Pausenhalle wird zur Bühne

Vom mirakelnden Huhn zum Massengrab der Sardinen

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Die Darsteller empfanden die in den Gedichten vorkommenden Tiere zum Teil auch spielerisch oder mit Tierlauten nach – wie diese drei Mädels, die Hühner imitierten.

Harpstedt - Von Jürgen Bohlken. Es muss ja nicht immer Goethes „Erlkönig“ oder eine der Schillerschen Balladen sein. Dass die Poesie keine grundsätzlich todernste Angelegenheit ist, sondern immer wieder auch reizvolle, bisweilen absurde Komik hervorbringt, offenbarte sich Mittwochmorgen während einer Theatervorstellung in der Pausenhalle der Oberschule Harpstedt.

Nach dem eingespielten Evergreen „Mein kleiner grüner Kaktus“ in der Version von Max Raabe drang Vogelgezwitscher aus den Lautsprecherboxen. Nicht ohne Grund: „Von Sägeschwänen, Schnapsdrosseln und anderen schrägen Vögeln“ hatten die Theater-AG und der Wahlpflichtkurs Deutsch ihr unter der Leitung von Lehrer Joachim Hüneberg einstudiertes Programm betitelt. Was nach einem Exkurs in die Ornithologie klang, entpuppte sich als Ausflug in die Welt der Lyrik, wobei sich die vor den Fünft-, Sechst- und Siebtklässlern vorgetragenen Gedichte überwiegend um die Natur – und hier speziell um die Tierwelt – drehten, für gewöhnlich gespickt mit Humor und einem Augenzwinkern.

Rund 20 Gedichte, die sich zumeist augenzwinkernd und mit viel Humor der Tierwelt widmeten, trugen Schüler auf der Bühne vor. Tänzerische Einlagen lockerten die Aufführung der Theater-AG und des Deutsch-Wahlpflichtkurses auf.

Eines der witzigsten Beispiele stammte aus der Feder von James Krüss, der über einen vor allem aus Konserven bekannten Speisefisch einst sinnierte: „Sardinen gibt es massenhaft. Man sieht sie nur gemeinsam. Sie leben in der Hundertschaft und äußerst selten einsam. Gemeinsam sind sie voller Wut, gemeinsam voll Verlangen, gemeinsam voller Übermut, gemeinsam voller Bangen. Im Schwarm sein ist Sardinenbrauch – bei alten wie bei jungen. Gemeinsam werden sie dann auch von einem Wal verschlungen. Und stürzt kein Wal auf sie herab, dann geh’n die Ahnungslosen gemeinsam in das Massengrab – in die Sardinendosen.“

Die rund 20 Kostproben von „Abenteuern aus dem lyrischen Unterholz“ verlangten den Protagonisten ein hohes Maß an Konzentration und akzentuiertem Sprechverhalten ab, vor allem bei den mit Wortwitz und -akrobatik gespickten Gedichten wie diesem von Christian Morgenstern: „Der Flügelflagel gaustert durchs Wiruwaruwolz. Die rote Fingur plaustert, und grausig gutzt der Golz.“

Das „kakelnde“, „mirakelnde“ und „spektakelnde“ Huhn in Heinrich Seidels „Das Huhn und der Karpfen“ sorgte ebenso für Erheiterung wie Erwin Grosches „kleine Krebse“. Spielerisch empfanden die Darsteller einige „tierische“ Szenen nach, was die komische Note noch unterstrich. Eine Powerpoint- Visualisierung mit passenden Bildern und Erläuterungen sowie auflockernde tänzerische Einlagen rundeten das Theatervergnügen ab.

Was die Schüler, die zuschauten, mitgenommen haben, lässt sich nur erahnen. Aber wer weiß? Vielleicht ist hier und da ja sogar ein wenig die Lust geweckt worden, selbst nach skurrilen Kleinoden in der Poesie Ausschau zu halten und sich einige besonders gelungene Beispiele zu Gemüte zu führen.

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