Heimatschutz-Übungseinheiten in Ex-Munitionsanstalt

Bundeswehr macht zwei Muna-Zugänge dicht

Spontan ablichten lassen wollten sich die Soldatinnen und Soldaten, die in der ehemaligen Muna aufräumen und das künftige Übungsgelände vorbereiten, nicht. Dass sie dort auch etwas gegen die Vermüllung tun, deutet dieses „Stillleben“ aus angehäuftem Sperrmüll an.
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Spontan ablichten lassen wollten sich die Soldatinnen und Soldaten, die in der ehemaligen Muna aufräumen und das künftige Übungsgelände vorbereiten, nicht. Dass sie dort auch etwas gegen die Vermüllung tun, deutet dieses „Stillleben“ aus angehäuftem Sperrmüll an.

Kirchseelte/Dünsen/Groß Ippener – Der spezialisierte Teil der Ausbildung angehender Heimatschützer soll zwar erst im Juli beginnen; schon seit Donnerstag übt aber bereits das Ausbildungspersonal des in der Adelheider Feldwebel-Lilienthal-Kaserne stationierten Logistikbataillons 161 in der Muna Dünsen, der ehemaligen Munitionsanstalt.

Update vom 28. Mai: „Wir erproben, wie wir die Rekrutinnen und Rekruten im Rahmen des Heimatschutz-Pilotprojektes am besten im Objektschutz trainieren. Wir beüben uns sozusagen bis Ende Juni selbst“, erläuterte ein Stabsfeldwebel auf Nachfrage unserer Zeitung. Gezielt fernhalten will das Logistikbataillon ungebetene Gäste, die motorisiert auf das Gelände fahren, dort Party machen und dann womöglich Schaden anrichten – etwa an einem Gebäude, das speziell vorbereitet worden ist, um den „Häuserkampf“ und „das Verteidigen aus dem Haus heraus“ zu üben.

Daher hat die Bundeswehr die Zugänge auf Ippener Seite sowie unweit der Straße „Am Schwarzen Schlatt“ dichtgemacht. In Ippener kämen Radler und Fußgänger zwar noch irgendwie am Tor vorbei; nach den Vorstellungen des Logistikbataillons 161 sollen sie sich aber möglichst auf die Zufahrt über die Waldstraße in Dünsen beschränken.

„Eigentümer Peter Hanenkamp hat uns das Hausrecht für den angemieteten Teil der Liegenschaft übertragen. Das werden wir nun auch wahrnehmen“, äußerte sich besagter Stabsfeldwebel.

Dünsens Bürgermeister Hartmut Post besteht hingegen darauf, dass die Fußgänger und Radfahrer weiterhin durch die Zugänge in die Muna kommen können. Nötigenfalls werde er beim Landkreis „vorstellig werden“, um das durchzusetzen. Eigentümer Hanenkamp habe sich sogar vertraglich verpflichtet, den Muna-Zaun binnen zehn Jahren komplett zu entfernen. „Meines Wissens ist der Vertrag mit dem Landkreis 2012 geschlossen worden. Viel Zeit bleibt also nicht mehr“, so Post. Bislang ist der Zaun nur auf Dünsener Seite zurückgebaut.

Ursprünglicher Artikel vom 24. Mai: Die ehemalige Munitionsanstalt (Muna Dünsen) lockt Spaziergänger und Radler, mutiert aber auch zur Spielwiese für ungebetene Gäste. In und rund um verlassene Bunker und Hallen liefern sich gelegentlich Anhänger des Paintball-Sports „Schlachten“ mit Druckluftwaffen und Farbkugel-Munition. Enduro- und Quadfahrer scheinen das Privatgelände zu schätzen. Dem Vernehmen nach musste es sogar schon als Pornofilm-Drehort herhalten. Jetzt ist die Bundeswehr zurück in der vormals lange Zeit militärisch genutzten Liegenschaft.

Von Eigentümer Peter Hanenkamp auf Kirchseelter Muna-Gebiet angemietete Flächen und Gebäude dienen demnächst tageweise der spezialisierten Heimatschützer-Ausbildung. Scharfe Munition kommt nicht zum Einsatz. Vereinzelt tragen die Soldatinnen und Soldaten gleichwohl Waffen.

Objektschutz wird geübt

Geübt wird in erster Linie der Objektschutz – ab Juli zunächst für vier Monate, vielleicht aber sogar darüber hinaus. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, die Zugänglichkeit des Areals für die Öffentlichkeit immer mal wieder einzuschränken. Rund zehn Angehörige des Logistikbataillons 161 aus Delmenhorst-Adelheide bereiten seit einigen Tagen die Liegenschaft für die Übungszwecke vor. Etwaige Verletzungsrisiken müssen vorab minimiert werden. Haufenweise Sperrmüll wird entsorgt. Zwei Soldatinnen schlugen sogar die Fensterscheiben aus einer Halle heraus; hinterher beseitigten sie Scherben und Splitter.

Pilotprojekt auf ein Jahr angelegt

Die Ausbildung von Heimatschützern trägt dem Erfordernis einer Reservearmee im Inland für Krisen- und Katastrophenfälle Rechnung. Der Bedarf offenbart sich gerade in der Pandemie. Die Bundeswehr unterstützt bekanntlich Gesundheitsämter bei der Rückverfolgung von Covid-19-Infektionsketten. Auch haben Soldatinnen und Soldaten übergangsweise Seniorenheime entlastet, deren Belegschaften als Folge von Corona-Ausbrüchen stark geschwächt waren.

Von daher mutete es nicht wie ein Zufall an, dass Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) den freiwilligen Wehrdienst im Heimatschutz in der Coronazeit als Pilotprojekt aus der Taufe hob. Angesprochen fühlen durften und dürfen sich Frauen und Männer mit Interesse, bei der Bundeswehr einen insgesamt einjährigen Dienst zum Wohl der Allgemeinheit zu absolvieren. Sie sollen mit regionalen Unterstützungsleistungen einen gesamtstaatlichen Beitrag leisten und die Krisenvorsorge stärken.

325 Rekruten haben Dienst angetreten

Bundesweit traten diesen Dienst unter dem Motto „Dein Jahr für Deutschland“ am 6. April 325 Rekrutinnen und Rekruten an. Ihre dreimonatige militärische Grundausbildung läuft noch. Eine viermonatige spezialisierte Ausbildung schließt sich an. Danach werden die Heimatschützer in einer „Regionalen Sicherungs- und Unterstützungskompanie“ die restlichen fünf Monate ableisten, und zwar über sechs Jahre verteilt – als flexible Reservisten. Das Einstiegsgehalt während der Ausbildung beträgt rund 1400 Euro netto.

Spezialisierung nach Grundausbildung

Für die viermonatige Spezialisierungsphase gibt es bundesweit bislang drei Ausbildungsstandorte. Dazu gehört die Feldwebel-Lilienthal-Kaserne in Delmenhorst-Adelheide. Rund 100 angehende Heimatschützer pro Quartal will das Logistikbataillon 161 auf ihre künftigen Aufgaben vorbereiten.

„In der früheren Muna werden die Rekrutinnen und Rekruten schwerpunktmäßig den Objektschutz üben. Das ginge natürlich auch auf dem Standortübungsplatz, aber eben nicht unter so realistischen Bedingungen“, erläuterte Andrea Hilscher vom Landeskommando Bremen der Bundeswehr auf Nachfrage unserer Zeitung.

Tage- oder auch nur stundenweise wird ein Teil der Ex-Muna für militärische Praxistrainings beansprucht. „Von dem Gelände darf natürlich kein Gefährdungspotenzial ausgehen. Was da an Schutt, Glas oder dergleichen rumliegt, muss erst mal weg“, erklärte Hilscher den Grund der eingeleiteten vorbereitenden Arbeiten.

Die Frage, wie lange das Logistikbataillon 161 die gemietete Liegenschaft für die Heimatschutz-Ausbildung in Anspruch nehmen wird, konnte sie noch nicht beantworten. „Zunächst wird sondiert: Wie groß ist überhaupt das Interesse an diesem freiwilligen Wehrdienst? Wie gut lässt er sich in die normalen soldatischen Ausbildungsgänge einbinden? Das Pilotprojekt ist auf ein Jahr angelegt. Zu gegebener Zeit fällt die Entscheidung über die Weiterführung. Auch darüber, ob sich die jetzige Struktur der Ausbildungsstandorte bewährt hat oder verändert und vielleicht sogar breiter aufgestellt werden muss“, so Hilscher. Sie gehe nicht davon aus, dass der Übungsbetrieb in der ehemaligen Muna mit nennenswerten Lärmbelästigungen verbunden sei. Sollte das wider Erwarten gleichwohl vorkommen, werde „rechtzeitig informiert“.

Kirchseelte wurde nicht informiert

Eine erste Informationspanne gab es allerdings schon. Die Bundeswehr versäumte es, Kirchseeltes Bürgermeister Klaus Stark über die avisierte Muna-Nutzung ins Bild zu setzen. Sein Dünsener Amtskollege Hartmut Post bekam Bescheid. Schon möglich, dass die „Muna Dünsen“ als gebräuchlicher Begriff damit zu tun hat. Das Logistikbataillon 161 beschränkte sich darauf, jene Gemeinde zu unterrichten, die wegen angrenzender Siedlungsbereiche direkt tangiert ist. Tatsächlich bewegt sich der Flächenanteil Dünsens an der Muna unter dem von Groß Ippener und Kirchseelte.

Hartmut Post begrüßt Bundeswehr-Präsenz

Hartmut Post hat dem Bataillon geantwortet, und zwar wohlwollend. Dass in der ehemaligen Muna aufgeräumt wird, begrüßt er. Nach seiner Überzeugung wirkt die Präsenz der Bundeswehr zudem der weiteren Vermüllung des Geländes entgegen. Auch dürften die Soldatinnen und Soldaten durchaus zwielichtige Gestalten davon abhalten, das Privateigentum für „Paintball-Battles“ oder andere unerwünschte Aktivitäten zu nutzen.

Infos zur Muna-Historie: relikte.com/duensen/

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