Oder: Heike Wagner lehrt im „Mikado“, die Aufmerksamkeit auf den Augenblick zu richten

„Multitasking ist eine Illusion“

Die Werbetrommel für den nächsten Stressbewältigungskurs „durch Achtsamkeit“ im „Mikado“ rühren hier Birgit Blocksdorff (l.) und MBSR-Lehrerin Heike Wagner. - Foto: Bohlken

Horstedt - Frauen behaupten gern von sich, sie seien im Gegensatz zu Männern multitaskingfähig. Die Hirnforschung hält dagegen: Multitasking sei eine Illusion. Das Gehirn arbeite seine Aufgaben nacheinander ab, wenn auch blitzschnell.

„Wer versucht, alles gleichzeitig zu erledigen, riskiert, viele Fehler zu machen“, spricht Heike Wagner aus Erfahrung. Die mangelnde Fähigkeit, die eigene Aufmerksamkeit auf das Hier und Jetzt zu richten, ist nach Überzeugung der staatlich anerkannten Heilpädagogin häufig die Ursache von Stress. Ja, auch in ihrem Leben habe es Phasen gegeben, in denen sie zerstreut durch den Alltag gegangen sei. Mittlerweile wisse sie: „Das Leben wird einfacher, wenn wir das, was wir tun, ganz tun. Und wenn uns in diesem Augenblick nicht schon beschäftigt, was gleich oder später kommt.“

Mindfulness-Based Stress Reduction (MBSR) heißt eine von Jon Kabat-Zinn begründete Methode, die Heike Wagner lehrt, so auch im Kultur- und Tagungshaus „Mikado“. Die Klientel sei breit gefächert. Hätten früher überwiegend Menschen der Generation 40 + das Stressbewältigungsprogramm durchlaufen, so kämen heute auch viele jüngere. „Die Krankenschwester ist ebenso darunter wie der Professor, der Studierende, dem der Kopf raucht, oder der Angehörige, der mit dem Tod eines nahen Verwandten nicht klar kommt“, erläutert Wagner. Häufig gehe Stress einher mit Suchtverhalten – etwa mit dem Drang nach der Zigarette oder dem Gang zum Süßigkeitenschrank. Birgit Blocksdorff, Mitarbeiterin im „Mikado“, hat selbst ein Achtsamkeitstraining bei Heike Wagner absolviert. Ja, den Kopf dazu zu bringen, sich im Moment jeweils nur mit einer Sache zu beschäftigen, sei ein kleiner Kampf, gesteht sie. Den auszutragen sei aber allemal besser, als irgendwann den ganz großen Kampf gegen den Burnout bewältigen zu müssen.

Wer „Achtsamkeit“ lernt, muss sich auf einen Prozess mit sich nach und nach einstellenden Erfolgen einlassen. Die MBSR-Lehrerin erzählt, sie baue in ihre Kurse neben Sitzmeditation oder etwas Yoga unter anderem Übungen ein, die im Liegen ausgeführt würden. Die Teilnehmer sollen dabei ihren eigenen Atem oder auch ein bestimmtes Körperteil ganz bewusst wahrnehmen. „Viele stellen überrascht fest, wie schwierig schon das ist“, spricht Wagner aus Erfahrung. Das „Mikado“ hält sie für einen geradezu idealen Ort für das Achtsamkeitstraining. „Es besteht im Übrigen nicht die Gefahr, auf dem Smartphone ,angepiept’ zu werden, weil man hier schlicht keinen Empfang hat“, erzählt Birgit Blocksdorff schmunzelnd.

Heike Wagner bietet einwöchige MBSR-Kompaktkurse im „Mikado“ an, die als Bildungsurlaube anerkannt sind; der nächste läuft vom 20. bis zum 24. Juni. Dass die Teilnehmer auch im Tagungshaus übernachten, findet die Kursleiterin richtig und wichtig. Zwischendurch nach Hause zu fahren, würde nur wieder ein Stück weit Ablenkung bedeuten.

Für gewöhnlich bekommt Wagner ein positives Feedback. 90 bis 95 Prozent der Teilnehmer seien „angetan“ von den Kompaktkursen. So mancher nehme hinterher vertiefende Angebote wahr.

Anmeldungen für den kommenden Kurs, der in pädagogischer Verantwortung des Vereins Niedersächsischer Bildungsinitiativen (VNB) läuft, sind auch direkt im Tagungshaus möglich. Nähere Informationen gibt es unter Telefon 04224/95 0 66 und im Internet. - boh

www.tagungshaus-mikado.de

www.wagner-lebensweisen.de

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