Nachdenkliches und Humor

Oberschule hinterfragt in der Christuskirche den Sinn von Weihnachten

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Der vom Wahlpflichtkurs „Darstellendes Spiel“ aufgeführte Sketch um den im Kamin feststeckenden Weihnachtsmann beruht auf einer Idee des Schülers Adrien Blumenberg.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Anna wärmt sich die Hände an einer Kerze. „Es ist so kalt hier. Ich wünschte, ich könnte Weihnachten mit meiner Familie verbringen“, sagt das offenbar aus ärmlichen Verhältnissen stammende Mädchen. Gleich nebenan feiert eine Familie im Überfluss. Ein dicker Weihnachtsbraten wird serviert. Auch der Gabentisch ist reich gedeckt. Die Kinder reißen gierig das Papier von den Präsenten. Voller Neid liefern sie sich eine handfeste Rangelei um das coolste Geschenk. Der Vater muss eingreifen. „Leute, es reicht langsam!“, mahnt er.

Ausgedacht hat sich diese Geschichte die Schülerin Vanesa Pesheva. Sie gehört dem Wahlpflichtkurs (WPK) „Darstellendes Spiel“ an, der das Stück am Freitagmorgen während der Weihnachtsfeier der Oberschule Harpstedt in der Christuskirche aufführte. „Der Sinn von Weihnachten“ wird darin hinterfragt, und die Antwort gab die junge Autorin am Ende selbst – als Erzählerin: „Sind die Geschenke das Wichtigste? Oder doch eher die Zeit, die man mit seiner Familie verbringt? Es gibt so viele Kinder auf der Welt, die nicht einmal eine Familie haben.“ Eine Frage zum Nachdenken gab Vanesa ihren Mitschülern, passend zum Thema „Füreinander – miteinander“, mit auf den Weg: „Machen eure Markenklamotten und eure iPhones euer Leben besser und wertvoller als das Leben von anderen?“

Auf einer Idee des Schülers Adrien Blumenberg beruhte ein Sketch, den der WPK ebenfalls darbot: Der urplötzlich im Kamin feststeckende Weihnachtsmann, den eine Familie mit vereinten Kräften aus seiner misslichen Lage befreit, sorgte für Erheiterung. Am Ende darf er mit den „Rettern“ am Tisch sitzen und das Festessen genießen. Darüber vergisst er fast, dass er ja einen arbeitsreichen Job zu erledigen hat...

Mindestens genauso viel Lacher erntete die in die heutige Zeit übertragene Weihnachtsgeschichte mit witzigen Dialogen und viel Situationskomik. Mitstreiter der Radio-AG trugen sie vor.

„Jesus ist immer online“

Siebtklässler Felix Franke glänzte musikalisch am Steinway-Flügel. Die „Rockband“ traf mit den Titeln „Perfect“ von Ed Sheeran und „Hallelujah“ von Leonard Cohen den Geschmack der Zuhörer. Die Schülervertretung trug ein „denglisches“ Gedicht mit Wortwitz vor.

Diana von Harten, didaktische Leiterin der Oberschule, zeigte eingangs ein Bild, auf dem es offenkundig nur einen runden schwarzen Klecks zu sehen gab. Sie erzählte von einem „Test“, mit dem sie ihre Klasse einst verwirrte. Die Aufgabe bestand darin, das Bild zu beschreiben. Nur eine einzige Schülerin habe, so von Harten, den Blick auf den „weißen Teil“ gerichtet. So sei es oft auch im Leben: „Wir sehen ständig das Dunkle, Negative, Hässliche. Den großen weißen Bereich nehmen wir gar nicht so richtig wahr.“

Ein frierendes Mädchen (2.v.l.) bleibt Weihnachten allein. Nebenan feiert eine Familie im Überfluss, und um die coolsten Geschenke liefern sich die Kinder eine Rangelei. Ausgedacht hat sich diese Handlung zum „Sinn von Weihnachten“ die Schülerin Vanesa Pesheva (links). - Foto: Bohlken

Neben Samtgemeindebürgermeister Herwig Wöbse widmete sich Pastor Timo Rucks dem Thema der Feier. Er räumte auf mit der Behauptung, dass Weihnachten dann gekommen sei, wenn es ein großes Miteinander gebe. „Klingt total gut, ist aber totaler Quatsch!“, sagte der Geistliche. Ein „paar unserer Teamer“ hätten die Frage, „wann Weihnachten wird“, am ersten Advent im Baustellengottesdienst beantwortet. Rucks zeigte einen dazu gedrehten Film. In den Szenen sieht der Zuschauer Leute an markanten Orten in Harpstedt einen roten Teppich ausrollen – sogar die Kirche hinab. Für wen? Für den „Glücklichmacher“ und „Schuldvergeber“ – heißt es im Text des Liedes, das den Clip untermalt.

„Wenn Jesus auf diesem roten Teppich bei uns ist, dann gibt’s da einen Neuanfang, einen richtig guten Start. Aus euren Fake-Friends werden wahre Freunde“, verhieß Pastor Rucks. „Es wird Weihnachten, wenn wir Jesus in unser Haus lassen. Und wenn aus diesem Miteinander hier ein ganz großes Füreinander wird.“ Im Übrigen sei der Sohn Gottes „immer online“ – und „ziemlich gut zu erreichen“, schloss der Geistliche unter Beifall. Mit dem von der „Rockband“ gespielten und von allen gesungenen Lied „Rudolph, the red nosed reindeer“ endete die Feier.

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