Hermann Bokelmann erinnert sich an die Nachkriegszeit

Mit Linienbussen durch die Muna

Die Straße durch die nach Kirchseelte.
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Die Straße durch die nach Kirchseelte.

Dünsen/Kirchseelte – Wer kann sich noch erinnern, dass die Linienbusse nach Bremen durch die ehemalige Muna fuhren? Durch ein altes Foto, das unsere Zeitung im Internet entdeckte, wurde Hermann Bokelmann (92), der nach dem Kriege Briefträger in Dünsen und Klosterseelte war, daran erinnert. Sein Kommentar: „Das ist die Straße nach Kirchseelte, die von der Waldstraße abzweigt.

Die Busse der DHE und von Wolters fuhren mit Anhänger beim jetzigen Kindergarten von der Landesstraße zur Haltestelle in der Waldstraße, nächster Halt war bei der Waldschänke, dann ging es rechts rein, über die Pflasterstraße zum Kirchseelter Teil der Muna. Dort war beim Heemte-Häusle (Heimathaus) des Schlesiers Kurt Bergmann die nächste Haltestelle.“

In die Bunkerwände wurden Türen und Fenster geschlagen

An der Einmündung in die Waldstraße nach Groß Ippener wohnte unter anderem Rolf Schmiedekampf mit seiner Frau und zwei kleinen Söhnen in zwei Zimmern in einem kleinen früheren Gerätehaus. „Wenn wir telefonieren mussten, gingen wir zu Schmiedekampfs, die hatten schon Telefon“, erzählt der 92-Jährige. Auf der nördlichen Seite waren Bunker mit Gleisanschluss, die ab 1947 von der in Bremen ausgebombten „Nordwestdeutschen Futtersaatbau-Gesellschaft“ genutzt wurden. Auf der anderen Seite waren die Bunker ebenfalls nicht gesprengt worden, und durften zu Wohnungen ausgebaut werden. In der Chronik der Gemeinde Dünsen ist es wie folgt beschrieben: „Da gab es für viele zum ersten Mal wieder eine Perspektive. In die Bunkerwände wurden Türen und Fenster geschlagen, innen zog man Wände hoch, um Wohnungen und Zimmer abzuteilen: Immer zwei Familien teilten sich einen Bunker. Rings um die so entstandenen Häuser gab es Gartenland, und das war nicht weniger wichtig als das Dach über dem Kopf. Sofort wurde geackert und gepflanzt, vor allem natürlich, um etwas zum Essen zu haben.“ Strom habe es in den Häusern gegeben, eine zentrale Wasserversorgung dagegen nicht, blickt Bokelmann zurück. „Per Hand wurde das Wasser hochgepumpt“, berichtet er. Geheizt wurde mit einem Ofen. Manche Bewohner suchten wertvolles Metall, das sie beim Schrotthändler gut verkaufen konnten. Die Waldschänke profitierte auch davon.

Dieses Gebäude steht an der Einmündung zur Waldstraße.

Als die Bundeswehr wieder das Muna-Gelände in Anspruch nahm, wurden die Vertriebenen wieder „vertrieben“. Ihnen vermittelten die „Niedersächsische Heimstätte“ und das „Evangelische Hilfswerk“ Grundstücke und Kredite vor der Muna in Dünsen. Die Straßennamen dokumentieren ihre alte Heimat.

Geförderte „Nebenerwerbssiedlungen“

In vielen Dörfern schafften sich Vertriebene über „Nebenerwerbssiedlungen“ mit Förderung des Kulturamtes Verden neuen Wohnraum. So entstand in Groß Ippener die Siedlung am Mühlenweg auf dem Gelände, das jeder Siedler erst mal urbar gemacht hat. In Klosterseelte entstand eine auf dem Bandel. Auch bei allen anderen Nebenerwerbs-Siedlungen, durch die in den Dörfern die überbelegten Wohnungen auf den Bauernhöfen wieder frei wurden, machte das Kulturamt zur Bedingung, dass jeder einige Morgen Land nachwies, Pachtland genügte. Bokelmann erinnert sich, dass Bauer Heinrich Knolle, vor ihm 16 Jahre lang Bürgermeister im Flecken, etlichen Vertriebenen mit einem „Pachtvertrag“ zum Hausbau verholfen hat.

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