Zentral gelegenes Wohnheim für Menschen mit Handicap ist nun eingeweiht

Mittendrin statt nur dabei

Symbolische Schlüsselübergabe: Bauunternehmer Helmut Rang, Wohnbereichsleiterin Petra Hakemann und der Regionalgeschäftsführer der Diakonie Himmelsthür, Jörg Arendt-Uhde (von links). Fotos: Bohlken

Harpstedt - Von Juergen Bohlken. „Wir haben nie das Gefühl gehabt, dass die Harpstedter uns nicht wollen. Das ist nicht selbstverständlich. Persönlich fühle ich mich hier fast schon zu Hause“, freute sich Wohnbereichsleiterin Petra Hakemann am Freitagmorgen während der Einweihung des von der Diakonie Himmelsthür an der Mullstraße vollendeten Wohnheims für 24 Menschen mit teils hohem Assistenzbedarf. „Das Haus ist toll geworden“, schwärmte sie – auch dank „zumindest überwiegend“ toller Zusammenarbeit mit den Handwerkern. „Den einen oder anderen Ausreißer gab es zwischenzeitlich“, gestand Hakemann im Festzelt. Mitarbeiter der Himmelsthür, die künftigen Bewohner, deren Angehörige, Nachbarn, aber auch Vertreter aus Politik, Verwaltung und Kirche hatten sich dort versammelt.

„Wir wollen ein Haus der offenen Tür sein“, bekräftigte die Wohnbereichsleiterin. „Wenn Sie Fragen haben, dürfen sie gern zu uns kommen. Fragen Sie ruhig!“

Probleme gab’s nicht mit dem Umfeld, aber mit dem Baugrund, ließ Himmelsthür-Regionalgeschäftsführer Jörg Arendt-Uhde durchblicken. Die Trockenlegung des Grundstückes habe rund 100 000 Euro zusätzlich gekostet. Im Dezember 2017 hatten die Arbeiten begonnen. Kürzlich, Mitte  April, war das Wohnprojekt baulich vollendet. Das Haus mit rund 750 Quadratmetern Nutzfläche, auch dank eines Fahrstuhls komplett barrierefrei, macht innen schon einen ausgesprochen wohnlichen Eindruck. Die ersten vier Bewohner nehmen es am Montag in Beschlag – unter den insgesamt 24 sind auch acht, die direkt aus dem eigenen Zuhause ins Wohnheim ziehen.

„Von Anfang an haben Sie und Ihre Gemeinde uns hier mit offenen Armen empfangen und unterstützt“, sagte Arendt-Uhde in Richtung Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse, der daraufhin selbst ein Grußwort – auch im Namen des Fleckens Harpstedt – sprach. „Aus meiner Sicht ist das heute ein Tag der Freude“, sagte der Verwaltungschef. An die künftigen Bewohner gerichtet, ergänzte er: „Wir freuen uns, dass Sie hier zu uns in die Mitte des Ortes kommen.“ Die Einrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen sei eine Bereicherung – und ob der zentralen Lage zugleich ein Novum. Der Albertushof in Groß Ippener bestehe zwar schon lange – allerdings am Rande der Samtgemeinde Harpstedt, vor den Toren Delmenhorsts. Die Bewohner des Himmelsthür-Neubaus und ihre Angehörigen profitierten von der vorhandenen Infrastruktur. „Es gibt hier Einkaufsmöglichkeiten, Ärzte, Apotheken, Bäcker, die Eisdiele und die Kirche.“ Menschen mit Beeinträchtigungen, so betonte Wöbse, „gehören in die Mitte des Lebens und des Ortes“; daher sei der Standort für das Wohnheim „sehr gut gewählt“. Sicher werde die Eingewöhnungsphase für alle Beteiligten, auch für die Nachbarn, eine kleine Herausforderung. „Aber hier in Harpstedt sind wir sehr offen. Und gut darin, miteinander in Kontakt und ins Gespräch zu kommen“, sagte der Bürgermeister. Als Gastgeschenk im Namen von Flecken und Samtgemeinde überreichte er Bewohner Tobias Schlake ein Grillbesteck, das der Hausgemeinschaft bei zünftigen Grillrunden wertvolle Dienste leisten soll. Wöbse sagte zu, selbst im Wohnheim vorbeizuschauen, wenn es mit Leben gefüllt ist. Auch lud er die künftigen Bewohner ein, ihn mal im Amtshof zu besuchen.

„Das Werk ist gelungen. Überzeugend, was hier geschaffen worden ist“, lobte Sozialdezernent Bodo Bode vom Landkreis Oldenburg als Träger der Eingliederungshilfe. „Der Neubau eines Hauses ist bekanntlich immer mit viel Aufwand verbunden. Am Anfang steht die Idee, sich räumlich zu verändern, sich möglichst auch zu verbessern. In diesem Fall war der Ausgangspunkt die Vereinbarung der Himmelsthür mit dem Land Niedersachsen zur Dezentralisierung der Einrichtung in Wildeshausen. Dabei handelt es sich um einen längeren Weg. Aber das Ziel liegt gar nicht mehr in weiter Ferne. Wir werden es voraussichtlich 2023 erreicht haben“, erläuterte Bode.

Die Bewohner des Neubaus in Harpstedt ermunterte er dazu, „dieses schöne Haus“ zu „erobern“ und es sich gemütlich darin zu machen. „Aber gehen Sie bitte bei schönem Wetter auch nach draußen; erkunden Sie die vielen schönen Ecken des Fleckens Harpstedt! Suchen Sie den Kontakt mit Ihrer Nachbarschaft und dem ganzen Ort! Ein beherztes ,Moin’ öffnet so manche Tür.“

Weil in dem neuen Haus nicht nur gewohnt, sondern auch Essen zubereitet und verzehrt wird, überreichte Bode der Wohnbereichsleiterin ein Exemplar des „Essgarten-Kochbuchs“ der Deemters aus Barjenbruch.

Über zwei Millionen Euro investiert

„Wir haben hier in Harpstedt insgesamt über zwei Millionen Euro investiert“, verriet Ines Trzaska aus dem Vorstand der Diakonie Himmelsthür.

Die Aktion Mensch habe das Wohnprojekt mit 250  000 Euro gefördert. „Und das Diakonische Werk in Niedersachsen hat uns mit 200  000 Euro unterstützt“, ergänzte Trzaska.

Der Landtagsabgeordnete Axel Brammer (SPD) sprach der Himmelsthür eine Vorreiterrolle zu: Die Diakonie habe schon immer dafür gesorgt, dass Menschen mit Beeinträchtigungen einen Platz in der Gesellschaft fänden, an dem sie Wertschätzung erführen. Das sei mitunter keineswegs einfach. „Da hat es in der Vergangenheit – nicht hier in Harpstedt, aber schon im Oldenburger Land – auch Hässlichkeiten gegeben, die

ich unerträglich fand. Es gibt Menschen, die Ihre Bemühungen zum Miteinander ablehnen, zumindest in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft. Denen kann ich nur sagen: Eine Beeinträchtigung kann jeden treffen. Und jeder, ob beeinträchtigt oder nicht, hat das gleiche Recht auf ein glückliches, erfülltes Leben.“ Die Politik habe indes beim Thema Inklusion gezeigt, „wie man es nicht macht“. Gute Vorsätze seien im Kultusausschuss zerredet worden. Die Himmelsthür mache es der Politik indes richtig vor – und sich einfach unbeirrt „auf den Weg“.

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