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Mit starkem Wir-Gefühl trotzt der VRV Horstedt Krisen

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Von: Jürgen Bohlken

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Nachwuchs und Neumitglieder sind dem VRV Horstedt willkommen.
Nachwuchs und Neumitglieder sind dem VRV Horstedt willkommen. © Maditha Niemann

Horstedt/Wüsting/Ganderkesee – „Uns gibt es noch!“ So hätte kürzlich ein Showprogramm des Voltigier- und Reitvereins (VRV) Horstedt auf dem Hof Urban in Wüsting überschrieben sein können, das die L- und A-Gruppe sowie zwei Nachwuchsgruppen gestalteten. Nach Übungen auf dem Holzpferd kamen die Fortgeschrittenen zum Zuge und beeindruckten mit Schaubildern.

Die wohltuende Erfahrung, sich endlich mal wieder vor Publikum präsentieren zu dürfen, hatte für die Voltigeure etwas regelrecht Befreiendes. Das letzte Wettkampfgeschehen lag schon Monate zurück. „Das war im Herbst unsere Teilnahme an der Weser-Ems-Meisterschaft“, erinnert sich die VRV-Vorsitzende Nicole Roloff.

Gruppensport in Coronazeiten fällt ähnlich schwer wie die Quadratur des Kreises. Die Kontaktbeschränkungen haben nicht nur die Zahl der realisierbaren Turniere stark reduziert, sondern ebenso die Möglichkeiten, so zu trainieren, wie es geboten wäre. Oft genug blieben nur Online- und Einzel-Übungseinheiten als Optionen übrig. Das verhinderte zumindest das „Einrosten“ und stärkte obendrein das so wichtige Wir-Gefühl.

Wie eine große Familie

„Wir sind wie eine große Familie. Jeder hilft jedem. Wir verstehen uns alle super und arbeiten gut zusammen. Das macht uns aus. Und weil das so ist, kommt der Erfolg von ganz alleine. Mancher ist schon mit drei Jahren, damals noch in Horstedt, bei uns mit dem Voltigieren angefangen und jetzt immer noch dabei“, erzählt die Vorsitzende.

Mit Spaltung haben die Voltigeure ihre ganz eigenen Erfahrungen gemacht. Einst galten sie als das Aushängeschild und die tragende Säule des Reitvereins (RV) Horstedt, besonders geschätzt für ihre vorbildliche Nachwuchsarbeit. Doch dann zogen unüberbrückbare vorstandsinterne Differenzen eine Trennung der Abteilung vom übrigen RV nach sich. Die Voltigeure gründeten mit dem VRV ihren eigenen Verein. Was damals niemand wissen konnte, aber vielleicht mit Weitsicht hätte erahnen können: Keine der beiden Seiten zieht einen Nutzen aus dieser „Zweiteilung“. Das gesteht sich heute, acht Jahre später, auch Nicole Roloff ein.

Wir sind wirklich froh, dass wir wieder ein Dach über dem Kopf haben.“ 

Nicole Roloff

Die Suche nach einer neuen sportlichen Heimat erwies sich für den VRV als ausgesprochen steiniger Weg. Nach der Abspaltung schien noch alles im Lot zu sein. Der VRV trainierte bei der Waldreitschule Dötlingen auf dem Hof Aschenbeck. Dort trug der Verein im Juli 2014 sein erstes Voltigierturnier aus.

Im Zusammenhang mit einem Pächterwechsel stand er dann aber unvermittelt „heimatlos“ da. Der Hof Lange, das vormalige Domizil des RV Große Höhe, kam 2015 als Rettungsanker gerade recht. „Wir hatten dann aber immer mehr Gruppen, was dort das Trainieren zu gemieteten Hallenzeiten erschwerte“, erinnert sich Nicole Roloff. Mittlerweile nutzt der VRV die Reitanlage der Stallgemeinschaft Am Kamphusmoor in Ganderkesee-Immer. „Wir sind wirklich froh, dass wir wieder ein Dach über dem Kopf haben“, sagt die Vorsitzende.

Aktuell rund 50 Mitglieder

Die große Leidenschaft und Begeisterung für den Voltigiersport sowie die Zuversicht, dass die Coronapandemie in absehbarer Zeit ein Ende finden wird, schweißen die Aktiven im Alter von drei bis 26 Jahren zusammen. Und so halten weiterhin rund 50 Vereinsmitglieder zur Stange.

„Für Neuzugänge und Nachwuchs sind wir natürlich immer offen“, betont Nicole Roloff. Interessierte können sich bei ihr unter Telefon 0179/920 35 64 melden und gern Näheres erfragen.

Man muss heute für ein Voltigierpferd zwischen 15.000 und 20.000 Euro ausgeben. Für einen kleinen Verein wie dem VRV ist das natürlich richtig viel Geld.“

Nicole Roloff

Vergangene Woche hat der VRV das Voltigierpferd „Fidel“ verkauft. Diese Entscheidung fiel nach Bekunden der Vorsitzenden alles andere als leicht. „Da flossen viele Tränen“, verschweigt sie nicht. Dem Wallach gehe es zwar weiterhin gut, „aber langfristig wäre er für den Einsatz als Voltigierpferd nicht mehr in der nötigen Verfassung gewesen“; er sei obendrein „ein bisschen schwierig und speziell“. Der VRV bemühe sich um Ersatz.

„Der Markt ist aber aktuell nicht so groß bestückt. Man muss heute für ein Voltigierpferd zwischen 15.000 und 20.000 Euro ausgeben. Für einen kleinen Verein wie dem VRV ist das natürlich richtig viel Geld“, weiß die Vorsitzende. Gleichwohl lässt sie keinen Zweifel daran, dass es gelingen wird, diese Investition zu wuppen – auch mit Sponsorenhilfe.

Bis es so weit ist, müssen sich die „Voltis“ keineswegs mit dem Holzpferd begnügen. Der Sportbetrieb bleibt mit Nicole Roloffs Schimmel „Karlsson vom Dach“ sowie der Stute „Hanni“ weiterhin gesichert.

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