DHE-Kühlwaggons kommen in die Eisenbahnerlebniswelt nach Horb am Neckar

Mit dem Schwertransporter ins Museum

Zentimeter genau muss der Waggon auf dem Tieflader platziert werden.
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15 Tonnen am Haken: Zentimeter genau muss der Waggon auf dem Tieflader platziert werden.

Harpstedt – Wer zukünftig die Eisenbahnerlebniswelt in Horb am Neckar besucht, wird auf Exponate aus Harpstedt stoßen.

In der Nacht auf Dienstag begann die letzte Reise für zwei ausrangierte Kühlwaggons der „Delmenhorst-Harpstedter Eisenbahn“ (DHE) von Harpstedt in das knapp 700 Kilometer entfernte Museum am Rande des Schwarzwalds. Vier Jahrzehnte transportierten sie zuvor Backfett in Delmenhorst im Shuttle-Verkehr. Auf eigenen Rädern konnten die Anhänger die Fahrt allerdings nicht mehr antreten. „Das wäre zu gefährlich. Im Netz der Deutschen Bahn hätten sie mit deutlich höheren Geschwindigkeit fahren müssen, als die 30 bis 40 Stundenkilometern, mit denen sie bisher im Einsatz waren“, erklärt Claus-Jürgen Hauf, Gründer und Inhaber der Eisenbahnerlebniswelt.

Präzisionsarbeit beim Beladen

Diese Aufgabe übernahmen stattdessen zwei Schwertransporte über die Straße. Bevor sich der Konvoi in Bewegung setzen konnte, wurden die beiden jeweils 15 Tonnen schweren Kühlwagen am Montagmorgen auf dem Harpstedter Bahnhofsgelände zentimetergenau mit einem Autokran auf den Tiefladern platziert. „Die genaue Ausrichtung ist aufgrund des hohen Schwerpunktes besonders wichtig“, weiß Karsten Wenkel. Für den DHE-Werkstattleiter sind solche Verladeaktionen nichts besonderes, trotzdem ist er etwas angespannt. „Die Waggons haben Aufnahmepunkte, die für das Anheben vorgesehen sind. Aber bei älteren Exemplaren können die schon etwas marode sein“, erläutert Wenkel. Hoch konzentriert beobachtet er deshalb die Verladung und atmet erst wieder tief durch, nachdem beide Waggons sicher auf den Tiefladern stehen.

Geschafft: Der erste Anhänger ist sicher gelandet.

Starten konnten die Lkw dann aber noch nicht. Aufgrund ihrer Ausmaße – sie sind mit Ladung jeweils über 24 Meter lang und 4,40 Meter hoch – dürfen sie nur nachts zwischen 22 und 6 Uhr fahren. Zudem wird sie ein Begleitfahrzeug eskortieren. Zwei Nachtschichten auf der Autobahn sind für den Transport eingeplant.

Kühlwagen fehlten bisher in der Sammlung

Am Mittwochvormittag erwarten Hauf und sein Team die beiden Interfrigo-Kühlwagen auf dem Museumsgelände. Sie ergänzen die große Sammlung von rund 90 Güterwaggons. „Wir stellen in erster Linie Loks, Triebwagen und Anhänger aus der westdeutschen Industriegeschichte aus, von der Wirtschaftswunderzeit bis zur Wiedervereinigung“, berichtet Hauf. Auch ein paar über 100 Jahre alte Exemplare aus der Weimarer Zeit sind in Horb am Neckar zu finden. „Nur Kühlwagen fehlten uns bisher“, begründet Hauf sein großes Interesse an den Harpstedter Anhängern. Entdeckt hat der Museumsleiter die beiden Exemplare der DHE ganz zufällig vor zweieinhalb Jahren im Internet.

Auf dem Tieflader treten die ausrangierten Kühlwaggons ihre letzte Reise an.

Zu jenem Zeitpunkt waren die Waggons aber noch in Delmenhorst im täglichen Einsatz. Doch Haufs Jagdinstinkt war geweckt. Er blieb mit den Harpstedter Eisenbahnern in regelmäßigem Kontakt – solange, bis die beiden Waggons in diesem Sommer ersetzt wurden. Der komplizierte Transport nach Horb schreckte ihn nicht ab. „Solche Fälle haben wir häufiger. Schließlich stehen potenzielle Ausstellungsstücke selten direkt vor der Tür“, sagt Hauf. Ob die beiden Waggons direkt in die Ausstellung kommen oder noch restauriert werden müssen, entscheidet das Museumsteam vor Ort. „Eine gewisse Patina sollen unsere Exponate besitzen. Sie müssen authentisch aussehen. So, wie früher im täglichen Einsatz “, verdeutlicht Hauf. Sollte das nicht der Fall sein, wird sein Team die Waggons entsprechend aufbereiten.

Die Eisenbahnerlebniswelt in Horb

Im Jahr 2011 eröffneten Eisenbahnenthusiasten um Claus-Jürgen Hauf die Eisenbahnerlebniswelt auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes in Horb. Auf einer Fläche von 77 000 Quadratmetern können Interessierte in die deutsche Eisenbahngeschichte eintauchen. Weitere Informationen gibt es im Internet unter www.eisenbahn-erlebniswelt.de. Aufgrund der Corona-Pandemie ist das Museum derzeit geschlossen.

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