hadyns „mogelten“ sich „Only time“, ein getragenes, melancholisches Lied der irischen Sängerin Enya, das nach dem 11. September 2001 ungezählte Male die erschreckenden Fernsehbilder vom eingestürzten World Trade Center unterlegt hatte, sowie die deutschsprachige Version des Evergreens „Some-where over the rainbow“ – beides dargeboten vom Gemischten Chor Harpstedt. Mit Beethovens „Die Himmel rühmen“ sorgten alle Beteiligten in der zweiten Konzerthälfte für ein bravouröses Finale. Schlusswort und Segen sprach Pastor Gunnar Bösemann.

In seiner Moderation gab Dirigent Steffen Akkermann viel über den Menschen und Musiker Heinz Bockhorst preis. Der Kantor habe sich in keine Schublade stecken lassen, die Klassik aber schon bevorzugt. Seine musikalische Liebe habe der Orgel und dem Klavier gegolten. Eine besonders große musikalische Nähe habe er zudem zum Kirchenchor gehabt.

Akkermann erinnerte sich daran, als er selbst 1967 nach seinem Dienstantritt in Harpstedt als musikalisch unerfahrener Junglehrer im gemischten Chor sowie im Kirchen- und Posaunenchor mitwirkte. Bockhorst habe damals noch all diese musischen Gruppen geleitet. „Es ehrte mich sehr, dass er mir zutraute, seinen gemischten Chor zu übernehmen, nachdem er sich von dieser Aufgabe zurückziehen wollte“, fuhr der Dirigent fort. Er, Akkermann, habe einen „sehr gut aufgestellten Klangkörper übernommen“ und mühe sich bis heute, es seinem Vorgänger „recht zu tun“. An anderer Stelle nannte er Heinz Bockhorst „den Klassiker“ an Klavier, Orgel, Geige und Bratsche. Der Vollblutmusiker hatte sowohl in einem Streichquartett der Region gewirkt als auch im philharmonischen Orchester in Bremen. Fünf Jahre lang spielte als Bratschist im Orchestergraben des Goethetheaters und war an vielen Opernaufführungen beteiligt. Er habe sich, so Akkermann, ferner als Begleiter von Sängern und Instrumentalisten bewährt. Jahrelang habe er in Kurorchestern wohl auch die „leichtere Muse“ bedient, die er ebenfalls „perfekt beherrschte“. Das, was man heute oft „Mucke“ nennt, war Bockhorst nach den Worten des Dirigenten nicht fremd. Er habe gelegentlich bei Festlichkeiten aufgespielt – an der Seite vieler berühmter Kollegen. Seine Klavierausbildung habe er in schon jungen Jahren von Rektor Robert Grimsehl bekommen. Seinen Lehrer muss er als Pianisten bewundert haben. „Er sprach in lobenden Tönen von ihm“, so Akkermann. Grimsehl habe sich, wenn sein Schüler gut vorbereitet in den Klavierunterricht gekommen sei, hinterher an den Flügel gesetzt und für ihn zur Belohnung Stücke von Brahms gespielt.

Die Orgel-C-Prüfung habe Heinz Bockhorst an der Musikhochschule in Bremen abgelegt. „1961 übernahm er dann die Organistenstelle in Harpstedt. Schon nach kurzer Zeit wurde er von der Landeskirche zum Kantor ernannt“, erläuterte der Moderator.

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