Einwohnerfragestunde zu Beginn der Ratssitzung dauert deutlich länger als gewohnt

Missmut wegen Müllproblems und nicht maßvollen Mulchens

Der Dorfplatz in Holzhausen war ein Thema in der Einwohnerfragestunde: Tobias Sengstake sah nicht ein, dass er den Müll aus dem Abfallbehälter in seine eigene schwarze Tonne stopfen soll. Das Trennen der Abfälle sei ihm nicht zuzumuten. - Foto: Bohlken

Beckeln - Von Jürgen Bohlken. Rund ein Jahr lang hatte der Rat der Gemeinde Beckeln nicht mehr öffentlich getagt. Da konnte es nicht wirklich verwundern, dass in der Einwohnerfragestunde zu Beginn der jüngsten Sitzung im Gasthaus Beneking diverse Anliegen zur Sprache kamen.

Im Ortsteil Groß Köhren liege „nach wie vor Laub vom Herbst 2015“, beschwerte sich Altbürgermeister Heinz Nienaber. Der betreffende Anlieger schimpfe auf die Gemeinde, weil sie die Blätter nicht entferne, und die Gemeinde sage wiederum, es seine eigene Pflicht, das zu erledigen. Jedenfalls mache das immer noch herumliegende Laub einen „verdammt schlechten Eindruck“, insbesondere auf Besucher von auswärts sowie Kunden und Geschäftspartner örtlicher Gewerbebetriebe. „Da muss in irgendeiner Weise etwas passieren“, forderte der Altbürgermeister. Groß Köhren hinterlasse unter allen Ortsteilen der Gemeinde Beckeln den unsaubersten Eindruck.

Nienaber sagte, er werde nicht müde werden, darauf hinzuwirken, „dass sich das ändert“. Das Laub-Problem sei „uralt“, erwiderte Heiner Thöle – und keineswegs erst „in den letzten zwei oder drei Jahren“ entstanden. „Wir haben die betreffenden Anlieger hin und wieder informiert. Manche haben auch schon mal Post gekriegt. Aber es tut sich da nur kurzfristig was, und das war’s dann wieder“, bedauerte der Bürgermeister. Dann müsse die Gemeinde „eben den Druck erhöhen“, forderte Nienaber. „Das ist nicht ganz so einfach“, entgegnete Thöle. Der Altbürgermeister ließ nicht locker. Die Gemeinde möge sich mehr kümmern: „Demnächst wird der Schützenkönig abgeholt, und der Umzug marschiert durchs Dorf. Ich bin ja mal gespannt, ob das Laub dort dann immer noch liegt.“

Tobias Sengstake, der nach eigenem Bekunden in Holzhausen den Dorfplatz sauber hält, meldete sich ebenfalls zu Wort. Er erwähnte den dortigen Abfallbehälter. „Ich kann nicht den ganzen Müll, der sich darin sammelt, in meine schwarze Tonne hauen. Dann bleibt die nämlich stehen. Es ist mir schon einmal passiert, dass sie nicht geleert wurde.

„Der Mulcher ist keine Fräse“

Es kann aber keiner von mir verlangen, dass ich den Müll aus dem Abfallbehälter bis ins Letzte trenne, zumal sich darin auch unappetitliche Dinge wie Essensreste finden. Grob sortiere ich schon, aber selbst mit Handschuhen fasse ich nicht alles an, weil ich nicht weiß, in was ich da hineingreife.“ Sengstake hinterfragte, ob es nicht eine Möglichkeit der regelmäßigen Leerung gebe. In Twistringen übernehme das die Stadt. „Hier im Ort Beckeln machen das meines Wissens die jeweiligen Anlieger. Beim ,Neuen Lande’ erledigt das Willi Duveneck“, erläuterte Thöle.

Wie das Problem in Holzhausen gelöst werden kann, fiel ihm spontan nicht ein. „Wir nehmen das mal mit“, sagte er. „Es wäre schön, auch eine Rückmeldung zu bekommen“, mahnte Sengstake. „Wir haben die Problematik, dass uns die Insekten für das Niederwild fehlen“, leitete er in seiner Eigenschaft als Jäger zu einem anderen Problem über: „Gibt es eine Möglichkeit, das Mulchen auf maximal 40 Zentimeter Höhe zu beschränken?“, hinterfragte er. Besonders missfiel ihm, dass bei diesen Arbeiten leider, wie am Friedeholz seit Jahren zu beobachten, nicht immer die Brut- und Setzzeit eingehalten werde. Der Mulcher sei im Übrigen ja keine Fräse und müsse keineswegs bis ins Erdreich „gehauen“ werden, sodass er Gelege zerstöre. Es reiche, nur die „Köpfe“ dessen, was an Verkrautung da sei, „wegzumachen“. Allein 2015 hat Sengstake nach eigenen Angaben am Friedeholz sechs „kaputt geschlegelte“ Gelege entdeckt.

„Du solltest vielleicht mal mit dem Verursacher sprechen“, antwortete der Bürgermeister. „Ich habe ihn nicht selbst gesehen, sondern nur das Endresultat. Wer fährt denn da mit dem Mulcher rum?“, erkundigte sich Sengstake. Was die Kontrolle der Arbeiten angehe, sei die Gemeinde schon auch ein bisschen mit in der Pflicht. „Als Bürgermeister bist du dafür verantwortlich, dass Recht und Ordnung eingehalten werden. Oder sehe ich das falsch?“, sprach Sengstake Heiner Thöle direkt an. „Dann möchte ich jetzt ein Blaulicht für mein Auto haben“, erwiderte der Bürgermeister schmunzelnd. Zwischenruf aus dem Rat: „Das kriegen wir hin!“

Sengstake fand die Angelegenheit nicht unbedingt zum Lachen. Ein Bürgermeister habe nicht nur die Aufgabe, zu 80. Geburtstagen zu gratulieren. „Ich werde hier trotzdem nicht zum Kontrollieren wöchentlich rumfahren. Das mache ich nicht. Dafür fehlt mir auch die Zeit“, sagte Thöle.

Sengstake erzählte von einem Fall, der im Landkreis Diepholz passiert sein soll. Dort habe ein Bürgermeister ein paar tausend Euro Strafe zahlen müssen, weil er sich um Verstöße im Zusammenhang mit Mulcharbeiten und dem Umsägen von Bäumen nicht gekümmert habe. Der Betreffende sei wegen der Vernachlässigung seiner Aufsichtspflicht mit in die Haftung genommen worden. Thöle kannte diesen Vorfall nicht: „Da muss ich nachhaken.“

Ratsherr Günter Wöbse vermutete, der von Sengstake angesprochene Bereich am Friedeholz/Zum Neuen Lande, wo Gelege zerstört worden sein sollen, liege wahrscheinlich an einer Gemeindeverbindungsstraße und fiele damit in die Zuständigkeit der Samtgemeinde.

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